| 18:08 Uhr

Städtepartnerschaft
Ein Besuch zum 60. in Boulogne-sur-mer

 Blick auf die Altstadt von Boulogne-sur-mer.
Blick auf die Altstadt von Boulogne-sur-mer. FOTO: Nadine Lang
Zweibrücken/Boulogne. Merkur-Mitarbeiterin Nadine Lang hat sich im Jubiläumsjahr in Zweibrückens Partnerstadt umgesehen. Von Nadine Lang

In diesem Jahr feierte Zweibrücken großes Jubiläum mit seiner französischen Partnerstadt Boulogne-sur-Mer. So manch ein Sportler oder Musiker hat die Stadt an der nordfranzösischen Opalküste im Rahmen des Städteausstauschs auch schon besuchen dürfen. In diesem Jahr war die französische Delegation zu Pfingsten zu Besuch in der Rosenstadt und das Jubiläum wurde gebührend gefeiert Seit 60 Jahren besteht diese Städtepartnerschaft bereits. Ein guter Zeitpunkt also, um Boulogne-sur-Mer selbst einen Besuch abzustatten und einmal einen Blick darauf zu werfen, was die beiden Städte eigentlich so verbindet und was es da eigentlich zu sehen gibt.

Zugegeben, zwei Städte miteinander zu vergleichen ist nicht unbedingt einfach. Und auch nicht immer sinnvoll, hat doch jede Stadt ihren ganz eigenen Charme. Und so ist es natürlich auch mit Boulogne-sur-Mer. Knapp 560 Kilometer trennt die beiden Städte und wer sich die Maut sparen und statt über die französische Autobahn über Belgien fahren möchte, legt nur unwesentliche Kilometer drauf.

Wer von einer Küstenstadt allerdings erwartet, dass sie ausschließlich flach am Meer liegt, der irrt. Boulogne selbst liegt wie Zweibrücken in eher hügeliger Landschaft und wer das Stadtschild passiert, trifft bereits auf die erste Gemeinsamkeit. „Ville fleurie“, heißt es da nämlich, und jede Menge bunt bepflanzte Kreisel, Hängeampeln und Grünflächen beweisen, dass es Boulogne mit seiner Blumenfreude ziemlich ernst meint.



Was Zweibrückens Aushängeschild, nämlich einer der größten Rosengärten Europas, ist, ist in Boulogne das größte nationale Meereszentrum, das Nausicaá. Mit Seelöwenreservat, Rochen zum Anfassen, einem überfluteten Regenwald, Strand der Pinguine oder tropischer Lagune – das Nausicaá spiegelt eindrucksvoll das Leben der Weltmeere wieder, auch wenn das für Besucher einen recht stolzen Preis hat (Erwachsene zahlen 25,90 Euro, Kinder 19,50 Euro).

Obwohl Boulogne-sur-Mer nur knapp 10 000 Einwohner mehr als Zweibrücken hat, wirkt die Küstenstadt dennoch größer, und hat genau wie Zweibrücken ihre mehr und weniger schönen Ecken. Die Straße „Rue deux Points“ ist das Pendant zur Boulognestraße in Zweibrücken und liegt mindestens genauso abseits vom Geschehen wie die in der Rosenstadt. Die Unterstadt ist gekennzeichnet durch den größten Fischereihafen Frankreichs und eine nicht unbedingt umwerfenden Stadtansicht, während die Oberstadt das eigentliche Schmuckstück von Boulogne-sur-Mer ist. Hier findet sich die malerische Altstadt, die man unbedingt besuchen sollte, wenn man in der Nähe ist. Mit seiner Nôtre Dame, der Festungsanlage und den engen, kleinen Pflastergassen erinnert sie an ein kleines englisches Städtchen und versprüht einen unvergleichbaren Charme, den man auch bestens bei einer Fahrt mit der Bimmelbahn erleben kann. Wer den etwas mühsamen Aufstieg in die Altstadt nicht unbedingt zu Fuß auf sich nehmen möchte, kann die kleine Bahnrundfahrt auch vom Hafen aus beginnen und in der Altstadt zu einem Zwischenstopp aussteigen.

Wer auch die Umgebung von Boulogne-sur-Mer erkunden möchte, ist mit dem kleinen Örtchen Wimereux sehr gut bedient. Das Nachbarstädtchen oder besser gesagt, die kleine Gemeinde erinnert ein wenig an Zweibrückens Nachbarstadt Blieskastel. Eine schmucke kleine Stadt, in der es im Prinzip wenig gibt, die aber dennoch einfach hübsch anzusehen ist – Blieskastel möge diesen Vergleich verzeihen. Der Badeort hat eine schön anzusehende Uferpromenade, die von alten Villen gesäumt ist. Der Strand ist allerdings nur bei Ebbe passierbar, bei Flut reicht das Wasser bis zur Promenade hoch.

Sinnbildlich für die Region sind aber auch die beiden Kaps „Blanc Nez“ und „Griz Nez“. Die beiden ins Meer herausragenden Landzungen werden von zahlreichen Touristen angefahren und bieten einen faszinierenden Blick auf den Ärmelkanal und auf die gegenüberliegende englische Küste.

Solche Touristen-Hotspots sind zwar durchaus interessant und einen Besuch wert, wer sich aber auf dem Weg dorthin einfach mal treiben lässt und (offizielle) Wege erkundet, die weniger bekannt sind, wird mitunter mit noch faszinierenderen Aussichtspunkten belohnt.

Boulogne-sur-Mer, die wirkliche Stadt am Wasser – dieses Mal möge Zweibrücken diesen Vergleich verzeihen – hat natürlich auch einen Strand, wenn auch nicht ganz so malerisch wie in manchen Nachbarorten. Dafür aber nicht nur eine, sondern gleich mehrere Treppen zum Wasser. Und von denen hat man besonders bei Sonnenuntergang einen fantastischen Blick auf das blau-grüne Wasser der Opalküste.

 Im direkten Vergleich: Die Treppen zum Wasser in Zweibrücken (links) und Boulogne.
Im direkten Vergleich: Die Treppen zum Wasser in Zweibrücken (links) und Boulogne. FOTO: Nadine Lang
 Boulogne-sur-mer im Spätsommer 2019
Boulogne-sur-mer im Spätsommer 2019 FOTO: Nadine Lang
 Die Zweibrücker Straße in Boulogne.
Die Zweibrücker Straße in Boulogne. FOTO: Nadine Lang