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Freies Internet für Fußgängerzone
Ein Atoll statt vieler Inseln

Diese Aufnahme vom Freitag zeigt: In der Fußgängerzone ist stellenweise kaum Frequenz. Wobei immerhin die Straßencafés gut gefüllt waren. 
Diese Aufnahme vom Freitag zeigt: In der Fußgängerzone ist stellenweise kaum Frequenz. Wobei immerhin die Straßencafés gut gefüllt waren.  FOTO: jam
Zweibrücken. Gerhard Maurer (SPD) wirbt weiter bei Händlern um flächendeckendes W-Lan. Innenstadt müsse attraktiver werden. Von Mirko Reuther

Gerhard Maurer redet gerne in Metaphern. „Aus den Inseln soll ein Atoll erwachsen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Zweibrücker SPD-Ortsverbands. Was er  beschreibt, ist das von ihm erdachte Konzept, um in der Fußgängerzone ein frei empfangbares Internet-Netzwerk einzurichten. „Wir wollen die City wieder attraktiver machen und Besucher anlocken“, sagt Maurer, der beim DRK als EDV-Techniker arbeitet.

Die wichtigste Rolle bei dem ambitionierten Projekt spielen die einzelnen Geschäfte in der Fußgängerzone: Die stellen in Maurers Vergleich die kleinen Inseln dar, die in ihrer Gesamtheit das flächendeckende W-Lan-Netz bereitstellen sollen. Das habe grundlegende Vorteile gegenüber einem einzigen zentralen Internetanbieter. Maurers Vergleich: Man muss sich vorstellen, dass statt einer verstopften Autobahn viele verschiedene Straßen existieren, „auf denen freie Fahrt herrscht.“ Anders gesagt: „In den Geschäften selbst ist der Netzempfang aufgrund der räumlichen Nähe zum Signal deutlich besser als bei einem einzigen Hotspot, bei dem der Empfang mit zunehmender Entfernung schlechter wird.“

Das System kann aber nur funktionieren, wenn viele Händler mitmachen, die ihren Teil zum Netzwerk beitragen. Doch  genau da hakt es im Moment noch. „Es gibt bereits einige Teilnehmer, aber die Gruppe ist noch überschaubar“, räumt Maurer ein. Unter anderem haben das Büro des SPD-Ortsverbandes, Tabak Bayer und das Reisebüro Schmid das System implementiert. In dem Reisebüro war das Projekt im Dezember angelaufen. Dort und in den anderen teilnehmenden Geschäften gebe es mit dem Netzwerk keine Probleme, sagt Maurer. Er hat sein Konzept der Händlervereinigung Gemeinsamhandel vorgestellt und sagt: „Es gibt viele Interessenten, aber genausoviele Zweifel gilt es, zu zerstreuen.“ Viele Händler würden durch die Angst vor Cyberkriminalität oder von den Herausforderungen der technischen Umsetzung abgeschreckt. Dabei wurde die sogenannte „Störerhaftung“, die besagte, dass Betreiber eines W-Lan-Hotspots für illegale Handlungen ihrer Nutzer verantwortlich sind, 2017 abgeschafft. Und auch der technische Aspekt scheint selbst für Laien keine unüberwindbare Hürde zu sein: In der Mehrzahl der Fälle lasse sich das Netz mit einem einfachen W-Lan-Router einrichten, der – sofern er nicht schon vorhanden ist – für wenig Geld erworben werden könne.



Die Vorteile für die Menschen in Zweibrücken, die beim Flanieren durch die Fußgängerzone im Internet surfen können und dabei kein eigenes Datenvolumen verbrauchen, liegen auf der Hand. Aber was haben die Händler von ihrem Aufwand? Die sollen laut Maurer im Netz ihre Waren anpreisen und verkaufen können. Über eine zentrale Online-Plattform sollen die teilnehmenden Geschäfte in ihrer Gesamtheit einen Zweibrücker „Versandkatalog“ bilden, in dem jeder Händler ein eigenes virtuelles Regal befüllt. Die Kunden können sich über einen Barcode auf den Waren von den verschiedenen Händlern bereitgestellte Informationen und Tipps auf ihr Smartphone laden und das Produkt im Geschäft sofort bargeldlos online kaufen. „Das ist die Idealvorstellung“, sagt Maurer und ergänzt: „Unser Angebot ähnelt dem der großen Onlineversandhändler. Mit dem Vorteil, dass der Kunde das Produkt in unserem Fall vor Ort anfassen, testen und sofort mitnehmen kann. Das ist etwas anderes, als wenn ich drei Tage auf Ware warten muss, die ich vorher nie in der Hand gehalten habe.“

Dagegen, dass die Menschen sich im Laden informieren, das Produkt dann aber für etwas weniger Geld im Internet erstehen, könne man indes wenig tun. Maurer: „Vielleicht kann man die Leute an ihrem Umweltbewusstsein packen. Es ist der Wahnsinn, wie viele verschiedene Paketdienste täglich durch die Straßen fahren.“ Um die Innenstadt nicht weiter veröden zu lassen müsse man dort aber „auch die Mietpreispolitik überdenken.“

Die Stadt selbst will dem Projekt auf jeden Fall eine Chance geben. City-Managerin Petra Stricker sagt in einer Pressemitteilung: „Wir haben ein Team, bestehend aus Gemeinsamhandel, Wirtschaftsförderung, Internetspezialisten, der Hochschule und dem Citymanagement gebildet, das sich intensiv mit dem Thema beschäftigt.“ Stricker ergänzt: „Es ist geplant, dass wir beim nächsten Anschreiben an die Händler, Dienstleister und Gastronomen der Stadt sowie bei einer Infoveranstaltung Aufklärungsarbeit leisten.“ Denn erst ab 80 Teilnehmern könne das Projekt an den Start gehen. „Ein vergleichbares System hat es meines Wissens in Deutschland noch nicht gegeben“, sagt Maurer. Und macht sich mit einer weiteren Metapher für seine Idee stark: „Die Entwicklung des Internets lässt sich nicht zurückdrehen. Wir können jetzt mitschwimmen – oder warten, bis uns die Welle überrollt.“