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Merkur-Interview
„Eigentlich hat das Thema mich gewählt“

Monika Geier lebt in Thaleischweiler-Fröschen.
Monika Geier lebt in Thaleischweiler-Fröschen. FOTO: privat
Die 47-jährige Autorin aus Thaleischweiler-Fröschen schaffte es beim Deutschen Krimipreis auf den zweiten Platz.

Ihr neues Buch "Alles so hell da vorn“ eroberte erst letztes Jahr die Krimi-Bestenliste der FAZ, nun steht es auf dem zweiten Platz beim Deutschen Krimipreis. Haben Sie solch einen Erfolg erwartet?

Monika Geier Naja, also so richtig erwartet habe ich es natürlich nicht, aber ich bin sehr froh, diese Anerkennung zu erfahren. Das Buch liegt mir sehr am Herzen und es steckte eben doch sehr viel Arbeit dahinter, da ist es natürlich toll, wenn man so eine große Antwort bekommt.

Was bedeutet Ihnen dieser Preis?



Geier Der Preis ist eine große Ehre, er wird nämlich von den Krimi-Kritikern und den Krimi-Buchhändlern Deutschlands und überhaupt allen wichtigen Krimi-Menschen Deutschlands vergeben, es ist also ein Kritiker-Preis und somit auch sehr schwer zu kriegen. Es ist wirklich großartig, dass ich den jetzt bekommen habe.

In ihrem Buch geht es um Kinderprostitution. Warum haben Sie ein so heikles Thema gewählt?

Geier Also eigentlich hat das Thema mich gewählt. Ich hatte Kontakt zu Menschen, die damit zu tun haben, unter anderem einem Polizisten, der in der Missbrauchsprävention arbeitet und der saß dann irgendwann plötzlich in meiner Küche und meinte, man müsse etwas tun. Irgendwie hat mich das Thema ergriffen und mitgenommen und so wähle ich eben auch meine Themen aus: Ich nehme das, was mir selbst am dringendsten erscheint.

Wenn sie von „Kontakt zu Menschen, die damit zu tun haben“ sprechen, haben Sie schon einmal ein prostituiertes Kind getroffen?

Geier Ja, ich hatte tatsächlich einmal eine Begegnung mit einem Mädchen, dass ich für eine Kinderprostituierte gehalten habe. Also es war nicht ganz klar, ob sie eine ist, aber auf jeden Fall war es auch ein sehr eindringliches Erlebnis und das war dann auch einer der Gründe, weshalb ich dachte, jetzt müsse ich etwas tun, um der Welt zu zeigen, das solch eine Seite eben auch existiert.

Sie wohnen seit fast neun Jahren in der Nähe von Zweibrücken und Ihre Kinder gehen auch hier auf die Schule. Wie wirkt das auf Ihre Bücher aus?

Geier Der Ort, an dem man lebt, ist natürlich immer eigentlich auch der Ort, den man darstellt. Selbst, wenn man fiktive Gegenden erfindet, führen sie am Ende immer zu dem, was man täglich so erlebt. Deshalb habe ich es völlig aufgegeben, fiktive Gegenden zu erfinden und beschreibe einfach das, was mir hier so vor der Nase vorbeikommt und eigentlich ist es ja sowieso am interessantesten über das zu schreiben, was man so erlebt.

Die Fragen stellte Roman Klar.