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Krankenhaus
Dr. Birk vermutet Plan hinter der Krankenhaus-Schließung

Zweibrücken.   Professor Dr. Dieter Birk war am Evangelischen Krankenhaus Zweibrücken fast 15 Jahre Chefarzt, beinahe zehn Jahre davon auch Ärztlicher Direktor. In der Zeit habe sich in der Klinik vieles entwickelt, die Qualität enorm verbessert. Doch das Evangelische sei die Melkkuh des LVIM gewesen. Mit Medizinern wie Dr. Matthias Stopp oder Dr. Peter Mayer sei das renommierte Haus um die Jahre 2012, 2013 gut aufgestellt gewesen, habe in Zweibrücken etwa zwei Drittel der Patienten versorgt, das Nardini-Klinikum nur ein Drittel. Damals habe das Katholische deutlich schlechter da gestanden. Die Belegungszahlen hätten gepasst, auf seinen weltweiten Kongressbesuchen sei Zweibrücken zu der Zeit „in der Medizin-Welt bekannt“ gewesen. Dann fädelte Birk auch ein, dass das Evangelische als Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität des Saarlandes anerkannt wurde. Ein Erfolgsprojekt, wie er rückblickend findet. Eins, das dem katholischen Krankenhaus „mittelfristig wehgetan“ hätte, zeigt sich Birk sicher. Und eins, mit dessen Idee der LVIM-Vorstand nichts zu tun hatte, wie Birk auf Nachfrage betont.

„Doch dann wurden wir in Grund und Boden regiert und die Krise war da. Es gab wohl einen gewissen Plan dahinter“, sagt er rückblickend. Eine Fusion mit den Diakonissen Speyer-Mannheim sei vermutlich schon immer im Hinterkopf gewesen – und diese hätten das Zweibrücker Krankenhaus auf keinen Fall übernehmen wollen. Unter dem damaligen LVIM-Chef Rainer Wettreck wurden dann schlagartig die schlechten Zahlen bekannt, erinnert sich Birk. Dass der großstadtgewohnte Wettreck mehr auf seinen Berliner Berater gehört habe als auf Leute mit Ortskenntnis und renommierte Ärzte zur unmittelbaren Konkurrenz ziehen ließ, zeige die mangelnde Fähigkeit, ein mittelständiges Unternehmen so zu führen, dass es zukunftsfähig ist.

Aber auch, dass der LVIM alles getan habe, um 2016 einen Käufer für das dem Aus geweihten Krankenhaus zu finden, zieht Birk in Zweifel. Ein Freund von einem sehr großen Klinikbetreiber habe auf seinen Hinweis hin Kontakt mit dem LVIM aufgenommen – doch das Engagement des LVIM habe sich in Grenzen gehalten.

Hat in Birks Augen die falsche Klinik schließen müssen? Das Evangelische sei besser aufgestellt und mit Köpfen besser besetzt gewesen. Doch auch das Nardini biete keine schlechte Qualität, betont Birk. Er habe sich die ganze Zeit in Zweibrücken gewundert, dass die Träger ihr Angebot nicht aufeinander abstimmen konnten, ein Scheitern also aufgrund der engstirnigen Sichtweise von Nardini Klinikum und LVIM. Wobei die evangelische Seite hier „noch eher flexibler“ gewesen sei. Heute erfahre er von niedergelassenen Kollegen, dass sie ihre Patienten in Zweibrücken nicht unterbekämen: „Es gibt hier ein Defizit in der stationären Versorgung!“ Im europäischen Vergleich habe Deutschland weiterhin eine Überversorgung an Krankenhausbetten. Rheinland-Pfalz werde mittelfristig weniger Geld für die Krankenhauslandschaft ausgeben können, wenn eine geplante deutschlandweite Angleichung stattfinde. Das Katholische indes habe in seinen Augen aber auch dann eine „Überlebensgarantie“.

Bleibt noch die geringe Wertschätzung des LVIM für seine Angestellten, auf die Birk zu sprechen kommt. Das sei ihm sauer aufgestoßen. Er erinnert an die Weihnachtsfeier 2015. Da habe LVIM-Vorstandsmitglied Bianca Pfeuffer, die eigentlich bei den Diakonissen Speyer-Mannheim arbeitet, die Angestellten begrüßt als Mitarbeiter der „Mission für Innere Medizin“. Wenn man nicht einmal wisse, wie der Träger heißt, spreche das Bände, so Birk.