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Konditionerungsanlage Rechenbachtal
Toxische Stoffe unterhalb der Grenzwerte

Besonders wegen Dioxinen und Furanen war die Bürgerinitiative Mörsbach besorgt. Doch die Terrag, Betreiber der Konditionierungsanlage an der Zweibrücker Mülldeponie, beruhigt nach Messungen.
Besonders wegen Dioxinen und Furanen war die Bürgerinitiative Mörsbach besorgt. Doch die Terrag, Betreiber der Konditionierungsanlage an der Zweibrücker Mülldeponie, beruhigt nach Messungen. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Emissionsmessungen an Konditionierungsanlage Rechenbachtal: Laut Terrag keine Gefahr durch Staub und Schwermetalle. Von Mirko Reuther

 Terrag gibt Entwarnung. Emissionsmessungen an der Konditionierungsanlage Rechenbachtal bei Mörsbach, die die Firma betreibt und in der Industrie-Stäube verarbeitet werden, haben ergeben, dass die zulässigen Grenzwerte für Stäube und Schwermetalle deutlich unterschritten werden. Das erklärte Terrag am Freitag in einer Pressemitteilung.

In einem Genehmigungsbescheid aus dem Jahr 2017, der Terrag die Verarbeitung sogenannter gefährlicher Stäube erlaubt, waren der Firma von der SGD Süd ein Sicherheitskonzept sowie Messungen zu Staub- und Schwermetallemissionen aus den vier Siloanlagen als Auflage gemacht worden (wir berichteten mehrfach).

Die Ergebnisse der Messungen laut Terrag: Im Hinblick auf Staub lag der Gehalt bei zwei Prozent des Grenzwertes. Die Schwermetallgehalte hätten sich sogar unterhalb der Nachweisgrenze befunden. Die Ermittlung von toxischen Dioxinen und Furanen habe eine Konzentration von lediglich 0,05 Prozent des Grenzwertes ergeben. Die Messungen habe die SGS-Tüv-Saar-GmbH während des Entladevorgangs der Lkw unter Vollauslastung der Anlage durchgeführt. Die Bürgerinitiative Mörsbach hatte sich zuvor besonders besorgt gezeigt, weil sie befürchtete, hochgradig krebserregenden Dioxine und Furane könnten austreten.



Die Tüv-Gutachter hätten die Plausibilität der Messungen bestätigt, schreibt Terrag. „Die erhebliche Unterschreitung der Grenzwerte haben wir erwartet, dass sie so deutlich ausfällt, ist umso besser“, wird Terrag-Geschäftsführer Gerhard Scherer zitiert.

Inhalt des Sicherheitskonzeptes war darüber hinaus der Bau einer Vorhalle im Entladebereich der Konditionierungsanlage. Die Baugenehmigung für die Vorhalle sei mittlerweile erteilt worden und Terrag habe mit vorbereitenden Arbeiten begonnen. Die Vergabe der Aufträge zum Bau der Vorhalle laufe derzeit. Genaue Termine stünden aber noch nicht fest, weil Stahlbaufirmen aktuell ausgelastet seien und zudem geprüft werde, welche Arbeiten im laufenden Betrieb durchgeführt werden können. Müsse die Anlage für einen längeren Zeitraum still stehen, könne der Bau erst im Sommer 2019 starten.

Für Julia Igel, Vorsitzende der Bürgerinitiative Mörsbach, die die Anlage und den Genehmigungsbescheid zur Verarbeitung gefährlicher Stäube in der Vergangenheit kritisiert hatte, sind die Ergebnisse zumindest ein Teilerfolg. „Wir sind grundsätzlich zufrieden damit, dass überhaupt gemessen worden ist. Das muss in Zukunft weiter geschehen. Nicht jede Woche. Aber regelmäßig. In und um die Anlagen“, sagt die Ärztin. Insbesondere für die Arbeiter, die täglich mit den Stoffen zu tun hätten, seien die Ergebnisse gute Nachrichten. „Dass die Anlage im Regelfall funktioniert, ist positiv. Das darf man aber auch erwarten“, sagt Igel, die gerne gewusst hätte, wo genau der Tüv die Messungen durchgeführt hat.

An der grundsätzlichen Kritik der Bürgerinitiative habe sich indes nichts geändert. Die 2013 errichtete Konditionierungsanlage hätte im Tal gebaut werden müssen und nicht auf dem dem Wind ausgesetzten Hang. Das sei bei einer Havarie besonders gefährlich, sagt Igel.

2015 war auf der Wiese eines Mörsbacher Biolandbetriebs schwarzer Staubschnee niedergegangen, nachdem ein Filterwechsel in der benachbarten Konditionierungsanlage fehlgeschlagen war. Terrag habe damals die Verantwortlichkeit abgelehnt und „immer nur das zugegeben, was sich beweisen ließ“, sagt Igel und ergänzt: „Uns wäre wohler, wenn wir Terrag als verantwortungsvolles Unternehmen wahrnehmen würden. Das ist uns in der Vergangenheit schwergefallen.“