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Sonderausstellung im Stadtmuseum
Die vergessene Manufaktur

Der Brandteller aus dem Zweiten Weltkrieg gehört zu den außergewöhnlichsten Exponaten im Zweibrücker Stadtmuseum.
Der Brandteller aus dem Zweiten Weltkrieg gehört zu den außergewöhnlichsten Exponaten im Zweibrücker Stadtmuseum. FOTO: Cordula von Waldow / red
Zweibrücken. Erst 13 Jahrzehnte nach dem Produktions-Aus wurde die Zweibrücker Porzellanmanufaktur im Jahre 1907 wiederentdeckt. Von Cordula von Waldow

Nach dem Ende ihrer nur achtjährigen Produktionszeit im Jahr 1775 geriet die Zweibrücker Porzellanmanufaktur schnell in Vergessenheit. Nur wenige Stücke überstanden unerkannt die bewegten Zeiten der Französischen Revolution, des Napoleonischen Empire und ein Jahrhundert Bayerischer Regierung. Erst 130 Jahre später, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, entdeckte Emil Heuser unter Bergwerksakten im Kreisarchiv Speyer die Quellen zur herzoglichen Manufaktur mit den Markenzeichen PZ.

„Seitdem kennen wir Arbeitsabläufe, Künstler und Handwerker, Herstellungs- und Absatzprobleme, Produktivität sowie das bedeutende Engagement Herzog Christian IV. für seine Porzellanmanufaktur“, freut sich die Zweibrücker Stadtmuseumsleiterin Charlotte Glück. Seit seiner Wiederentdeckung im Jahr 1907 zählt das Zweibrücker Porzellan mit lediglich 250 bekannten Exemplaren weltweit zu den gesuchtesten Raritäten seiner Art aus dem Rokoko. Das Papier und die Forschungsergebnisse haben die Jahrhunderte weitaus besser überstanden als das zerbrechliche „Weiße Gold“ aus Zweibrücken. So wurde die gesamte Geschichte der Zweibrücker Porzellanmanufaktur bekannt, die ihre Blüte gleich zu ihrer Anfangszeit auf Schloss Gutenbrunn erlebte. Rund 20 Mitarbeiter, darunter namhafte Künstler und die beiden erfahrenen Porzellan-Spezialisten, Laurentius Russinger und der Figuren-, Landschafts- und Blumenmaler Friedrich Carl Wohlfahrt, sorgten für eine hohe Qualität. Wie in der damaligen Zeit im Handwerk üblich, wanderten sie im nächsten Jahr weiter. Aus dieser Zeit, als die Zweibrücker Porzellanmanufaktur noch von ihrem Gründer, Joseph Michael Stahl betrieben wurde, stammt die purpurne Marke mit der Doppelbrücke für Zweibrücken und dem darunter liegenden S als Initiale für Stahl. Nachdem Herzog Christian IV. Selbst 1768 die Fabrikation übernommen hatte, ließ er die Porzellane mit einem blauen PZ für Pfalz-Zweibrücken markieren. Diese Initiale trägt auch der Teller mit den massiven Brandschäden in der Ausstellung.

„Zuletzt hat der Zweite Weltkrieg unter den Beständen im Heimatmuseum massiven Schaden angerichtet.“, berichtet Charlotte Glück. Interessant sei jedoch, dass der verbliebene Teller so seine ganz eigene Zweibrücker Geschichte erzählt. Er hat die Blüte der Herzogstadt ebenso miterlebt, wie ihren Ruin 200 Jahre später. Als 1926 das Zweibrücker Heimatmuseum gegründet wurde, gehörte diese runde Porzellanplatte mit dem Dekor Deutsche Blumen bereits zum Bestand.



Ihr weiteres Schicksal blieb eng mit der Geschichte von Stadt und Museum verflochten, so dass sie heute eines der Museumsexponate mit dem stärksten Symbolcharakter ist. Als am 14. März 1945 das alte Zweibrücken in einem Hagel von Bomben unterging, überstand diese Platte aus zerbrechlichem Porzellan das Inferno in einem Tresor der Stadtsparkasse, wohin man sie mit anderen Exponaten in Sicherheit gebracht hatte. Der Teller an sich blieb unbeschädigt, die Farben des Blumendekors verbrannten jedoch unter der Hitze der brennenden Sparkasse und zeugen noch heute von den schlimmsten Stunden der Zweibrücker Geschichte.

Zerbrochen wurde die Platte erst einige Jahre später, als in der Wiederaufbauphase des Heimatmuseums ein engagierter Zweibrücker Bürger in guter Absicht etwas unachtsam mit dem wertvollen Exponat umging. Gerade deshalb ist dieser Teller für die Museumsleiterin eines der bedeutendsten Ausstellungsstücke.