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Sturmtief Sabine
Die Straßen voller Holz

 Am Sonntagabend war auf dem Goetheplatz vom Sturm umgeweht worden.
Am Sonntagabend war auf dem Goetheplatz vom Sturm umgeweht worden. FOTO: Nikita Treib
Zweibrücken/Zweibrücken-Land. Obwohl Sturmtief mit bis zu 120 Stundenkilometern über die Region fegte, blieb es zum Glück bei Sachschäden. Von Norbert Schwarz und Norbert Rech

Orkan Sabine hatte seit Sonntag Nachmittag auch Zweibrücken und das Zweibrücker Land voll im Griff. Merkur-Meteorologe Michael Agne hat in der Nacht zum Montag an seiner Wetterstation in Lambsborn in der Zeit von 22 bis drei Uhr Spitzen-Windgeschwindigkeiten von 100 bis 120 Stundenkilometern gemessen. „Der Mittelwert betrug 86 Stundekilometer“, berichtet der Wetterforscher. Agne vergleicht den aktuellen Orkan mit Lothar (1999) und Kyrill (2007), die damals auch in der Südwestpfalz wüteten. Die Orkane die Anfang der 90er Jahre über Deutschland brausten (Wiebke und Hertha) seien zwar stärker gewesen, hätten aber seiner Erinnerung nach weniger Schäden angerichtet. So seien diesmal deutlich mehr Bäume in Mitleidenschaft gezogen worden als in früheren Jahren. Das belegen auch die Berichte der Feuerwehr Zweibrücken, die am Montagmittag noch mit zwölf Fahrzeugen im Einsatz war.

Auch der UBZ (Umwelt – und Servicebetrieb Zweibrücken) war in der Nacht zum Montag ab 1.30 Uhr mit zwei Fahrzeugen und vier Mitarbeitern im Einsatz, wie der Abteilungsleiter des Betriebshofes Steffen Mannschatz berichtet. Aufgabe sei es gewesen Absperrungen an Gefahrenstellen aufzustellen: „Der Einsatz endete gegen vier Uhr.“ Ab sechs Uhr seien dann acht Mitarbeiter aus dem Bereich der Baumkolonne und der Grünunterhaltung im Einsatz gewesen, die umgefallene Bäume und herumliegende Äste beseitigen. Mit Bäumen und Ästen, die Straßen blockierten, hatten auch die Zweibrücker Feuerwehrleute viel Arbeit, unter anderem zwischen Niederauerbach und Mörsbach, in der Schwalben- und der Sauerbruchstraße. In der Gartenstraße drohte ein Baum auf ein Haus zu stürzen. In der Ackerwegschule waren Ziegel vom Dach geweht worden. Ein Baum war noch am Sonntagabend am Goetheplatz in der Innenstadt auf ein Auto gestürzt.

Der Lambsborner Meteorologe sieht die Ursache der vielen Baumschäden in der Trockenheit, die diese sehr empfindlich gemacht hätten. Agne rechnet aufgrund des Klimawandels mit deutlich mehr solch extremer Wetterlagen. Für Dienstag prognostiziert er starken Wind mit Regen, Graupel und Schnee: „Wir werden ein richtiges Aprilwetter bekommen.“



Der Unterricht an den weiterführenden Schulen in Zweibrücken ist nicht ausgefallen, wie Jörg Neurohr, Leiter des Hofenfels-Gymnasiums erklärt. Viele Schüler seien aber entschuldigt daheim geblieben. Die Entscheidung darüber hatte das Bildungsministerium in Mainz den Eltern überlassen. Am Hofenfels-Gymnasium seien Klassen zusammengelegt worden, um den Unterricht abhalten zu können, so Neurohr. „Wenn keine Busse gefahren wären, hätten wir diese wohl ausfallen lassen. Die Betreuung der Schüler wäre aber auch dann gewährleistet gewesen“, so Neurohr. Ausfälle bei den Zweibrücker Stadtbussen habe es nicht gegeben, wie die Verkehrsgesellschaft mitteilt.

 Sturmtief „Sabine“ hat auch mehr als 100 Feuerwehrleute aus 14 Löscheinheiten allein bei der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land in Atem gehalten. Vom späten Sonntagabend waren diese bis in die gestrigen Nachmittagsstunden im Einsatz. Inbesondere die Feuerwehrleute der Klosterstadt Hornbach konnte sich über Beschäftigungsmangel durch die wütende Sabine nicht beklagen. Erfreulich: Es gab keine Personenschäden oder größere Zerstörungen zu beklagen. 

„Wir hatten jederzeit alles im Griff, vor allem die Zusammenarbeit mit der Leitstelle in Landau klappte ausgezeichnet, geradezu vorbildlich“, bestätigte gestern Verbandsgemeindewehrleiter Thorsten Preyer auf Nachfrage. In der Contwiger Feuerwehr-Einsatzleitzentrale hatte dieserhalb Daniel Knerr tiefe Einblicke in die Zusammenarbeit gegeben und die Abstimmung als bestens gelobt. Bis kurz vor 21 Uhr war es bei den Löscheinheiten von Zweibrücken-Land ruhig gewesen. In Erwartung des Sturmtiefs habe man sich von der Führung aus dafür entschieden, dass zunächst keine Dauerbesetzung erfolgt. Allerdings, sollte sich das kurz vor Mitternacht schlagartig ändern. Das Fax, unter anderem ein Verbindungsmedium mit der Landauer Leitstelle stand nicht mehr still. Die Zusatzinformationen zu den Einsatzorten kamen bündelweise. Daniel Knerr: „Wir haben uns dann für einen dreistündigen „Wechselschichtdienst“ ausgesprochen und damit die richtige Entscheidung getroffen.“

Zwei Feuerwehrangehörige seien von da an bis Montagmittag zwölf Uhr im Dauereinsatz gewesen. Einsatzschwerpunkte dabei insbesondere die Ortschaften Bechhofen, Großbundenbach und Hornbach und je mehr es in den Montag hineingegangen sei, desto verstärkter kamen die Hilferufe. Insbesondere die Landstraße aus dem Auerbachtal hoch nach Groß- und Kleinbundenbach ist einmal mehr ein Schadensort gewesen.  Die Landstraße musste wegen der Vielzahl gefallener Bäume total gesperrt werden.

Vollauf beschäftigt zu diesem Zeitpunkt auch schon die Hornbacher Feuerwehrleute, die dann im Verlauf des Montags noch zusätzliche Einsätze abarbeiten mussten. Für die Contwiger Floriansjünger wurden die Morgenstunden wieder zu einer ganz unruhigen Zeit. Die Rettungsleitstelle gab  den Hilferuf der Bahn weiter. Mit dem Einsetzen des Berufsverkehrs auf der Schiene war in Nähe des Haltepunktes Stambach ein Riesenbaum auf die Gleise gefallen. Nach zwei Stunden Schwerstarbeit konnte DB-Regio wieder ein freies Schienennetz in diesem Abschnitt übergeben werden. 

Mehr als 20 Einsätze gab es überhaupt. Allein die Löscheinheiten Althornbach, Battweiler, Großsteinhausen und Riedelberg wurden nicht alarmiert. Weil vielfach die Kreis- und Landstraßen gesperrt blieben, kamen die Schüler der IGS Contwig nicht zu ihrer Schule. Für elf Uhr wurde gestern deshalb an der IGS Contwig der Unterricht beendet. Umgefallene Bäume und gefährdete Dächer sind die Hauptursachen für die Einsätze gewesen. Beim Oberbeiwalderhof in Hornbach mussten mit der Drehleiter freigewehte Ziegeln gesichert werden. 

 Der Schwarzbach ist im Schwarzbachtal zwischen Thaleischweiler-Fröschen und Contwig übergelaufen, die Talaue ist vielfach eine Seenlandschaft.
Der Schwarzbach ist im Schwarzbachtal zwischen Thaleischweiler-Fröschen und Contwig übergelaufen, die Talaue ist vielfach eine Seenlandschaft. FOTO: Norbert Schwarz
 Beim Oberbeiwalderhof in Hornbach mussten die Feuerwehrleute freigewehte Ziegeln am alten Dach des Oberbeiwalderhofes sichern.
Beim Oberbeiwalderhof in Hornbach mussten die Feuerwehrleute freigewehte Ziegeln am alten Dach des Oberbeiwalderhofes sichern. FOTO: Norbert Schwarz
 Dieser Schirm hat es hinter sich – und mit ihm viele andere, die den Böen der vergangenen Stunden nicht Stand halten konnten.
Dieser Schirm hat es hinter sich – und mit ihm viele andere, die den Böen der vergangenen Stunden nicht Stand halten konnten. FOTO: Jan Althoff