| 23:39 Uhr

Ärger über Raser
Die Stadtautobahn, die keine ist

Wer es in der Steinhauser Straße „wagt“, nur mit Tempo 50 zu fahren (was dort vorgeschrieben ist), muss damit rechnen, dass manch ungestümer Fahrer hinter einem zum Drängler wird.
Wer es in der Steinhauser Straße „wagt“, nur mit Tempo 50 zu fahren (was dort vorgeschrieben ist), muss damit rechnen, dass manch ungestümer Fahrer hinter einem zum Drängler wird. FOTO: bav
Zweibrücken. In der Steinhauser Straße wird oft auf die Tube gedrückt und gedrängt. Viele missachten Tempo 50 demonstrativ. Von Volker Baumann

Die Steinhauser Straße verläuft innerstädtisch zwar fast parallel zur Autobahn, ist aber eine Landesstraße mit der Bezeichnung L408, auf der 50 Stundenkilometer als Geschwindigkeitsbeschränkung gelten. Da sie dreispurig ausgebaut und eine wichtige Durchgangs- und Ausfallstraße ist, wird sie von Autofahrern allerdings oft als „Rennstrecke“ missbraucht.

Horst Rettig ist deshalb oft sauer auf die Drängler und Überholenden. Der  gelernte Kraftfahrer fährt seit 1979 Laster und Busse und ist regelmäßig mit übergroßen Schwertransporten auf der Steinhauser Straße unterwegs. „Was man da alles erlebt, ist kaum zu glauben“, macht er seinem Unmut Luft. So werde er oft, obwohl die Größe seines Fahrzeug dies eigentlich nicht zuließe, bergauf in der starken Linkskurve, trotz Gefahrensignal mit gelber Rundumleuchte und Begleitfahrzeug, sogar auf der Gegenspur überholt. „Danach fahren die vor mir wieder quer rüber und behindern mich, um zum Beispiel in die Röntgenstraße abzubiegen“, beschreibt er die Fahrweise einiger Autofahrer, denen es offenbar nicht schnell genug gehe und die damit einen Unfall riskieren würden. Generell werde er, bei Einhaltung von Tempo 50, von „Vorbeifliegenden“ überholt. „Mindestens 70 bis 80 Sachen haben die ab und zu drauf“, schätzt Rettig das riskante Tempo ein.

Bergabwärts, wo nur eine Spur zur Verfügung steht, werde er gar, trotz Überholverbots und durchgezogener Linie, auf der Gegenfahrbahn überholt. Ein Schwertransport werde offenkundig von einigen als Hindernis betrachtet, obwohl dieser auch das entsprechende Tempo einhalte. Horst Rettig hätte deshalb gerne, dass in dieser vielbefahrenen Straße mehr Geschwindigkeitskontrollen und Verkehrsüberwachungen stattfinden. Wenn dort tatsächlich mal geblitzt werde, heiße es meistens gleich von Seiten der Betroffenen „Alles Abzocke“ oder „die Stadt braucht wieder mal Geld“.  



Peter Faber, Verkehrssachbearbeiter bei der Polizeiinspektion Zweibrücken, bestätigt die Beobachtungen Rettigs, kann aber von der Unfallsituation dort nicht unbedingt auf die Ursache Geschwindigkeit schließen. Im Jahr 2017 hätten sich dort fünfzehn Verkehrsunfälle ereignet. Drei davon seien Wildunfälle, sechs Vorfahrtsfälle und ganze vier Auffahrunfälle gewesen, die mit Drängeln in Verbindung zu bringen seien. Vielleicht auch gerade, weil man dort regelmäßig kontrolliere. „Im Jahr 2017 hatten wir dort sechs Messungen mit insgesamt 596 Beanstandungen, wobei die meisten stadteinwärts zu schnell waren“, erläutert der Polizeibeamte. Auch 2018 habe man schon mehrfach kontrolliert und werde es auch weiterhin tun, nicht um abzuzocken, sondern um Unfälle zu vermeiden.