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Die guten Seelen des Gymnasiums

Das Hofenfels-Gymnasium prägte ihr Leben – und ihre Ehe: Gerlinde und Arnulf Scheerer. Foto: David Oliver Betz
Das Hofenfels-Gymnasium prägte ihr Leben – und ihre Ehe: Gerlinde und Arnulf Scheerer. Foto: David Oliver Betz FOTO: David Oliver Betz
Zweibrücken. Das Ehepaar Scheerer prägte das Hofenfels über Jahrzehnte: Er in seinem Beruf als Technischer Assistent, sie als Bücherei-Chefin. David Oliver Betz

Gerlinde und Arnulf Scheerer sind am Hofenfels-Gymnasium jahrzehntelang die Bibliotheksleiterin und der Technische Assistent gewesen. Doch hinter diesen Berufsbezeichnungen verbirgt sich viel mehr. Denn in Wirklichkeit sind sie die guten Seelen des Gymnasiums gewesen und haben für tausende Schüler und Lehrer aus einer gewöhnlichen Schule ein Zuhause gemacht. Der Merkur hat die beiden 73-Jährigen im Ruhestand besucht. Es ist auch eine Zeitreise.

Egal, um was es ging, Gerlinde Scheerer wusste immer Rat: Liebeskummer? "Das wird schon wieder!" Der Herr XY ist immer so doof zu mir. "Sollen wir mal zusammen mit ihm reden?" Ich weiß nicht, wie ich meiner Mutter erklären soll, dass ich sitzen bleibe. Die anderen mobben mich. - Es gab kein Thema, dem sie sich nicht angenommen hat. "Das stimmt wirklich", sagt sie und lacht. "Aber nicht nur die Schüler haben sich bei mir ausgeweint, auch die Lehrer waren oft bei mir", verrät sie nun, zwölf Jahre nach ihrem letzten Arbeitstag. Irgendwie war sie für alle die Ersatzmutti, Anlaufstelle Nummer eins und hatte immer ein offenes Ohr.

Noch heute wird Gerlinde Scheerer oft angesprochen. "Ich kenne all die lieben Gesichter, aber die Namen kann ich mir einfach nicht alle merken. Deshalb frage ich immer: Wie heißt du nochmal? Das soll mir aber bitte keiner krumm nehmen, das waren so viele Schüler", sagt sie fast entschuldigend.



An die Schule kam sie 1978. Da war ihr Mann Arnulf bereits acht Jahre als Technischer Assistent da. Dieser Beruf wurde damals ganz neu eingeführt. "Ich glaube, ich war einer der Ersten in Rheinland-Pfalz", erinnert er sich. Ans Hofenfels kam er ausgerechnet durch seine Vergangenheit als Helmholtz-Schüler. Das hatte er ohne Abitur verlassen, hatte "die Schnauze von Schule aber so was von voll" und eine Lehre zum Radio- und Fernsehtechniker absolviert. Aber sein ehemaliger Mathelehrer Edmund Stucky, inzwischen am Hofenfels, erinnerte sich an den fleißigen Arnulf, der vor allem von Physik und Chemie so begeistert war. "Der hat mich dann auf die Stelle aufmerksam gemacht. Der Rest ist Geschichte", sagt Arnulf Scheerer.

Seine Aufgabe war es, die Versuche für Physik aufzubauen, die naturwissenschaftlichen Sammlungen zu sortieren und in Schuss zu halten sowie den Lehrern bei Versuchen zu helfen. Irgendwann unterrichtete er sogar - obwohl er ja als junger Mann nichts mehr mit Schulen zu tun haben wollte. Dass er bis zu seinem Ruhestand 2006 in der Schule arbeiten würde, das hätte er sich nicht zu träumen gewagt.

Scheerers haben sich ein Häuschen am Otterstein gekauft, das sie mit viel Liebe zum Detail hergerichtet haben. Vor allem den Garten pflegen sie mit Hingabe. Es ist ihr Rückzugsort. Genau wie der Wohnwagen, der seit 1,5 Jahren am Saarbacherhammer bei Fischbach dauerhaft steht. Dort tanken sie in der Natur Energie, genießen den Ruhestand. Seit 53 Jahren sind die beiden schon verheiratet, haben sieben Enkel und vier Urenkel.

Wenn Arnulf Scheerer seine Karriere zusammenfasst, dann kann man nur staunen. Er hat im Hofenfels das Sprachlabor mit aufgebaut, das Tonstudio sowieso. Er war Mitinitiator der Schulfeste und hat auch die legendären Kleinkunstabende mit ins Leben gerufen. Die Leute wissen gar nicht, was er alles am Hofenfels geleistet hat, und alles aufzuzählen scheint unmöglich. Die meisten kennen ihn hauptsächlich als den Mann am Mischpult, der bei Theater- und Musicalaufführungen Licht und Ton gesteuert hat. Das waren für ihn auch Höhepunkte, an die er sich gerne erinnert. Es gab kontroverse Theaterstücke in den 1970er Jahren. Es gab große Musicalproduktionen, etwa "Jesus Christ Super Star", "Smike", "A Funny Thing", "Joseph", "Hair" oder "Linie 1". Dazu kamen noch große Theaterabende in den 90er und frühen 2000er Jahren. Damals kamen unter anderem "Das Haus in Montevideo", "Der Besuch der alten Dame", "Mein Freund Harvey", "Die Physiker", "Pünktchen und Anton" sowie "Andorra" auf die Bühne.

Diese herausragenden Produktionen gelten noch heute als Sternstunden Zweibrücker Schultheatergeschichte und wären ohne Arnulf Scheerer nicht möglich gewesen. Licht und Ton waren immer perfekt. Es gab kein Piepen, keine Rückkopplung und keine schlecht beleuchtete Bühne. Mit der damaligen Theater-AG um die Chefin Christine Orf wurde mehrfach das ganze Bühnenbild eingepackt und in Meisenheim für Aufführungen am dortigen Internat wieder aufgebaut. Arnulf Scheerer wuselte immer im Hintergrund, wollte nie selbst ins Rampenlicht. "Hinter den Zuschauern am Mischpult fühle ich mich einfach wohler", sagt er.

Seine Frau war auch bei all diesen Produktionen dabei. Sie war es, die den aufgeregten Schauspielern und Sängern Mut zusprach und das Lampenfieber nahm - und nach einer unglücklichen Probe Mut spendete. Die beiden sind am Hofenfels ein unverzichtbares Paar gewesen - und das nicht nur für die Kreativen.

Besonders deutlich wurde dies am 27. Januar 2006. Da gab es eine Gala zum Abschied von Arnulf Scheerer. Viele Weggefährten und Ehemalige zeigten mit einem großen Bühnenprogramm, wie sehr sie Scheerers Arbeit schätzten. "Das war ein wirklich rührender Abend. Nur, dass sie mich auf die Bühne gezogen haben, das war mir etwas unangenehm", bleibt Arnulf Scheerer auch in der Rückschau viel zu bescheiden. "Das ist ihm gar nicht recht, wenn er auf die Bühne soll", sagt seine Frau und lächelt ihn liebevoll an.

Heute reisen die Beiden viel und gerne. Gerlinde Scheerer ist auch im Bund der Ehemaligen des Gymnasiums aktiv. Und wenn am Hofenfels eine Veranstaltung ist, dann sind Scheerers nicht weit.

Noch immer ist Arnulf Scheerer damit beschäftigt, die vielen Filmaufnahmen aus seiner Hofenfels-Zeit zu digitalisieren. Seinem Nachfolger steht er bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite. Auch nach elf Jahren Ruhestand ist er dem Hofenfels-Gymnasium immer noch freundschaftlich verbunden.