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Angekommen in der Fremde
„Die Deutschen sind sehr freundlich“

Ahmad Hamchou wurde auf der Flucht von seiner Familie getrennt. In Trier fand er sie wieder.
Ahmad Hamchou wurde auf der Flucht von seiner Familie getrennt. In Trier fand er sie wieder. FOTO: Ruth Reimertshofer
Zweibrücken. Seit 2015 lebt Ahmad Hamchou mit Familie in Zweibrücken. Der Mediziner will sich eine neue Existenz aufbauen. Von Ruth Reimertshofer

Ahmad Hamchou lebt mit seiner Familie seit Ende Oktober 2015 in unserer Stadt und sagt spontan: „Wir sind zufrieden hier“. Dem inzwischen 50-jährigen Mediziner und seiner Frau sind die schulische Integration seiner Kinder und deren Zukunftsperspektiven sehr wichtig. „Unsere älteste Tochter wartet auf ihre Zulassung zum Studium, der Sohn besucht die 10. Klasse, die jüngere Tochter die 9. Klasse an der IGS-Contwig, und der zehnjährige Jüngste der Familie das Helmholtz-Gymnasium“.

Ahmad Hamchou wurde in Hama, Zentrum der mittelsyrischen Ackerbauebene zwischen Aleppo und Damaskus, in einer kinderreichen Familie geboren und besuchte in Hama die Schule bis zum Abitur. In Mazedonien absolvierte er sein Medizinstudium. Anschließend kehrte er in seine Heimat zurück, wo er zehn Jahre als Allgemeinmediziner tätig war. Es schloss sich die Spezialisierung zum Orthopäden und eine Stelle in einem städtischen Krankenhaus in Hama und später in Damaskus an. Im Juli 2011 rückten die syrischen Streitkräfte gewaltsam in Hama – einem der Zentren der Proteste – ein und der Krieg begann auch hier „Wir verließen das Land 2015 in Richtung Libanon, doch ich wurde an der Grenze festgehalten und kam ins Gefängnis, doch meine Familie konnte zum Glück weiterkommen“, erzählt Hamchou.

Nach einigen Wochen im Gefängnis kam er wieder frei und über den Libanon, die Türkei, Griechenland, Kroatien und Slowenien ging es nach Österreich und dann nach Deutschland, wo sich die Familie im Flüchtlingslager in Trier wiederfand. „Zu sechst haben wir uns mit einer vierköpfigen afghanischen Familie einen Raum geteilt, bevor die Zuweisung nach Zweibrücken kam“. Ein Jahr lebte die Familie in Bubenhausen in einer vom Sozialamt zur Verfügung gestellten Wohnung, bis sie ihre jetzige Wohnung fand. Hamchou besuchte in der Zeit einen Deutschkurs im Internationalen Bund, anschließend den Integrationskurs der VHS, den er mit dem B 1-Zetrifikat abschloss. Danach ging es täglich nach Saarbrücken, wo er das nächste Sprachniveau erreichte. Auf dem langen Weg zum Ziel zur Ausübung der ärztlichen Tätigkeit in Deutschland schloss sich eine Qualifizierung in Patientenkommunikation und -Interaktion an der Freiburg International Academy zur Erlangung fachsprachlicher und kommunikativer Fertigkeiten im Kontext medizinischer Handlungsfelder an, das er mit der Fachsprachprüfung abschloss.



Jetzt bereitet er sich auf den nächsten Schritt der Kenntnisprüfung – und damit der Approbation – vor.  Zurzeit sucht Ahmad Hamchou noch eine Hospitation in einer Klinik. Auch seine Frau besucht einen Integrationskurs. Hamcou sagt: „Im Leben muss man in Bewegung bleiben und wir müssen die für uns komplizierte Sprache unbedingt lernen. Die Deutschen sind sehr freundlich uns gegenüber und haben uns viel gegeben. Mein Ziel ist es selbstständig als Orthopäde arbeiten zu können und die Zukunft meiner Kinder in Deutschland zu sichern“.