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Diakonisse wirft Evangelischem Krankenhaus Fehler vor

Das Nardini-Klinikum profitiert vom drohenden Aus des Evangelischen Krankenhauses, schweig aber gestern auf Merkur-Anfrage. Foto: lf
Das Nardini-Klinikum profitiert vom drohenden Aus des Evangelischen Krankenhauses, schweig aber gestern auf Merkur-Anfrage. Foto: lf FOTO: lf
Zweibrücken. Während die Diakonissen Speyer-Mannheim offiziell erklären, noch nichts über ein Aus des Evangelischen Krankenhauses Zweibrücken zu wissen, käme dieses für ihren Ex-Vorstand Werner Schwartz nicht überraschend. Eric Kolling

Hätte eine frühere Fusion diakonischer Träger die existenzielle Krise beim Evangelischen Krankenhaus Zweibrücken verhindern können? Ja, findet LVIM-Mitglied Werner Schwartz, bis August 2015 Vorstand der Diakonissen Speyer-Mannheim. Vor Jahren hätte das "Evangelische" in seinen Augen eine deutlich bessere Perspektive gehabt zu überleben. 2008 hatte er selbst als Diakonissen-Chef eine wesentliche Rolle beim Versuch gespielt, dass Diakonissen und Landesverein zusammengehen. Doch es kam nicht dazu. Dass nun wohl die Schließung des Zweibrücker Krankenhauses bevorsteht, überrascht ihn nicht. Zweifel an eine gute Lösung für das Zweibrücker Krankenhaus seien ihm vergangenen Freitag in der Mitgliederversammlung gekommen, als mehrfach auf den Krankenhausstrukturfonds des Landes verwiesen worden sei, aus dem LVIM und Nardini-Klinikum Mittel anzapfen wollten. Dies habe auf ein Ende des Zweibrücker Krankenhauses hingedeutet.

Wie genau das Nardini die Innere Medizin des "Evangelischen" schlucken will, sei im Detail noch nicht klar, so gestern das Mainzer Gesundheitsministerium. Das Nardini-Klinikum wollte sich gestern auf Merkur-Nachfrage nicht äußern - auch nicht zur Aussage von Oberbürgermeister Kurt Pirmann, das Nardini sei sich schon weitgehend einig mit dem LVIM über ein Verbundkrankenhaus gewesen und habe am Ende doch zurückgerudert und übernehme nun höchstens die Innere Medizin . Oder zu Pirmanns Aussage, das Nardini sei am gegenüberliegenden Ex-Raiffeisen-Gelände interessiert, um dort Parkplätze zu errichten.

Beim Mainzer Gesundheitsministerium war zuvor immer die Rede davon, dass die Sicherung möglichst aller Arbeitsplätze zentral sei - nun dürften die meisten Arbeitsplätze wegfallen. Warum billigt das Land das? Sprecherin Katharina Bennewitz: "Das Ministerium hat immer betont, dass wir die Frage der Arbeitsplätze im Blick haben. Mit der Übernahme der Inneren Medizin durch das Nardini-Krankenhaus kann zumindest in diesem Bereich eine Lösung gefunden werden." Auch tausche man sich mit der LVIM-Mitarbeitervertretung aus. Und warum stimmt man zu, dass das Nardini nur eine Abteilung übernehme, wo man sich vorher nicht äußern wolle, ehe ein "Gesamtkonzept" der beiden Träger vorliege? Bennewitz: "Umstrukturierungsmaßnahmen sind schmerzhaft für die Beschäftigten. Maßgabe der Verhandlungen war, ein wirtschaftlich tragfähiges Gesamtkonzept zu erarbeiten und die bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Entscheidend ist, dass der Krankenhausträger den Versorgungsauftrag umsetzen muss. Daher war zu klären, welche medizinischen Leistungen sich mit welcher personellen Ausstattung und Infrastruktur am Standort Zweibrücken realisieren lassen."

Ein Bettenabbau in Zweibrücken kommt der Landesregierung aber auch gelegen, will man doch so Kosten im Gesundheitssystem sparen. Man versuche, so Bennowitz, auch kleinere Krankenhäuser in der Fläche zu halten. Im Zweibrücker Falle habe dies durch eine Kooperation der Träger geschehen sollen. Nach aktuellem Stand der Dinge hätten deren Verhandlungen "eine wirtschaftlich tragfähige Basis geschaffen, die es ermöglicht, eine zukunftsfähige und finanzierbare Versorgung anzubieten".

In puncto einer angedachten Verbundlösung der Einrichtungen von Diakonissen und LVIM, die nach dem Aus des Evangelischen Krankenhauses angepeilt werden soll, gebe es keinen Zeitplan. Diakonissen-Sprecherin Katja Jewski erklärte, bislang hätten keine entsprechenden Gespräche stattgefunden. Und: "Über die Zukunft des Evangelischen Krankenhauses in Zweibrücken ist unseres Wissens noch nicht entschieden." Die Diakonissen seien weder an dem Entscheidungsprozess noch an Verhandlungen mit dem Nardini-Klinikum beteiligt. Allerdings sind mit Diakonissen-Vorstandsmitglied Karlheinz Burger und Bianca Pfeuffer zwei Diakonissen-Beschäftigte "besondere Vertreter" im LVIM-Vorstand.