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Serie Angekommen in der Fremde
„Deutschland ist jetzt mein Heimatland“

 Ahmad Abou Alkheir stammt aus Syrien.
Ahmad Abou Alkheir stammt aus Syrien. FOTO: Ruth Reimertshofer
Zweibrücken. Zweibrücken ist für zahlreiche Bürger mit Migrationshintergrund eine neue Heimat geworden. In unserer Serie „Angekommen in der Fremde“ stellen wir einige von ihnen vor. Heute: Ahmad Abou Alkheir. Von Ruth Reimertshofer

„Ich bin in Zweibrücken angekommen und kann jetzt endlich hoffnungsvoll in die Zukunft blicken!“ Der 29-jährige Syrer Ahmad Abou Alkheir ist seit Oktober als Student an der Hochschule im Studienfach Mittelstandsmanagement immatrikuliert. „Das Studium gefällt mir, doch bestimmte Fachbegriffe verstehe ich noch nicht so einfach.“

Ahmad Abou Alkheir wuchs in einer Familie mit fünf Kindern in Homs auf. Sein Vater arbeitet als Sanitäter in einer Ölfirma, die Mutter ist Hausfrau und seine Geschwister konnten alle studieren und gute Berufe erlernen. Nach dem Abitur in seiner Heimatstadt schloss sich das BWL-Studium an der Universität von Damaskus an. „Doch jeder Tag in Damaskus wurde schlimmer, die Geheimpolizei beobachtete mich, immer öfter wurde ich von Polizeikontrollen angehalten, Bespitzelung, Verhöre und Überwachung waren an der Tagesordnung, mein Handy wurde durchsucht, sogar ein Buch in englischer Sprache über das Leben Obamas wurde zum Problem!“ Homs als drittgrößte Stadt Syriens war ein Symbol der Revolution gegen die Unterdrückung durch den immer noch im Land herrschenden Diktator Assad geworden. „Alle, die aus meiner Stadt im noch relativ ruhigen Damaskus lebten oder studierten, wurden als Gefahr angesehen und verfolgt und ich sah keine Perspektive mehr in meinem Land für mich“.

So entschloss er sich im Sommer 2014 zur Flucht Richtung Deutschland. „Mein Ziel war es den Master zu machen und ich wusste, dass Deutschland gute Universitäten hat und dass den Menschen die Chance einer kostenfreien Bildung ermöglicht wird.“ Ahmad Abou Alkheir floh in den Libanon, stellte in Beirut einen Visumsantrag an der Deutschen Botschaft zur legalen Einreise als Student, diese wurde ihm wegen mangelnder Deutschkenntnisse verwehrt und deshalb trat er die gefährliche Reise über die Türkei und das Mittelmeer nach Griechenland an. „Unser Schlauchboot von Izmir in Richtung Mytilini auf der Insel Lesbos erlitt mehrmals Motorschaden und kurz vor Griechenland wurde unser Leben im letzten Moment von einem griechischen Fischer gerettet. Die Seepolizei brachte uns in ein Camp, das von einer deutschen Hilfsorganisation geleitet wurde und wo wir registriert wurden“.



Über Athen erreichte Abou Alkheir dann im Oktober 2014 mit einem Flug Frankfurt und stellte in Gießen seinen Asylantrag, von wo er nach Trier überstellt wurde. Von dort kam er in einen kleinen Ort in der Nähe von Alzey, wo es keine Kursmöglichkeit zum Erlernen der deutschen Sprache gab. „Ich teilte mit einem anderen Syrer und seinem Sohn einen Kellerraum und war in im örtlichen Chor“, erinnert Ahmad sich. „Nach meiner Anerkennung als Flüchtling, konnte ich endlich einen B1-Kurs in Alzey machen und anschließend den B2-Kurs in Mainz, wo ich auch als Kundenberater in der Tourismusbranche arbeitete.“ Nächste Etappe war dann Kaiserslautern, wo er Deutsch auf C1-Niveau erlernte und ein Praktikum im Fraunhofer-Institut in Marketing und Design absolvierte.

„Für meine Studienziele ist die Hochschule Zweibrücken ideal, ich bewarb mich, bekam die Zusage und fand recht schnell eine Wohnung; derzeit suche ich eine Stelle als Werkstudent, um mehr praktische Erfahrungen im Personalmanagement sammeln zu können. Hier sind die Menschen nett, ich habe Freunde gefunden und Deutschland ist jetzt mein Heimatland, wo ich mein Leben und meine Zukunft aufbauen will!“