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Deutscher Online Skatverband
Reizen und stechen am Computer

Joachim Schreiner aus Zweibrücken ist Präsident des Deutschen Online Skatverbandes (DOSKV). Sein Ziel: Skat im Internet auch für jüngere Spieler wieder interessant zu machen.
Joachim Schreiner aus Zweibrücken ist Präsident des Deutschen Online Skatverbandes (DOSKV). Sein Ziel: Skat im Internet auch für jüngere Spieler wieder interessant zu machen. FOTO: David Betz
Zweibrücken. Joachim Schreiner aus Zweibrücken plant die Online-Skat-Revolution. Von David Oliver Betz

Joachim Schreiner führt einen der größten Vereine in der Region Südwestpfalz, auch wenn den hier vielleicht nur die wenigsten kennen. Er ist nämlich Präsident des „Deutschen Online Skatverbands“ (DOSKV) mit rund 1500 stimmberechtigte Mitgliedern. Schreiner ist leidenschaftlicher Skatspieler. Deshalb sieht er mit großer Sorge in die Zukunft seines Sports. Der sei total überaltert und der Deutsche Skatverband (DSKV) habe es verpasst, auf das Internet zu reagieren. „Deshalb haben wir 2006 den Verband gegründet, um Skat online nicht den kommerziellen Anbietern zu überlassen.“ Dabei geht Schreiner auch ungewöhnliche Wege.

Zuletzt hat er sich eine Online-Variante von Skat ausgedacht, die auch Elemente des weltweit bekannten Texas-Hold’em-Pokers beinhaltet. So bekommt jeder Spieler zunächst drei Karten. Dann wird gesetzt und danach gibt es die restlichen Karten und es wird ganz normal gespielt. „Der größte Unterschied im Turnier ist der: Beim konventionelle Skat wird gespielt, am Schluss addiert und dann steht ein Sieger fest. Hier sieht man, wie die Spieler nach und nach Ausscheiden und der Sieger am Schluss übrig bleibt“, so Schreiner. Derzeit testen 1000 Spieler auf Schreiners Server dieses Spielform. „Die Rückmeldungen sind wirklich gut, das kommt prima an“, so Schreiner. Bald soll jeder mitspielen können, sobald die Testphase abgeschlossen ist.

Warum tut er das? „Der grundlegende Fehler des DSKV war, dass sie das Internet an Skat anpassen wollten. Ich habe umgekehrt das Skat ans Internet angepasst. Die Jungen wollen das nicht mehr so wie früher, da muss man sich was einfallen lassen“, ist Schreiner überzeugt. Dabei sei er schon oft auf Widerstände gestoßen, auch deshalb wurde DOSKV gegründet. „Skat ist wie unsere Gesellschaft: Keiner will was Neues ausprobieren, alles wird gemacht, wie es schon immer gemacht wurde. Aber dann rennen einem die Leute irgendwann weg.“ Das hätte zur Folge, dass Skat irgendwann ausstirbt, davor hat Schreiner Angst. „Wir haben den Anspruch, den Sportteil zu retten. Auch deshalb gibt es regelmäßig Offline-Turniere und Treffen“, sagt der Präsident.



Insgesamt hat der DOSKV 1500 Mitglieder. „Aber tatsächlich betreuen wir auf den Servern 250 000 Spieler aus der ganzen Welt“, so Schreiner. Während im DSKV das Durchschnittsalter jenseits der 60 liege, sind die Spieler in Schreiners Verband im Schnitt 42 Jahre alt. Das Ziel, den Skatsport zu verjüngen und damit lebendig zu halten, scheint Schreiner und seinen Mitstreitern gelungen zu sein.

Dazu tragen auch die 30 Clubs bei, die beim DOSKV organisiert sind. „Die machen viel Jugendarbeit. So können Jugendliche mit Einverständnis der Eltern kostenlos bei uns Mitglied werden“, erklärt Schreiner. So werde Skat an die nächste und übernächste Generation weitergegeben.

„Wir spielen nicht wegen des Geldes, sondern um die Ehre“, so Schreiner. Natürlich gebe es auch Internetseiten, wo um Geld gereizt und gekartet wird, doch bei Schreiner geht es nicht darum. Neben vielen kleinen und großen Turnieren, der Skatbundesliga sowie der DM und WM, die über den DOSKV ausgetragen werden, hat sich Schreiner 2011 einen ganz besonderen Titel einfallen lassen: die Großmeister-Ehre. „Wir haben acht Großmeister gekürt und zwölf Internationale Meister, was die Stufe vorm Großmeister ist“, so Schreiner. „Das ist natürlich ein Titel, auf den jeder scharf ist. Dazu muss man aber kontinuierlich und lange auf einem hohen Niveau spielen.“

Für Schreiner ist das Internet inzwischen ein wahrer Segen für den Skatsport. „Früher war es so: Da gab es drei tolle Spieler in München, Berlin und Düsseldorf. Wenn die wissen wollten, wer der Beste ist, mussten die alle erst mal ziemlich weit reisen. Heute machen die den Computer an und wissen zwei Stunden später, was Sache ist.“ Und eine 36er-Liste, die am Stammtisch gut und gerne in zwei Stunden ausgespielt wird, ist am PC in gerade mal einer halben Stunde ausgespielt. „Da kann man sehr viele Spiele mehr machen als offline.“