| 20:05 Uhr

Serie Angekommen in der Fremde
Deutsch mit Zweibrücker Spuren

 Mohammed Zaza stammt aus Aleppo.
Mohammed Zaza stammt aus Aleppo. FOTO: Ruth Reimertshofer
Zweibrücken. Zweibrücken ist für zahlreiche Bürger mit Migrationshintergrund eine neue Heimat geworden. In unserer Serie „Angekommen in der Fremde“ stellen wir einige von ihnen vor. Heute: Mohammed Zaza. Von Ruth Reimertshofer

Etwas Wehmut ist dabei, wenn Mohammed Zaza von seinem bevorstehenden Umzug an die Uni Marburg spricht. „Endlich kann ich mein Studium nach einigen Hürden beginnen“, erzählt der 22-Jährige und die Freude darüber ist ihm anzumerken. Leicht fällt ihm der Abschied von unserer Stadt nach mehr als 3 Jahren nicht. „Ich werde bestimmt sehr oft hierher zurückkommen, denn hier leben viele Freunde, Bekannte und Kollegen von der Arbeit und dem Fußball und eine liebe Patin, die mir und den anderen viel geholfen hat und mich immer unterstützt hat. Auch mein „kleiner“ Bruder, er ist 21, lebt noch in Zweibrücken und wartet, bis auch er die Voraussetzung zum Studium des Maschinenbaus fertig hat.“

Die beiden Brüder sind Ende 2015 nach der langen Flucht über die Türkei, Griechenland und Slowenien in Deutschland angekommen. An der österreichisch-deutschen Grenze wurden sie nach Trier geschickt und nach einem Monat unserer Stadt zugewiesen. Da der Bruder damals noch minderjährig war, wurden sie vom Jugendamt durch Sozialarbeiter betreut. Mit vier anderen Jugendlichen kamen sie in einer größeren Gemeinschaftswohnung unter. „Zu sechst war das nicht immer problemlos und es war auch nicht immer ordentlich in der Wohnung“, erinnert sich Mohammed lächelnd.

Mohammed Zaza ist in Aleppo gemeinsam mit seinen vier Brüdern in einer Familie von Lehrern aufgewachsen. Nach zwölf Schuljahren absolvierte er das Abitur mit der Note 1.1. Es folgte ein Jahr des Studiums der Zahnmedizin in Aleppo. „Dann kam der schreckliche Krieg und das Leben in der Stadt wurde jeden Tag unerträglicher, es fehlte an allem, auch an Wasser und einmal schlug eine Bombe direkt vor uns ein und die Glassplitter verletzten uns.“ Die Familie flüchtete aus der Stadt und Mohammed und sein jüngerer Bruder unternahmen die schwere Flucht bis nach Deutschland. „In Deutschland angekommen, wollte ich so schnell wie möglich das Studium der Zahnmedizin wieder aufnehmen, wozu man das Sprachniveau C1 benötigt. Ich bestand schnell die B 1-Prüfung mit der höchsten Punktzahl, doch bereits für B 2 musste ich länger warten, bis das Jobcenter den Kurs in Saarbrücken überhaupt genehmigte.“ Die C1-Prüfung legte Mohammed als Selbstzahler von seinem Ersparten dann an der Uni in Saarbrücken ab. „Seit Monaten arbeite ich im Landschloss Fasanerie im Service zwischen 100 und 150 Stunden im Monat und komme ganz für meinen Unterhalt auf, in der Freizeit lerne ich und spiele Fußball mit meinen Freunden“.



Seit einiger Zeit hat Mohammed die Zulassung zum Studium der Pharmazie, doch immer ist noch keine Zusage zu seinem Wunschstudium Zahnmedizin gekommen. „Ich will nicht mehr länger warten und beginne jetzt Pharmazie als zweite Option zu studieren, ein Zimmer in einer WG habe ich schon bekommen und in Marburg studieren bereits viele meiner Freunde aus Aleppo, so dass ich Zweibrücken hoffentlich nicht so sehr vermisse. Aber wie versprochen, ich werde noch oft zurückkommen!“ Mohammeds Deutsch ist inzwischen fast perfekt und ab und zu hört man sogar das Zweebrigger Platt heraus.