| 20:30 Uhr

Jubiläumsausstellung
Des Herzogs Alchemist: Aufstieg und Fall

Gewürzschälchen mit sitzendem Knaben.
Gewürzschälchen mit sitzendem Knaben. FOTO: Cordula von Waldow / red
Zweibrücken. Im Jahre 1767 gründete und leitete Joseph Michael Stahl in Schloss Gutenbrunn die Zweibrücker Porzellanmanufaktur. Auch Herzog Christian IV. war von dem Alchemisten fasziniert.

Bis der 1725 in Obersteinheim als Sohn eines Schulmeisters geborene Abenteurer und Projektemacher Joseph Michael Stahl nach Zweibrücken kam, war er bereits viel herum gezogen und zum dritten Mal verheiratet. In Trier hatte er sich mit seiner Praxis als Arzt und Apotheker einen guten Ruf erworben. Aus seiner Gemeinschaftspraxis mit Dr. Bernard in Kirn/Eifel empfahl ihn Münzwardein Feustel an den Hof Herzog Christians IV. Der talentierte Glückssucher gewann 1767 das uneingeschränkte Vertrauen des Fürsten. Mit seinen alchemistischen Versuchen zog er den, wie August der Starke von Sachsen von der „Goldmacherei“ faszinierten, Herzog in seinen Bann. 1767 gründete und leitete er in Schloss Gutenbrunn die Zweibrücker Porzellanmanufaktur. Dort sowie später in Zweibrücken wurde für ihn ein „vollkommenes alchemistisches Laboratorium“ eingerichtet, und er erhielt die Edelmetallvorräte der herzoglichen Münze. Hinzu kamen spiritistische Experimente.

1768 ernannte ihn der Herzog zum Hofrat und zum Direktor der nun in fürstlichen Besitz übergegangenen Porzellanmanufaktur. Zwei Jahre später übernahm er die Administration des Königreicher Hofgutes. Doch der Günstling des Herzogs baute seine Karriere noch weiter aus. Mit seiner Ernennung zum Hofkammerrat und als Leiter des Chaussee-Wesens, ausgestattet mit Polizeibefugnissen, erhielt Stahl den Titel „Geheimrat“. Herzog Christian IV. bedachte seinen Günstling wiederholt zusätzlich zu seiner Ämterfülle und deren Salär mit Zuwendungen, die Neid und Missgunst unter seinen Konkurrenten und in der Verwaltung hervorriefen. Er erhielt ein Haus in Zweibrücken, später den Eschelbacher Hof bei Baumholder im Wert von 12 000 Gulden, dazu eine Kutsche mit Bespannung und Fourage, ein großzügiges Porzellandeputat aus der laufenden Produktion, Gold für alchemistische Experimente aus der herzoglichen Schatulle, Startkapital für die verschiedenen Wirtschaftsunternehmen aus den Einkünften des Herzogtums, für das er nur lückenhaft Rechenschaft ablegte sowie Mittel für die Ausstattung seiner Laboratorien.

Andererseits hatte der talentierte Glückritter auch Ideen für innovative wirtschaftliche Projekte, die in die Tat umgesetzt wurden. Dazu gehören eine Tigelfabrikation in Gutenbrunn und Zweibrücken, eine Ziegelei, eine Glashütte bei Hof, Oberamt Lichtenberg, mit Steinkohlefeuerung sowie Maßnahmen zur besseren Erschließung von Kohlegruben. Stahl entwickelte Pläne zur Anlage einer Salpeter-Plantage. Außerdem versuchte er, mit Hilfe von Steinkohle Eisen zum Schmelzen zu bringen und Gold aus Schwefelkies zu gewinnen. „Wenngleich keines seiner Unternehmen die erhoffte Rendite erwirtschaftete, waren jedoch viele der Projekte zukunftsweisend und auf dem damals höchsten Stand von Naturwissenschaft und Technik“, weiß Museumsleiterin Charlotte Glück.



Nach dem Tod Christians IV. 1775 fiel Joseph Michael Stahl bei dessen Nachfolger, Karl II. August, in Ungnade. Er verlor seine Stellung und alle Vergünstigungen. 1777 musste er sich einer Untersuchungskommission stellen und büßte schließlich sein gesamtes Vermögen ein, um dem Herzogtum seine Schulden zurück zu zahlen. 1783 übersiedelte er mit seiner Frau und elf Kindern erwerbslos nach Fürfeld. Sein weiteres Schicksal ist ebenso wenig überliefert, wie sein Todesjahr.

Aus einem handschriftlich verfassten Brief von Herzog Christian IV an den Regierungsrat Wernher in Zweibrücken geht hervor, dass der Regent selbst wohl häufiger im Laboratorium experimentierte. Auf dieser Leihgabe der Münz- und Antiquitätenhandlung Steuer steht in der Ausstellung zu lesen: „...morgen Nachmittag komme ich in die Stadt, wo ich sogleich in das Laborathorium gehen werde, ….“. Der Autograph ist datiert auf den 13. Oktober 1775.

Am 5. November 1775, etwa drei Wochen später, verstarb Herzog Christian IV. auf Schloss Pettersheim, gerüchteweise an einer Quecksilbervergiftung. Museumsleiterin Glück hält das nicht für abwegig: „Das Herzogtum besaß selbst Quecksilbervorkommen in der Gegend um Obermoschel am Donnersberg. Quecksilber wurde bei den Versuchen verwendet, Gold herzustellen.“