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Kommandeur Andreas Steinhaus über Einsatz im Nordirak
„Der Kontakt in die Heimat ist sehr gut“

Kommandeur Andreas Steinhaus.
Kommandeur Andreas Steinhaus. FOTO: Marco Wille
Andreas Steinhaus. Andreas Steinhaus, Kommandeur des Fallschirmjägerregiments 26, zu dem auch die Zweibrücker Fallschirmjäger zählen, ist derzeit im Nordirak im Einsatz. Von Mathias Schneck

Herr Steinhaus, wann genau hat Ihr Einsatz begonnen – wie lange soll er voraussichtlich laufen?

Der Einsatz hier im Nordirak begann 2014 mit dem ersten Transport an militärischen Gütern. Neben den Hilfslieferungen rückten anschließend vor allem auch Maßnahmen zur Ertüchtigung im Nordirak und die Ausbildung der kurdischen Peschmerga in den Fokus. Einige Soldaten des Regiments 26 waren damals vor Ort, als die erste Ausbildung begann. Ich selbst übernahm meinen Dienst als Deutscher Kontingentführer im Nordirak und als Kommandeur des multinationalen Kurdistan Training Coordination Center (KTCC) am 15. Dezember 2017. Das Mandat des Deutschen Bundestages endet am 30. April 2018; das weitere Vorgehen wird derzeit abgestimmt.

Wie genau sieht die Aufgabe von Ihnen und von Ihnen befehligten Fallschirmjägern aus?



In meiner Funktion als Kommandeur des KTCC plane ich mit meinem Stab und den zuständigen Ministerien der Region Kurdistan die Ausbildung der Sicherheitskräfte und wir führen diese mit unseren Mobilen Training Teams in sogenannten „Training Centers“ durch. Die Ausbilder kommen aus acht verschiedenen Nationen, die sich an dem Einsatz beteiligen. Dies sind neben Deutschland: Italien, Niederlande, Großbritannien, Finnland, Ungarn, Schweden und Slowenien. Auch meine Soldaten aus dem Fallschirmjägerregiment bilden die kurdischen Peschmerga aus und sind im multinationalen Stab KTCC sowie im Verwaltungs- und Versorgungsbereich tätig. Ziel ist es, die ausgebildeten Sicherheitskräfte zu befähigen, jene Ausbildung zukünftig selbst leiten und durchführen zu können. Damit sollen sie langfristig und nachhaltig in der Lage sein, eine stabile und sichere Region Kurdistan zu gewährleisten und sie gegen Bedrohungen, wie dem IS, zu schützen.

Wie ist die Sicherheitslage vor Ort einzuschätzen?

Derzeit gibt es keine Veränderung der Sicherheits- und Bedrohungslage für unser Kontingent. Der Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten hat oberste Priorität. Insgesamt wird die Sicherheitslage in Erbil durch die lokalen Sicherheitskräfte gewährleistet. Das Deutsche Einsatzkontingent besitzt die notwendige persönliche Schutzausstattung, sanitätsdienstliche Versorgung und geschützte Fahrzeuge, um im Falle einer Bedrohung angemessen reagieren zu können.

Wie haben die Soldaten Weihnachten und Silvester zusammen gefeiert?

Im Dezember haben wir an jedem Freitag unseren internationalen Weihnachtsmarkt am Abend durchgeführt. Viele fleißige Soldatinnen und Soldaten haben hier ihre regionalen Besonderheiten, wie Apfelstückle oder die süddeutsche Bosna-Bratwurst genießen dürfen. Neben den eigenen Kontingentangehörigen sind auch andere Nationen zu Gast gewesen. Höhepunkt war Heiligabend, an dem wir gemeinsam den Gottesdienst und im Anschluss das Weihnachtsessen im Kontingent durchführten.

Wie wird der Kontakt zur Heimat hergestellt (wie oft können die Soldaten mit der Familie telefonieren, skypen etc.)?

Der Kontakt in die Heimat ist für die Soldatinnen und Soldaten sehr gut. Durch die bestehende Internetverbindung können sie telefonieren und über verschiedene Medien, wie Messenger-Dienste oder Video-Telefonie Kontakt in die Heimat aufnehmen. Außerdem ermöglicht unsere Feldpost, sowohl Briefe als auch Pakete zu empfangen und zu versenden. Angesichts der heutigen Digitalisierung besitzen die handgeschriebenen Briefe und persönlichen Pakete einen besonderen Wert für die Soldatinnen und Soldaten.

Welcher Einsatz steht als nächstes an, wenn der Einsatz im Nordirak absolviert ist?

Nach Rückkehr werde ich in der Führung des Regiments mit Sicherheit vollauf beschäftigt sein, zumal wir im Regiment ab Mai ein großes Kontingent in den Einsatz nach Mali schicken werden. Parallel werden wir an fordernden multinationalen Übungen teilnehmen. Trotzdem werde ich selbst ein paar Wochen Urlaub mit meiner Familie machen. Ob und wohin mich gegebenenfalls eine gänzlich andere Verwendung führen wird, kann ich derzeit noch nicht konkret sagen. Ich denke aber, in diesem Fall wird man mir sicher die Zeit bis Oktober geben, um die Übergabe an einen möglichen Nachfolger angemessen vorzubereiten.

Die Fragen
stellte Mathias Schneck.