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Fußball-WM in Zweibrücken
Der Herzogplatz – ein Tollhaus

Beim Freistoßtor von Toni Kroos explodierte die Stimmung auf dem Herzogplatz.
Beim Freistoßtor von Toni Kroos explodierte die Stimmung auf dem Herzogplatz. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken. Über 3000 Fans brachten die Fan-Arena beim Deutschland-Spiel am Samstagabend zum Brodeln. Von Volker Baumann

Nein – es war kein Stadtfest oder ein Musikfestival, das die Zweibrücker Innenstadt am Samstagabend mit Stimmen erfüllte. Es war die prall gefüllte Herzog-Platz-Fan-Arena, anlässlich des fast als Schicksalsspiel erwarteten WM-Duells Deutschland gegen Schweden. Über 3000 Fans konnten die Veranstalter von „Experience Event“ am Eingang zählen und den meisten konnten sogar Sitzplätze an Tischen angeboten werden. Inzwischen ist offenbar auch bekannt, dass, mit Ausnahme der Sicherheits-Checks am Eingang, freier Zutritt zur Arena herrscht, wo sich alle Spiele fast wie im Stadion verfolgen lassen.

„Endlich mal eine gescheite Großleinwand, das macht Spaß“, so die Aussage vieler Zuschauer. Richtig Spaß macht’s natürlich nur, wenn auch die richtige Mannschaft gewinnt – das war am Samstag erst mal fraglich und in tausenden Gesichtern zu sehen. Rainer Ruf aus Mittelbach stellte zunächst einen 3:1-Sieg für Deutschland als Prognose in den Raum. Warum? „Wunschdenken“, lachte er selbst über seine spontane Antwort mit leichter Ironie. „Die sollen mal ein druckvolles Spiel auf den Platz bringen und nicht wie auf dem Laufsteg wirken“, erläutert er weiter seinen derzeitigen Eindruck vom DFB-Team. Tochter Tina glaubt an die Elf um Jogi Löw. „Die haben sich jetzt in ihrem Domizil gut erholen und fit machen können“, spekuliert sie schmunzelnd auf einen Sieg. Hans Rauch hat eine viel einfachere Antwort parat: „Klar, dass wir gewinnen. Wir sind halt besser als die Schweden.“ Seine Frau Karin ist da eher skeptisch, allerdings ebenfalls mit einem Hauch von Ironie: „Die Schweden – die kenne ich gar nicht, wie sollten die gewinnen?“

Das etwas erlösende 1:1 kurz nach der Halbzeitpause konnte die Mienen der Fans nur kurzfristig etwas aufhellen, da jeder wusste, dass es mit einem Unentschieden noch nicht getan ist. Auch die Gäste unserer Partnerstadt Yorktown, die noch bis Mittwoch in Zweibrücken weilen, fieberten zusammen mit Kulturamtschef Thilo Huble vor der Großleinwand einem deutschen Sieg entgegen.



Als Kontrast zum aufregenden Fußball-Programm stand anschließend noch Entspannung beim Lichterfest im Rosengarten auf dem Plan. Auch die Partnerstädter bewiesen Humor: „Was ist Ihr Favorit heute Abend?“ – „Das Bier“, lachten alle und prosteten sich zu.

Geladene Spannung machte sich bis zum Schluss in der Arena breit und explodierte beim erlösenden Freistoßtor in der Nachspielzeit. „Wahnsinn, Wahnsinn“, kam es aus allen Richtungen, verbunden mit Jubel und Fahnenschwenken.

Die Männer von „Experience Event“ sind doppelt froh. Sie freuen sich über den Sieg der Deutschen und über die Möglichkeit, in Zweibrücken weiter prickelnde Stimmung in der Fan-Arena verbreiten zu können. Alle Spiele, alle Tore - das macht nur Spaß wenn die deutsche Mannschaft auch weiter im Rennen bleibt.

Willi Holderbaum zeigte sich erleichtert über das Endergebnis, allerdings nicht über die Leistung der Mannschaft: „Die haben immer noch zu viele Fehler gemacht, die ein WM-Team eigentlich nicht machen dürfte“, kommentiert er das Spiel. Heinz Siegenthaler freut sich letztlich auch, sieht er doch Deutschland als Weltmeister aus dem Turnier gehen. „Dass die im Schweden-Spiel gegen ein Bollwerk anlaufen, war mir klar“, so seine vorherige Prognose. Alles fiebert jetzt dem Mittwoch entgegen – da muss ein Sieg gegen Südkorea her.

So sah das Public Viewing vom Rathausbalkon aus.
So sah das Public Viewing vom Rathausbalkon aus. FOTO: Volker Baumann