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Amphetaminprozess
„Der hat mich ganz schön benutzt“

Zweibrücken . Angeklagter im Amphetaminprozess stellt sich als Opfer des Drogengeschäftes dar. Von Volker Baumann

Gestern wurde vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken der Prozess gegen drei Männer aus Neunkirchen und Homburg fortgesetzt. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vor,  am 5. Februar 2018, auf dem Parkplatz eines Getränkemarktes in Ernstweiler, fünf Kilogramm Amphetamin zum Verkauf angeboten zu haben.

Der Deal – Amphetamin zum Preis von 3000 Euro pro Kilogramm – kam nicht zustande, da die Täter bereits polizeilich observiert wurden und es sich beim dem angeblichen Käufer um eine Vertrauensperson des Polizeipräsidiums Westpfalz handelte. So schnappte auf dem Parkplatz die Falle zu und die Beteiligten wurden festgenommen. Ein 36-jähriger Homburger wurde in einem eigenen Prozess wegen Beihilfe zum Drogenhandel bereits zu zwei Jahren und fünf Monaten Freiheitsstrafe verurteilt (wir berichteten). Gestern sagte er als Zeuge im Verfahren gegen die übrigen Beteiligten aus. Der Verteidiger seines Homburger Kumpels stellte für diesen einen Beweisantrag zur bisher angeblich nicht erfolgten Überprüfung und Begutachtung seiner Drogenabhängigkeit. Das Verfahren wurde von der Kammer ebenfalls abgetrennt und soll separat verhandelt werden.

Der 50-jährige Angeklagte aus Neunkirchen sah sich indes lediglich in der Vermittlerrolle für seinen 52-jährigen, ebenfalls angeklagten Bekannten, der die Drogen über einen befreundeten Mann aus Albanien habe beschaffen lassen. Wobei angeblich auch 50 Kilogramm kein Problem gewesen sein sollen. Der Bekannte, so der 50-Jährige weiter, sei Alkoholiker, habe Millionenschulden und sei auf das Geld angewiesen. „Der hat mich schön benutzt, um später nicht selbst in die Sache verwickelt zu werden“, erklärt er die Motivation des 52-Jährigen, ihn als Vermittler und Fahrer beim Drogenverkauf eingeschaltet und dafür Geld versprochen zu haben. Der Verteidiger des 52-Jährigen schenkte diesen Aussagen wenig Glauben und hielt führte wesentliche Unterschiede zwischen aktueller und früherer Aussagen bei Polizei und Haftrichter vor. „Ich wusste damals nicht, wo mir der Kopf steht und war nach der Festnahme mit der Situation überfordert“, erklärte der damit Konfrontierte die Unstimmigkeiten. Der Prozess  wird heute um 9 Uhr mit der Anhörung des 52-Jährigen fortgesetzt.