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Serie Naturschönheiten in unserer Region
Der Buddler im Garten

 Der Maulwurf vertilgt unermüdlich Schädlinge und vertreibt die gefräßigen Wühlmäuse.
Der Maulwurf vertilgt unermüdlich Schädlinge und vertreibt die gefräßigen Wühlmäuse. FOTO: dpa-tmn / Patrick Pleul
Zweibrücken. Jedes Jahr erheben die Deutsche Wildtierstiftung und der Naturschutzbund Nabu Tiere und Pflanzen in den Status „Tier des Jahres“, „Pflanze des Jahres“. Gerade in diesem Jahr sind dabei heimische Tiere wie Maulwurf oder Turteltaube und Pflanzen wie die Wegwarte als Heilpflanze. In einer lockeren Serie stellt der Pfälzische Merkur die Naturschönheiten mit ihren Fähigkeiten vor. Heute: der Maulwurf. Von Cordula von Waldow

„Oh nein, ein Maulwurf!“ Die wenigsten der – zu unrecht entsetzten Gärtner – haben das possierliche Säugetier schon einmal in der Natur gesehen. Seine Anwesenheit wird lediglich durch die Maulwurfshügel verraten. Die bis zu 25 Zentimeter hohen Erdhaufen, die in großer Anzahl den Anblick der vor kurzem noch so glatten, grünen Rasenfläche stören können, sind Ursache dafür, dass penible Gartenbesitzer den Verursacher oft ablehnen. Völlig zu unrecht, denn der fleißige Gräber ist nicht nur ein wertvoller Helfer bei der Gartenarbeit, sondern auch ein hervorragender Schutzpolizist. In einem Maulwurfsgarten gibt es keine Wühlmäuse, weil der Einzelgänger sie vertreibt, um seine Ruhe zu haben. Während er sich als überzeugter Fleischfresser niemals an den Köstlichkeiten in unserem Gemüsegarten vergreifen würde, sind sie ein „gefundenes Fressen“ für Wühlmäuse und andere Spitznager. Außerdem leistet der Maulwurf wertvolle Hilfe, indem er den Boden umgräbt, auflockert und so durchlüftet.

Miriam Krumbach vom Nabu Zweibrücken erklärt: „Wie alle wild lebenden Säugetiere steht der Maulwurf unter Naturschutz.“ Die Deutsche Wildtierstiftung ehrt den rund 100 Gramm schweren und bis zu 17 Zentimeter langen, tonnenförmigen Buddler mit dem spitz zulaufenden Kopf, indem sie ihn zum Wildtier des Jahres 2020 erkoren hat. Zum Glück sei dieser nicht direkt vom Aussterben bedroht, wobei sein Lebensraum zunehmend zurück gedrängt wird. Hans-Philip von Waldow, Landschaftsgärtner in Zweibrücken, bestätigt: „Wir treffen so gut wie nie auf Maulwurfshügel, weder in Privatgärten noch auf öffentlichen Rasenflächen.“ Und Miriam Krumbach wünscht sich: „Ich wäre froh, ich hätte den Maulwurf anstatt der Wühlmaus in meinem Garten.“

Bei Kindern ist er beliebt, denn zahlreiche Geschichten und Filmchen handeln etwa von dem „Kleinen Maulwurf“. Sein Leben unter der Erde macht ihn geheimnisvoll. Nur im Mai, wenn Papa und Mama Maulwurf Blätter und Gras sammeln, um das Nest damit auszupolstern, kann man ihn mit viel Geduld und ein bisschen Glück dabei beobachten. In dieser Zeit bringt das Weibchen im Durchschnitt drei bis vier, maximal sieben Junge zur Welt. Die Jungen sind als Nesthocker völlig von der Mutter abhängig und werden vier bis sechs Wochen von ihr gesäugt. Nach sechs bis zwölf Monaten sind die jungen Maulwürfe geschlechtsreif und gründen ihr eigenes Revier. In dieser Zeit sind sie besonders gefährdet und viele von ihnen sterben.



Drei Wochen lang sind die nackt Geborenen vollständig blind. Mit dem zarten Fell entwickeln sich dann auch die winzigen, tief darin verborgenen Augen, mit denen die Tierchen lediglich hell und dunkel unterscheiden können. Dafür kann der Maulwurf besser hören, riechen und tasten. Angepasst an sein Leben in engen Erdgängen und in kleinen, selbst gebuddelten Erdnestern, hat er lediglich eine Hautfalte an Stelle von Ohrmuscheln. Die Tasthaare an der rüsselähnlichen Schnauze und dem fast kahlen, kurzen Schwänzchen wirken seismographisch und lassen den Maulwurf die geringsten Erschütterungen wahrnehmen. Etwa, wenn ein Beutetier in einen seiner zahlreichen Gänge gefallen ist, die er unermüdlich gräbt. Dabei unterstützt ihn sein einzigartiger Körperbau perfekt.

Der kleine Maulwurf hat ein seidiges, meist graues, selten helles oder fast schwarzes, Fell ohne Strich. So kann er problemlos in seinen Erdgängen vorwärts und rückwärts laufen und deren Wände dabei so verdichten, dass Beutetiere nur schwer und langsam fliehen können. Die Gänge gräbt der „Erdwerfer“ mit seinen kräftigen Händen mit fünf scharfen Krallen. Die Grabgeschwindigkeit kann, je nach Bodenbeschaffenheit, bis zu sieben Meter pro Stunde betragen. Die Handflächen an den kurzen, neben dem Kopf liegenden Armen, sind nach außen gedreht und wirken wie Grabschaufeln. Mit ihnen und mit seinem Kopf und der Buddelschnauze, schiebt er die lockere Erde durch die Gänge und wirft sie in Abständen nach draußen – ein Maulwurfshügel entsteht.

Für Miriam Krumbach und andere, mit der Natur verbundene Gartenbesitzer, ist dies eher ein Grund zur Freude. Die Fachfrau empfiehlt: „Die ausgeworfene lockere Erde kann hervorragend für ein Blumenbeet oder den Blumenkasten genutzt werden.“ Rund 200 Meter lange, vernetzte Röhrengänge legt ein Maulwurf an. Außer in extrem trockenen Sommern und kalten Wintern verlaufen sie rund zehn bis 20 Zentimeter tief unter dem Erdboden, rund um sein Nest in einer Tiefe von 50 bis 60 Zentimetern.

Nur zur Paarungszeit im Frühjahr begibt sich ein Männchen in das Revier eines Weibchens. Dessen Revier ist, je nach Nahrungsangebot, rund 2000 Quadratmeter groß. Männchen können bis zu 6000 Quadratmeter durchbuddeln. Mit drei kürzeren Ruhepausen, sind sie Sommer wie Winter tagsüber wie nachts auf der Suche nach Nahrung. Für den Winter legt der Maulwurf Vorratskammern mit Regenwürmern an. Damit diese am Leben bleiben, jedoch nicht fliehen können, beißt er ihnen die Vorderenden ab.

 Der Maulwurf ist ein Vielfraß. Dank seines schnellen Stoffwechsels hat der kleine Insektenfresser ständig Kohldampf. Am Tag muss er mindestens sein halbes Eigengewicht, etwa 50 Gramm, bis hin zu seinem Eigengewicht zu sich nehmen. Wie eine Spinne, sitzt er in seiner „Wohnkammer“ und „lauscht“ auf sein Beutetier. Der Maulwurf kann es exakt orten und läuft in einem Tempo von bis zu vier Kilometern pro Stunde flugs dorthin, um es zu verspeisen. Tausendfüßler, Insekten wie Käfer oder Zweiflügler, Regenwürmer, aber auch Schnakenlarven oder Egerlinge gehören zu seiner Lieblingsspeise. Das macht ihn zu einem wertvollen Nützling. „Pro Jahr vertilgt ein einziger Maulwurf locker bis zu 37 Kilogramm Futtertiere“, betont Miriam Krumbach dessen Nützlichkeit. Zudem sei die Besiedlung durch einen Maulwurf der beste Beweis für einen gesunden, vitalen Garten mit zahlreichen Kleinstlebewesen und Insekten. Auf der Suche etwa nach abgelegten Schnakeneinern und anderen Leckereien, durchstreift der Maulwurf regelmäßig seine Gänge. In kargen Zeiten gräbt er einfach tiefer. Ein Maulwurf muss regelmäßig fressen. Findet das Tier zehn Stunden lang keine Nahrung, verhungert es.

Maulwürfe werden nicht sehr alt. Selten erreichen sie ihr Höchstalter von rund fünf Jahren. Ihr ärgster Feind ist der Mensch, der ihnen trotz Verbot nachstellt. Zu den Fressfeinden zählen Vögel, darunter Eulen, Mäusebussarde, Rabenvögel und Weißstörche, sowie Raubtiere wie Füchse und Marderarten, wie zum Beispiel der Iltis, aber auch Wildschweine. Haushunde beißen Maulwürfe gelegentlich tot, fressen sie aber nicht. Gelegentlich werden Maulwürfe von Hauskatzen erbeutet.

 Viele Menschen würden sich mittlerweile freuen, wenn sie solche Maulwürfshügel in ihrem Garten finden.
Viele Menschen würden sich mittlerweile freuen, wenn sie solche Maulwürfshügel in ihrem Garten finden. FOTO: cvw