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275. Geburtstag von Gebhard Leberecht Blücher
Der Bezwinger Napoleons gab den Zweibrückern ihre Weinvorräte zurück

 In Waldmohr erinnert der Blücherstein an der evangelischen Kirche an den preußischen Feldmarschall.
In Waldmohr erinnert der Blücherstein an der evangelischen Kirche an den preußischen Feldmarschall. FOTO: red / Klaus Friedrich
Zweibrücken/Waldmohr. Gebhard Leberecht Blücher ging als „Marschall Vorwärts“ und „Retter Europas“ in die Geschichtsbücher ein. Auch in der Westpfalz hat der preußische Feldmarschall Ende des 18. Jahrhunderts Spuren hinterlassen. Diesen Samstag wäre Blücher 275 Jahre alt geworden. Von Klaus Friedrich

Vor genau 275 Jahren – am 16. Dezember 1742 – wurde in Rostock Gebhard Leberecht von Blücher geboren. Fast 60 Jahre lang diente er verschiedenen preußischen Königen, stieg vom in Gefangenschaft geratenen schwedischen Husarenkornett zum Armeekommandeur auf und ging schließlich mit über 70 Jahren als „Marschall Vorwärts“, „Retter Deutschlands“ und „Bezwinger Napoleons“ in die Geschichte ein.

Im Herbst 1793 hatte die Kriegserklärung des revolutionären Frankreichs an Österreich und das mit ihm verbündete Preußen Gebhard Leberecht von Blücher als Oberst der Husaren auch in den Westrich geführt, um hier unter widrigen Umständen die entschlossen vordrängenden Revolutionstruppen in brutal geführten Kämpfen aufzuhalten. Eine ausführliche Beschreibung hiervon gab er rückblickend in seinem 1796 verfassten „Kampagne-Journal der Jahre 1793 und 1794“, in dem er auch einen Erkundungsritt nach Zweibrücken am 6. Dezember 1793 schilderte. Diese „Recognoscirung“ verschaffte den unter der französischen Besatzung leidenden Einwohnern zumindest für einige Stunden Erleichterung und ermöglichte ihnen die die Wiedererlangung ihrer zuvor geraubten Weinvorräte.

Von Ramstein her kommend, hatte Blücher mit einem Bataillon den Weg ins Zweibrückische eingeschlagen und dabei auch die zuvor verwüsteten herzoglichen Schlösser passiert. Über seinen Handstreich gegen die Herzogstadt schrieb er: „Unter Begünstigung eines sehr starken Nebels (welcher die feindlichen Vedetten, die auf den jenseitigen Höhen der Bließ standen, verhinderte, uns zu sehen) setzte ich meinen Marsch auf Homburg fort und fand alle Brücken über die Bließ in dem obigen [ruinierten und unbrauchbar gemachten] Zustand. Da ich meine Recognoscirung so weit wie möglich poussieren wollte, so gieng ich bis vor Zweibrücken und ließ 50 Pferde in die Stadt hineinsprengen, es waren einige Franzosen in derselben, die eiligst davon flohen. Ich fand alle Weinkeller in Zweibrücken mit Französischen Nationalsiegeln belegt, und als ein Eigentum der Nation erklärt. Die Bürger wagten es nicht die Siegel anzurühren, weil sie besorgt waren, daß die Franzosen es rügen würden, ich ließ daher meinen Adjudanten sämmtliche Siegel abreißen und einem jeden sein Eigenthum wiedergeben; zugleich rieth ich den Einwohnern den Franzosen zu sagen: daß ich alles mit fortgenommen habe. Die vergnügten Bürger luden nun mit größter Eilfertigkeit auf und fuhren damit ab. Um ihnen zu diesem Geschäfte Zeit zu geben, blieb ich noch 2 Stunden bei Zweybrücken und attaquirte unterdessen die feindlichen Vorposten, welche jenseits der Stadt standen; alsdann marschirte ich bis Martinshöhe zurück …“.



An den kriegsbedingten Aufenthalt des späteren „Marschall Vorwärts“ im Westrich erinnert zudem der 1970 vor der evangelischen Kirche gesetzte „Blücherstein“ in Waldmohr, wo sich der auch mit über 50 Jahren noch überaus streitbare Haudegen gleich mehrmals aufhielt. Zunächst am 18. November 1793, als die preußische Armee nach schweren Kämpfen den Rückweg von der Blies in Richtung Kusel antrat: „Unser Korps vereinigte sich bei Waldmoor, woselbst das Hauptquartier des General v. Knobelsdorff war, und bezog daselbst ein Lager“, schreibt Blücher darüber – und weiterhin: „Den 26ten [November] rückte ich mit Tagesanbruch wieder bis Waldmoor vor und war intenioniert den Feind bei Jägersburg auf den Hals zu fallen; er war aber, wie ich es wohl vermuthet hatte, bereits benachrichtigt und hatte mir hinter Waldmoor ein starkes Versteck gelegt.“

Dass die gestellte Falle nicht zuschnappte, war einem glücklichen Missverständnis zu verdanken und so konnten sich Blücher und seine Husaren nach einem hartnäckigen und vorläufig siegreichen Kampf über Schönenberg in Sicherheit bringen.

Wäre er bei dem Scharmützel in Waldmohr ums Leben gekommen – wie wäre die Geschichte Preußens, Deutschlands und Europas wohl verlaufen? So aber zog Blücher 1813 als über 70-Jähriger an der Spitze der Schlesischen Armee in die Befreiungskriege, zwang den zu diesem Zeitpunkt über die Pfalz regierenden Napoleon gleich zweimal zur Abdankung und stellte damit auch im Zweibrücker Land nach fast zwei Jahrzehnten Kriegszustand den ersehnten Frieden wieder her.

Im schicksalsreichen Herbst 1793 jedoch hatte die zwischen den Fronten lebende Bevölkerung des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken, deren Regent Karl II. August sich im Februar im buchstäblich letzten Augenblick nur durch Flucht vom Karlsberg vor der drohenden Verhaftung retten konnte, unter den erbittert geführten Kämpfen zwischen deutschen und französischen Truppen zu leiden. Die Anstrengungen und Siege Blüchers und seiner Männer indes waren letztlich vergebens: Die preußische Armee zog sich zurück und wie das gesamte besetzte Territorium links des Rhein wurde auch das nun eroberte und im berüchtigten Plünderungswinter 1793/94 gänzlich ruinierte Herzogtum Pfalz-Zweibrücken der jungen Republik Frankreich einverleibt.

 Gebhard Leberecht Blücher starb im Jahre 1819.
Gebhard Leberecht Blücher starb im Jahre 1819. FOTO: Conti-Press