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Neubau-Projekt
„Der Ausblick – wie auf einem Thron“

Vier Wohnkuben, 48 Wohneinheiten. Das „Plateau Fasaneriewald“ soll keine Wünsche offenlassen. Im April vergangenen Jahres gab der Zweibrücker Stadtrat seine Zustimmung für das Projekt.
Vier Wohnkuben, 48 Wohneinheiten. Das „Plateau Fasaneriewald“ soll keine Wünsche offenlassen. Im April vergangenen Jahres gab der Zweibrücker Stadtrat seine Zustimmung für das Projekt. FOTO: LBS Saarbrücken / LBS
Zweibrücken. Ab Oktober entstehen oberhalb der Canadasiedlung am Fasaneriewald neue Eigentumswohnungen. Viele Anwohner sehen das weiter kritisch. Von Mirko Reuther

„Der Ausblick ist traumhaft – von dort oben schaut man auf die Stadt und die Umgebung wie von einem Thron“, sagt Mark-Matthias Redd. Es ist freilich nicht auszuschließen, dass Redds Schwärmen auch beruflich gefärbt ist. Schließlich ist er bei LBS-Immobilien der zuständige Ansprechpartner, der die Eigentumswohnungen, die ab Oktober auf dem Plateu am Zweibrücker Fasaneriewald entstehen, an den Mann und die Frau bringen will.

Der Zweibrücker Stadtrat hatte den Weg für das Projekt im April vergangenen Jahres fast einstimmige – bei einer Gegenstimme von Volker Neubert (CDU) – freigemacht.

Vorgesehen sind vier Wohnungen in Kubusform. Haus A ist mit vier Geschossen sowie einem Penthouse das größte. Die anderen drei Gebäude haben ein Geschoss weniger. Insgesamt stehen 48 Wohneinheiten zum Verkauf. Und die versprechen einiges: So werden ein „repräsentativer Hauseingang mit Videosprechanlage“ und ein „Aufzug für barrierefreien Zugang zur Wohnung“ auf der Homepage des Projektes angepriesen. Dafür müssen Käufer tief in die Tasche greifen. Die günstigste Eigentumswohnung (67 Quadratmeter) schlägt mit einem Preis von 179  000 Euro zu Buche. Für eine Penthousehälfte werden 320  000 Euro fällig. Morgen (Donnerstag) um 19 Uhr wird das Projekt Interessenten im Romantik-Hotel Fasanerie vorgestellt.



Unumstritten war das „Plateau Fasaneriewald“ in der Vergangenheit aber nicht. Vor allem die Höhe der Wohnkuben – ursprünglich waren fünf Vollgeschosse geplant – war seit 2016 wiederholt Stein des Anstroßes und wurden schließlich um ein Geschoss reduziert. Sogar eine Interessengemeinschaft (IG) von Anwohnern formierte sich, die die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier und einen Anwalt bemühte. Die IG existiert heute allerdings nicht mehr. Deren ehemaliger Sprecher Ludwig Altmeyer sagte gestern: „Nachdem der Stadtrat das Projekt fast ohne Gegenstimme durchgewunken hat, wäre uns nur noch eine Normenkontrollklage geblieben. Auf diesen Schritt konnte sich unsere IG aber nicht einigen. Eine Niederlage vor Gericht wäre bis zu 18  000 Euro teuer geworden.“ Glücklich sind viele Anwohner mit dem Neubau aber offenbar auch heute nicht. Altmeyer: „Es gibt ja keine IG mehr, deshalb kann ich nicht in ihrem Namen sprechen. Aber die Mehrheit der Menschen hier ist immer noch gegen das Projekt. Unser Viertel besteht aus Ein- bis Zweifamilienhäusern. Diese Wohnblöcke passen nicht hierher. Auch die Lärmbelastung wird höher werden.“ Altmeyer ergänzt: „Ein Entgegenkommen gegenüber unserer Sache gab es nicht. Wir hatten ein Gespräch mit Investor Andreas Buch, der gar nicht verstehen konnte, dass wir seine Idee nicht super finden. Und die Stadt hat uns behandelt wie neurotische Nörgler.“

Es gab aber auch Stimmen, die das Bauprojekt ausdrücklich begrüßten: „Es ist problematisch, wenn Investoren derart Gegenwind bekommen. Es droht die Gefahr, dass die Stadt Zweibrücken bei Finanziers einen negativen Ruf bekommt“, sagte etwa Dieter Weber, der Vorsitzende des Bündnis Zweibrücker Wirtschaft, 2016 im Hinblick auf das Bauprojekt. Auch Mark-Matthias Redd gibt sich von den neuen Wohnungen überzeugt. Bis weit ins Saarland hinein gebe es Interessenten. „Solch einen Kauf tätigt man auch mit Blick auf die Zukunft. Die Wohnungen sind mit einem Lift zu erreichen, barrierefrei und können rollstuhlgerecht hergerichtet werden. Außerdem ist die Anbindung zur Autobahn und zur Stadt optimal.“ Und dann wäre da ja noch der Ausblick wie von einem Thron.