| 22:13 Uhr

Profi-Schauspielerin und Grünen-Stadtrat
„Demokraten sind besser im Bett“

Silvia Bervingas und Norbert Pohlmann bei ihrer Lesung im Kapellenraum der Karlskirche.
Silvia Bervingas und Norbert Pohlmann bei ihrer Lesung im Kapellenraum der Karlskirche. FOTO: Margarete Lehmann
Zweibrücken. Silvia Bervingas und Norbert Pohlmann beeindrucken mit einer gestischen Lesung von Gurneys „Love Letters“. Von Peter Fromann

A. R. Gurney hat die lebenslange Liebe zwischen Melissa und Andrew in Briefen aufgeschrieben, die die Beiden einander schrieben. Silvia Bervingas und Norbert Pohlmann lasen diese „Love Letters“ in der Zweibrücker Karlskirche am Freitag zwei Stunden lang, ein Drama der Liebe, die Zuhörer durchlebten Höhen und Tiefen, manische und depressive Phasen, Komik, Ironie, Rührung und Romantik, eben Wechselbäder der Gefühle – zwei moderne Königskinder, die sich eigentlich brauchen und doch nie zueinander finden können.

Melissa ist Kind reicher Eltern, die sich beide im Alkoholrausch ihr Leben zurechtsaufen. Melissa erbt diese tödliche Leidenschaft, stürzt promisk von Rausch zu Rausch, erträgt am Ende das Leben nicht mehr und flieht in den Tod. Während Andrew aus gut bürgerlichem Haus strebsam und solide ist, studiert, in die Politik geht und es bis zum Senator bringt. Wie und wo wollen sich die Liebenden zusammenfinden? Bis zum Abitur bleiben sie unberührt zusammen, dann führt es sie in fremde Städte, die Briefschreibwut nimmt zu, sie erzählen sich ihre Erlebnisse, keusche und unkeusche, „Demokraten sind besser im Bett“, schreibt Melissa einmal. Mit der Zeit verliert man sich fast aus den Augen, der Senator schickt nur noch liebe Weihnachtsgrüße. Am Ende gesteht er vor sich selbst die tiefe Liebe zu ihr, aber zu spät. Auch in seiner Ehe ging manches schief, seine „große Liebe“ zu Jane führt zu drei Söhnen, in den Briefen hört man am Rande von Drogenkonsum.

Streckenweise ist es lustig, dann wieder grausam, eine Tragikomödie großen Ausmaßes. Die bald 40 Zuhörer gehen mit, lachen und seufzen, am Ende sind alle ein wenig mitgenommen. Die Profi-Schauspielerin Silvia Bervingas schöpft aus der Fülle ihres Könnens und überzeugt ganz und gar, durchlebt den Text. Norbert Pohlmann, bislang nur bekannt als Stadtrats-Fraktionschef der Grünen, vergisst seine Zurückhaltung weitgehend, geht aus sich heraus und trifft immer den richtigen Ton. Schauspielerische Ansätze setzen sich mehr und mehr durch, er hält gut Schritt mit Bervingas. Er tritt aus seiner Kühle heraus und nimmt senatorische Züge an, wo es sein muss. Es war ein tiefgründiger Leseabend, Tragödie und Komödie dicht beieinander.