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Kommentar zum Streit um Denkmalschutz und neue Wohnungen in Zweibrücker Innenstadt
Die Villa Schwinn ist wichtig, nicht die Ex-Gerätehalle!

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Bauherren der Villa Schwinn würden sich verwundert die Augen reiben, wie heftig heute um die (längst zweckentfremdete) Remise gestritten wird. Von Lutz Fröhlich
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

Etliche honorige Zweibrücker kämpfen derzeit gegen den geplanten Abriss der Remise der Villa Schwinn. Denn an Stelle der Remise plant ein Investor Wohnungs-Neubauten, unter anderem für Studenten. Abriss der Remise einer der schönsten Gründerzeit-Villen Zweibrückens? Das klingt auf den ersten Blick grausam. Aber: „Remise“ ist nur die hochtrabende Bezeichnung für eine „Fahrzeug- und Gerätehalle“. Wikipedia verrät hierzu: „Das Wort kommt aus dem Französischen und ist vom Verb remettre (wieder hinstellen, versorgen) abgeleitet. Die lateinische Wurzel ist das Verb remittere (zurückschicken, ablegen).“ Die Gründer der Villa Schwinn würden sich sicher verwundert die Augen reiben, wenn sie erleben könnten, wie heute um diesen von ihnen sicher wenig geliebten Zweckbau gekämpft wird, der seinen Zweck schon längst verloren hat. Ein Zweckbau, der architektonisch nicht ganz ohne Reize ist – aber gegenüber der Villa Schwinn doch drastisch abfällt. So drastisch, dass ich keine Einwände gegen einen Abriss hätte. Zumal der Plan des Investors die große Chance bietet, nicht nur stark nachgefragte moderne innerstädtische Wohnungen zu schaffen – sondern auch die wirklich bedeutende und denkmalgeschützte eigentliche Villa Schwinn vor dem Zerfall zu retten. Diese Chance sollte nicht durch das Beharren auf dem Erhalt der Remise vertan werden. Zumal es viele Beispiele in Deutschland gibt, die zeigen, wie Denkmalgeschütztes und Modernes sich gut und sogar gewinnbringend miteinander vertragen können, in der Region etwa die Alte Post in Pirmasens oder in Saarbrücken das Schloss. Allerdings: Stadt und Denkmalschützer sollten gemeinsam mit dem Investor besprechen und durch Auflagen absichern, dass nach Errichten der Neubauten die Villa Schwinn gut – vielleicht sogar besser als heute – zur Geltung kommt.