| 21:08 Uhr

Internationales Laienorchester „Be Phil“
„Das werde ich nie vergessen“

Ritterschlag von Sir Simon Rattle: Der Star-Dirigent klopft Walter Rimbrecht nach dem Konzert mit dem internationalen Laien-Orchester „Be Phil“ auf die Schulter.
Ritterschlag von Sir Simon Rattle: Der Star-Dirigent klopft Walter Rimbrecht nach dem Konzert mit dem internationalen Laien-Orchester „Be Phil“ auf die Schulter. FOTO: Familie Rimbrecht
Zweibrücken. Der Zweibrücker Trompeter Walter Rimbrecht spielte unter Simon Rattle in der Berliner Philharmonie vor 2000 Zuhörern. Von Lutz Fröhlich

„Das war zweifellos der Höhepunkt meines Musikerlebens. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal da hin komme!“ Walter Rimbrecht stand gestern noch ganz unter dem Eindruck seines einmaligen Erlebnisses: Am Montagnachmittag spielte der Zweibrücker Trompeter unter der Leitung von Sir Simon Rattle in der Berliner Philharmonie. Eine Jury aus Musikern der Berliner Philharmoniker hatte Rimbrecht als einen von 92 Laienmusikern aus aller Welt ausgewählt für ein Konzert unter der Leitung ihres berühmten Dirigenten (wir berichteten vorab). Damit ist für Rimbrecht sogar noch sein Mitwirken bei einem Konzert vor Papst Franziskus im vergangenen November übertroffen.

Musiker aus 35 Ländern waren beim Konzert des „Be Phil Orchestra“ dabei, freut sich Rimbrecht über „die vielen sympathischen Menschen aus aller Welt“. Der 66-jährige Stadtrat und pensionierte Berufsschulleiter fand das Konzert „ganz überwältigend. Die Proben waren schon sehr gut, aber das Konzert war viel, viel besser, dazu die Atmosphäre in dem riesigen Saal vor über 2000 begeisterten Zuhörern.“

Rimbrecht war der Einzige im „Be Phil Orchestra“, der nicht Musik studiert hatte. Und auch Brahms Erste Symphonie hatte er vor den Proben noch nie gespielt. Lampenfieber gab es dennoch nicht: „Ich war nicht so nervös wie sonst. Denn ich wusste, das alle ihre Sache gut machen.“ Auch mit seiner Leistung bei der etwa einstündigen Aufführung sei er zufrieden: „Ich denke, das ist mir gut gelungen.“



Zufrieden war offensichtlich auch der Dirigent: „Simon Rattle ist nach dem Konzert durch die Reihen gegangen, hat Musikern die Hand gegeben und mir auf die Schulter geklopft. Das werde ich nie vergessen.“

Rattles Gang durch die Reihen war nur ein Beispiel dafür, wie überrascht Rimbrecht davon war, wie nahbar die Berliner Philharmoniker sind. „Ich dachte, die sind abgehoben, aber sie interessieren sich wirklich für die jungen Leute, ich war ja einer der Ältesten.“ Nach dem eigenen Konzert der Berliner Philharmoniker hatten Rimbrecht uns sein „Be Phil“-Kollegen auch Gelegenheit, mit den Mitgliedern des renommierten Orchesters zu plaudern. Und ob Laien- oder Profi-Orchester: An dem Tag der offenen Tür traten alle leger in T-Shirts auf – ein Stück Image-Pflege, nachdem in früheren Jahrzehnten die Berliner Philharmoniker als elitär und abgehoben galten. Durften die Laienmusiker ihre T-Shirts behalten? „Natürlich“, antwortet Rimbrecht“, und fügt augenzwinkernd hinzu: „Da sind ja noch die Fingerabdrücke von Simon Rattle drauf.“ Auch der Auftritt im T-Shirt war übrigens eine Premiere für Rimbrecht – bei klassischen Konzerten trägt er sonst Anzug, ebenso wie in seinem Bewerbungsvideo.

Beeindruckt haben Rimbrecht auch schon die fünf Proben, von denen drei Rattle selbst leitete, „eine mehr als geplant“. Da habe er eine ganze Menge gelernt. „Obwohl ich schon anfangs gedacht habe, das klingt gut, gab es eine kontinuierliche Steigerung von Probe zu Probe“, etwa bei den bei Brahms wichtigen Klangfarben-Wechseln. Besonders in Erinnerung geblieben ist Rimbrecht eine orginelle Ansage Rattles: „Diese Stelle muss klingen wie Augen von Klaus Kinski!“ Das beherzigten die Musiker: „Danach hat es ganz anders geklungen, viel, viel besser.“

Das nächste Konzert Rimbrechts in Zweibrücken ist schon am kommenden Sonntag, 27. Mai, 15 Uhr, mit der Stadtkapelle im Rosengarten.

Das „Be Phil“-Konzert ist hier online nachzuerleben: https://www.digitalconcerthall.com/de/concert/51200

Rimbrechts Blick in den voll besetzen großen Saal der Berliner Philharmonie.
Rimbrechts Blick in den voll besetzen großen Saal der Berliner Philharmonie. FOTO: Familie Rimbrecht