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Das Sterben der Bienen

Verunreinigte Wachsplatten aus China sollen für ein massenhaftes Bienensterben verantwortlich sein, klagt Imkermeister Markus Bärmann, der hier den Schaden demonstriert. Foto: cos
Verunreinigte Wachsplatten aus China sollen für ein massenhaftes Bienensterben verantwortlich sein, klagt Imkermeister Markus Bärmann, der hier den Schaden demonstriert. Foto: cos FOTO: cos
Zweibrücken. Imker steht vor dem Ruin. 65 Zuchtvölker seien verendet. Schuld sei schadhafte Ware aus China. Norbert Schwarz

Der Zweibrücker Imkermeister und Bienensachverständige Markus Bärmann steht vor dem Ruin. 65 seiner hochwertigen Zuchtvölker auf dem Gelände der ehemaligen Baumschule bei der früheren Canadasiedlung sind verendet. Keine einzige Königin, keine Biene, schon gar nicht ein Volk hat den Winter überlebt. Markus Bärmann hat Hobbyimker aus dem Zweibrücker Land zu sich gerufen, um ihnen den Schaden zu zeigen und um die Kollegen zu warnen. Denn für Bärmann ist klar: Schuld sind Mittelwände aus Wachs in den aufgestellten Bienenstöcken. Dieses Wachs bezog der Zweibrücker Imkermeister über einen Großhändler aus Baden-Württemberg.

Amtsärztin Ramona Hafner vom Veterinäramt bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz als zuständige Behörde für den Landkreis war gleichfalls mit einem Mitarbeiter vor Ort. Sozusagen vorbeugend, um die Gefahren einer Seuche auszuschließen. Die 65 verendeten Völker, mit denen Bärmann auch hochwertige Königinnen zieht, bedeuten laut dem Imker einen Schaden von rund 30 000 Euro. Beim Hochrechnen kommt der Imkermeister auf einen Folgeschaden von schätzungsweise 80 000 Euro.

Bärmann hat für seine Bienenvölker die gelieferten Wachsplatten verwendet, die einen zu hohen Stearin-Anteil gehabt hätten. Bei den Wachswaben handele es sich um eine "synthetische Herstellung"; Bärmann sagt, er habe die Wachswaben mit hohen Zeitaufwand in seine teilweise vierstöckigen Kästen einhängen müssen. Hobbyimker Jürgen Wolf aus Winterbach, gleichfalls Bienensachverständiger: "Das ist schon eine knifflige Arbeit, dabei fließt viel Schweiß." Die Ware, das ist inzwischen geklärt, kam aus China. Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Ravensburg hat deshalb auch der Zweibrücker eine Strafanzeige gestellt. Großen Erfolg erwartet Bärmann allerdings nicht, denn und das hat inzwischen nicht nur die Imker in der Region hierzulande mobilisiert und sensibel gemacht: Die Zusammensetzung des Bienenwachses, eben dort, wo der Honig abgelegt wird, ist nirgendwo gesetzlich geregelt. Bärmann: "Für alle Lebensmittel gibt es bei uns alle möglichen Vorschriften. Nur nicht für die Wachswaben bei den Bienenzüchtern. Für einen Imkerkollegen aus Metzingen in Baden-Württemberg war das auch der Grund dafür, sich mit einer Petition an den Deutschen Bundestag zu wenden, der diese Lücke schließen soll und genaue Vorgaben macht, woraus das Wabenwachs bestehen muss."

Normalerweise bestehen diese Mittelwände aus reinem Bienenwachs. Doch vielfach sind Imker einfach darauf angewiesen, auf weitere Wachsplatten zurückzugreifen. Nur, so etwas hat es wie jetzt noch nicht gegeben.

Für Willi Schwarz aus Winterbach heißt das: noch mehr auf seinen bekannten Wabenlieferanten vertrauen. "Ich bekommen meine Waben für meine 30 Völker von einem Händler im Saarland und damit bin ich bisher bestens gefahren." Jürgen Wolf bezieht auch schon langjährig seinen Imkerbedarf von einer Vertrauensperson, auch für Heidrun Feick aus Battweiler, die gleichfalls erfolgreich imkert, ist das eine Vertrauenssache. Wie alle anderen ist aber auch sie der Meinung, dass gerade die deutsche Gesetzgebung hier handeln muss, weil es keine genauen Vorgaben für die "Synthetische Wabenherstellung" gibt. Markus Bärmann erkannte bereits im letzten Sommer die ersten Anzeichen dafür, dass mit seinen Bienen etwas nicht stimme. Doch diesen Totalverluste habe er unmöglich vorausahnen können.