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10 Jahre Einkaufszentrum
Das Herz des Hilgard-Centers

Eines der Erfolgsgeheimnisse des Hilgard-Center-Ankermieters Edeka: Dieter Ernst ist ein Chef, der stets selbst mit anpackt.
Eines der Erfolgsgeheimnisse des Hilgard-Center-Ankermieters Edeka: Dieter Ernst ist ein Chef, der stets selbst mit anpackt. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Dieter Ernsts Edeka ist das Zugpferd des Einkaufszentrums. Viele rühmen aber auch sein soziales Engagement.

Er ist das Herz des Hilgard-Centers: Dieter Ernst. Nicht nur, weil sein Edeka-Markt der Ankermieter in dem vor zehn Jahren eröffneten Einkaufszentrum ist – sondern auch, weil Ernst in Zweibrücken nicht nur als erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch als engagierter Mensch geschätzt wird. Weshalb die Stadt Ernst auch die Stadtplakette in Silber verliehen hat, nachdem er bei der Oskar-Patzelt-Stiftung nicht nur den „Großen Preis des Mittelstands 2016“ verliehen bekam, sondern sogar noch die Ehrenplakette, weil er unter den bundesweit 38 Preisträgern einer der fünf „beeindruckendsten“ war.

Dabei war der Start für Ernsts riesigen Lebensmittelmarkt, der mit 2765 Quadratmeter die Hälfte der Verkaufsfläche im Hilgard-Center belegt, schwieriger als bislang bekannt. „Der Anlauf im ersten Jahr war problematisch“, verrät Ernst. Aber der Markt habe sich „sehr gut entwickelt“, schon nach anderthalb Jahren lagen die Ergebnisse weit über der Prognose der Standortanalyse. Heute sei sein Markt der erfolgreichste Edeka in der Region Saarland/Südwestpfalz. Aus den anfangs 75 Mitarbeitern sind nun 86 geworden, wobei darunter im Gegensatz zu damals kaum mehr Aushilfskräfte seien.

Was sind die Erfolgsgeheimnisse seines Marktes? „Ein wesentlicher Punkt ist aktive Mitarbeit im Markt“, antwortet Ernst, das sei wichtig für Kunden und Mitarbeiter. In der Tat: Wer in dem Markt einkauft, sieht den Chef immer wieder selbst beim Regale-Einräumen. Auch seine ganze Familie arbeite im Markt mit. Hinzu komme „die sehr große Verbundenheit zur Region“, verweist Ernst auf sein (auch von Oberbürgermeister Kurt Pirmann anlässlich der Stadtplaketten-Verleihung) gewürdigtes Engagement für Zweibrücker Vereine, Sport, junge Leute, „Gemeinsamhandel“ sowie seine vielen regionalen Lieferanten. Wichtig seien auch die „guten, motivierten Mitarbeiter“ und das riesige Edeka-Südwest-Sortiment. Das bestimmt Ernst auch mit – als Mitglied des Gremiums, das in monatlichen Treffen in Offenburg Sortimentsänderungen auswählt. „Ein klarer Vorteil“ sei natürlich auch, dass er dank  Rheinland-Pfalz bis 22 Uhr öffnen dürfe, der Globus im saarländischen Einöd dagegen nur bis 20 Uhr.



Warum engagiert sich Ernst so sehr im Gemeinsamhandel-Vorstand? Warum bietet er an verkaufsoffenen Sonntagen Pferdekutschen-Shuttle in die Fußgängerzone und gemeinsam mit dem Fashion Outlet einen ebenso kostenlosen Shuttle-Bus dorthin und in die City an, obwohl er selbst keinen Nutzen davon hat? „Indirekt schon“, antwortet Ernst, „denn wenn es dem Handel in der Innenstadt gut geht und mehr Leute von außerhalb nach Zweibrücken kommen, profitieren auch wir.“ Trotzdem gibt es wohl nur wenige Marktbetreiber am Stadtrand, die so denken. Ernst lässt denn auch durchblicken, dass sein Engagement auch eine Herzensangelegenheit ist: „Wir versuchen, den Namen Zweibrücken positiver zu machen. Wir haben so schöne Plätze in Zweibrücken, aber viele Zweibrücker reden alles schlecht.“ Ernst jammert auch nicht über die Sortiments-Beschränkungen, welche die von vielen Kommunalpolitikern heute kritisierte „Zweibrücker Liste“ dem Hilgard-Center auferlegt: „Ich bin damit vollauf zufrieden, das funktioniert.“

Auch die Aldi-Filiale im Hilgard-Center ist überdurchschnittlich erfolgreich, sie „zählt zu den umsatzstärksten Filialen der Regionalgesellschaft Bous“, teilt die Aldi-Süd-Pressestelle auf Anfrage mit. Die Kunden kämen sowohl aus dem Stadtgebiet als auch aus dem Umland. Die Attraktivität des Standorts ergebe sich „aus dem interessanten Branchenmix und der guten Verkehrsanbindung. Unsere Filiale wurde zudem als einer der ersten Märkte der Region nach unserem neuen Einrichtungskonzept modernisiert.“

„Wir sind mit der Entwicklung des dm-Marktes im Hilgard-Center seit der Eröffnung vor zehn Jahren sehr zufrieden“, schreibt der Drogeriemarkt-Gebietsverantwortliche Robin Prinz. „Durch den zweiten Zweibrücker Markt können wir unseren Kunden beispielsweise an der Kosmetiktheke und im Bereich Kindertextil eine noch größere Auswahl bieten.“ Ob der dm-Markt im Hilgard-Center oder der in der Fußgängerzone mehr Kunden hat, verrät dm nicht. Doch der Blick aus dem Fenster der Merkur-Redaktion in den City-dm gegenüber zeigt immer wieder, dass er trotz der hauseigenen Konkurrenz weiterhin sehr gut besucht ist.

Der Umzug einige Dutzend Meter weiter ins Hilgard-Center hat der Hofenfels-Apotheke gutgetan: „Wir haben uns enorm vergrößert“, berichtet die Apothekerin Christel Bershan, „früher hatten wir vier, fünf Mitarbeiter, jetzt sind es 22“. Zu den Stammkunden sei viel Laufkundschaft hinzugekommen. Viele kämen auch aus dem Saarland und Frankreich.

Bauherr Manfred Schenk aus Pirmasens bezeichnet das Hilgard-Center als „Erfolgsgeschichte“. Das sei insbesondere Edeka-Betreiber Dieter Ernst zu verdanken: „Vor allem das Frische-Angebot ist so gut, dass manchmal sogar Leute aus Pirmasens dahin fahren.“ Weniger gute Erinnerungen hat Schenk dagegen „an die Geburtswehen“ des Hilgard-Centers: „Der damalige Oberbürgermeister hat ein bisschen falsch gespielt, so viele Probleme hatte ich bis heute bei keinem anderen Projekt.“ Ausdrücklich würdigt Schenk den Einsatz des damaligen FDP-Ratsfraktionsvorsitzenden: „Walter Hitschler, der vor kurzem leider verstorben ist, hatte großen Anteil daran, dass das Hilgard-Center realisiert werden konnte.“ 2009 hatte Schenk das Center an den dm-Mitgesellschafter Günther Lehmann verkauft. Dessen Immobilienfirma in Karlsruhe äußerte sich auf Merkur-Anfrage nicht zum Center-Jubiläum.

Kurt Dettweiler, heute FWG-Ratsfraktionschef, begleitete als Baudezernent den Bau des Hilgard-Centers – eine turbulente Zeit mit vielen Kontroversen, der Stadtvorstand wollte einen anderen Investor, die HGV. „Was aus dem Hilgard-Center geworden ist, kann man aber heute nur positiv sehen“, bilanziert Dettweiler. Ansehnliche Geschäfte auf einer zuvor kontaminierten Industriebrache seien auch für die Anwohner ein Segen, und  Edeka sei als Ankermieter „dank der tollen Familie Ernst eine optimale Besetzung“.

CDU-Stadträtin Evelyne Cleemann, die vor dem Bau teilweise skeptisch war, sieht nach zehn Jahren keine negativen und vielleicht sogar positive Auswirkungen des Hilgard-Centers auf die Kundenfrequenz in der City. Das Center selbst sei „hervorragend“ und locke auch viele Kunden aus dem Umland an, „davon kommen dann einige vielleicht auch etwas häufiger als früher in die Fußgängerzone“. Vorbildlich finde sie, wie sehr Edeka-Chef Dieter Ernst mit den Einzelhändlern in der City zusammenarbeite. Ernst sei „ein Glücksfall für Zweibrücken“.

Das sieht auch Gemeinsamhandel-Vorstandsmitglied Birgit Neuhardt so. Der große Erfolg von Edeka freue sie sehr, „wenn der Markt näher in der Stadt gebaut worden wäre, wäre das aber besser gewesen“. Erleichtert ist Neuhardt, dass der City-dm der hauseigenen Konkurrenz standhält, „denn das ist ein wichtiger Frequenzbringer für die Fußgängerzone“.  > Seite 15

Nachbarfreundlich bunt gestaltet: die Rückseite des Hilgard-Centers.
Nachbarfreundlich bunt gestaltet: die Rückseite des Hilgard-Centers. FOTO: Lutz Fröhlich


Nicht erfüllt hat sich die Hoffnung, der Leerstand des benachbarten denkmalgeschützten Hilgardhauses könne infolge des Baus des Hilgard-Centers überwunden werden.
Nicht erfüllt hat sich die Hoffnung, der Leerstand des benachbarten denkmalgeschützten Hilgardhauses könne infolge des Baus des Hilgard-Centers überwunden werden. FOTO: Lutz Fröhlich