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Alkoholabhängigkeit
Das gemeinsame Ziel: Suchtkranken Menschen helfen

Peter Schiedermaier ist Chefarzt im Nardini-Klinikum.
Peter Schiedermaier ist Chefarzt im Nardini-Klinikum. FOTO: privat
Zweibrücken. Nardini-Klinikum und Fachstelle Sucht der Diakonie wollen künftig noch enger zusammenarbeiten. Von Fritz Schäfer

Schon seit über  zwei Jahrzehnten arbeitet der Suchtberater der Diakonie, Paul Schmidt, mit dem St. Elisabeth Krankenhaus in Zweibrücken zusammen: „Das war aber eher informell.“ Jetzt wird die Kooperation auf „formale Beine“ Beine gestellt, sagte Schmidt bei der Vorstellung der Zusammenarbeit.Schon bei Entgiftung im Krankenhaus oder bei den Leber-Sprechstunden würden die Patienten über Hilfsangebote für alkoholkranke Menschen außerhalb des Nardini-Klinikums informiert, erläutert Chefarzt Peter Schiedermaier das Vorgehen. Neben Flugblättern würden Ärzte und das Personal auf das Angebot hinweisen. Wobei Schiedermaier erwähnt, dass den Patienten lediglich Angebote gemacht würden.

„Das ist ganz wichtig, dass es bei der Krankheit zu einer Verzahnung zwischen Krankenhaus und Suchtberatung kommt“, betont die Krankenhaus-Oberin Schwester Elisa Döschl. Denn von der Krankheit seien nicht nur die Kranken betroffen, auch Ehepartner, Kinder und Bekannte. Und da könne die Fachstelle Sucht im Haus der Diakonie wertvolle Hilfe leisten. Denn in dem Haus werde nach Angaben von Anette Schilling, Leitende Referentin beim Diakonischen Werk der Pfalz, auch Beratung in Lebenskrisen, Erziehungsfragen oder bei finanziellen Problemen angeboten, die über die eigentliche Suchtberatung hinausgeht.

Nach der langjährigen Erfahrung weiß Schmidt, dass je früher Hilfen angenommen werden, desto größer werden die Erfolgschancen. Das angestrebte Ergebnis, da sind sich die Klinik und die Suchtberatung einig, ist, dass der Mensch aus der Sucht herauskommt und mit ihr leben kann. Gerade in der akuten Entgiftungsphase sei die Motivation der Betroffenen groß, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen, weiß Schmidt. Vor allem wenn die Suchtberater den Betroffenen „freundlich begegnen. Dann hat man einen guten Zugang zu den Menschen“.



Die Fachstellen Sucht in Zweibrücken und Pirmasens betreuen „in Vier-Augen-Gesprächen“ im Jahr rund 500 Suchtkranke. Wobei nach Angaben Schmidts die Zahlen zwischen 200 bis 240 schwanken. Die Fachstelle betreut dann auch Menschen in Selbsthilfegruppen wie dem Blauen Kreuz.

Nach den Angaben Schiedermaiers handelt es sich in dem Bereich um drei Personengruppen. Zum ersten um die akuten Fälle bei einer Alkoholvergiftung. Eine zweite Gruppe seien die Personen, die gezielt für eine Entgiftung ins die Klinik kämen. De dritte Gruppe seien die Personen, bei denen ein Leberschaden als Folge von Alkoholkonsum diagnostiziert wird. „Alle drei Gruppen werden von uns auf das Angebot hingewiesen.“ Bei dem Pressegespräch erwähnt der Chefarzt, dass im vergangenen Jahr im Nardini-Klinikum 160 Menschen wegen Entgiftungen behandelt worden seien. 140 wegen Alkohol. Dabei merkte Schilling an, dass die „polytoxischen“ Abhängigkeiten zunehmen. Neben Alkohol würden diese Personen auch andere Drogen konsumieren.