| 23:10 Uhr

Neue hauptamtliche Beigeordnete ins Amt eingeführt
Wosnitza ermuntert Rauch zum Neinsagen

 Das neue Zweibrücker Führungstrio: Oberbürgermeister Marold Wosnitza (rechts) überreichte Christina Rauch im Stadtrat die Ernennungsurkunde zur Beigeordneten. Bürgermeister Christian Gauf zählte zu den ersten Gratulanten.
Das neue Zweibrücker Führungstrio: Oberbürgermeister Marold Wosnitza (rechts) überreichte Christina Rauch im Stadtrat die Ernennungsurkunde zur Beigeordneten. Bürgermeister Christian Gauf zählte zu den ersten Gratulanten. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Mit Christina Rauch ist erstmals in der Geschichte Zweibrückens eine Frau Mitglied im Stadtvorstand. Nach ihrer Vereidigung erzählte sie von ihrer Politisierung als Kind im Auto auf dem Weg zur Schule. Von Lutz Fröhlich
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

Nach dem Wahl-Krimi vom September – der Stadtrat hatte Christina Rauch erst im dritten Wahlgang zur Zweibrücker Beigeordneten gewählt – verlief die Amtseinführung der Christdemokratin am Mittwochabend im Stadtrat in großer Harmonie. Und das, obwohl erneut eine Machtfrage auf der Tagesordnung stand: die Ressortverteilung im dreiköpfigen Stadtvorstand. Vor Rauchs Wahl war allgemein fest erwartet worden, dass sie (wie zuletzt ihr Vorgänger Henno Pirmann, SPD) das Baudezernat erhält. Und gerade die Zuständigkeit für das für die Stadtentwicklung zentrale Bauamt hatte in Zweibrücken schon einige Male für Streit gesorgt. Doch diesmal war das ganz anders: Nicht eine einzige Wortmeldung gab es, als Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) seinen Dezernatsverteilungs-Vorschlag zur Abstimmung stellte. Der Rat billigte ihn einstimmig (bei Enthaltungen von Thomas Körner, FWG, und Aaron Schmidt, Die Partei). Rauch kümmert sich ab 1. Januar um Ordnungsamt, Schulverwaltungs- und Sportamt, Kultur- und Verkehrsamt, Kriminalpräventionsrat und ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr). Wosnitza übernimmt das Bauamt (wir bericheten). Entscheidend für die Aufgabenverteilungen seien „die Kompetenz-Bereiche der Führungskräfte und die Arbeitsbelastungs-Verteilung“ gewesen, erläuterte Wosnitza.

Anschließend überreichte der OB der bisherigen Gymnasiallehrerin Rauch die Ernennungsurkunde und vereidigte sie, mit der Schlussformel „so wahr mir Gott helfe“. Wosnitza gratulierte Rauch auch im Namen des kranken Henno Pirmann, der altersbedingt in Pension geht.

Wosnitza blickte an Rauch gerichtet voraus: „Viele Herausforderungen sind zu bewältigen in den nächsten Jahren. Diese gilt es zu gestalten.“ Rauch habe „eine tolle Truppe in drei anspruchsvollen Ämtern“. Dann wurde Wosnitza auch persönlich: „Der Rollenwechsel (vom Professor zum OB) war für mich eine der größten Herausforderungen.“ Dabei bleibe es nicht aus, politische Erwartungen zu enttäuschen: „Man muss vor dem Hintergrund leerer öffentlicher Kassen öfter auch mal Nein sagen.“ So werde Rauch werde aufgrund ihres bisherigen Berufs künftig sicher viele Wünsche von Schulleiterin erhalten: „Da muss man auch mal Nein sagen.“ Das gelte auch für Wünsche aus der eigenen Partei (deren Fraktion Rauch bislang führt), deutete Wosnitza an: „Der Stadtvorstand wusste immer: Sachpolitik geht vor Parteipolitik. Ich bin mir sicher: Das wird sich auch nicht ändern. Man muss auch mal Sachen beschließen als Stadtvorstand, die nicht auf Parteilinie liegen.“ Er sei zuversichtlich, dass es auch mit Rauch bei der „guten Zusammenarbeit im Stadtvorstand“ bleiben werde.



Durch den Wechsel von Pirmann zu Rauch hat – rechnerisch betrachtet – im Stadtvorstand statt der SPD nun die CDU (mit Rauch und Bürgermeister Christian Gauf) eine 2:1-Mehrheit. Seit dem Bruch der großen Koalition Mitte Januar wirkt das Klima im Stadtrat zwischen den beiden Parteien ziemlich vergiftet.

Aber auch Rauch machte in ihrer Rede deutlich, dass es ihr im Stadtvorstand nicht an Konfrontation gelegen ist – ganz im Gegenteil. „Einigkeit ist in Zeiten des Wandels und großer gesellschaftlicher Herausforderungen wichtig.“ Als Beispiele nannte Rauch Digitalisierung, Klimawandel und „Realisierung der Wohlfühlstadt Zweibrücken“. Und die 38-Jährige betonte: „Das Beste für unser Zuhause, unsere Stadt, erreichen wir gemeinsam!“ Sie sei auch „sehr erfreut über den großen Vertrauensbeweis der Einstimmigkeit bei der Dezernatsverteilung“.

Rauch hob hervor, dass sie „nach fast 100 Jahren Ratsgeschichte die erste Frau im Stadtvorstand“ ist. Sie dankte ihren Eltern: „Ich würde heute nicht hier stehen, wenn bei den Autofahrten zur Schule mein Vater mit mir keine politischen Debatten geführt hätte und keine Papierstapel auf dem Wohnzimmertisch gelegen hätten.“ Zum Schluss ihrer Rede blickte Rauch dann wieder nach vorn: „Ich weiß, allwissend bin ich nicht. Doch viel ist mir bewusst – lasst uns beginnen!“

Für den Personalrat sagte Natalia Jörg: „Wir freuen uns auf eine konstruktive, vertrauensvolle Zusammenarbeit im Sinne der Beschäftigten.“ Rauch sei für ihr neues Amt gerüstet: Schon vor einigen Jahren habe sie einen „Leadership- und Management-Kurs“ gemacht. „Nicht zuletzt freuen wir uns, dass eine Frau im Stadtvorstand ist.“ Wofür es fraktionsübergreifend sehr viel Applaus gab – aber in der SPD rührte sich kaum eine Hand.