| 21:45 Uhr

Christian Job im Interview
„Mein Radio-Job ist ein Privileg“

Christian Job liest nächste Woche in Zweibrücken aus seinem neuen Buch.
Christian Job liest nächste Woche in Zweibrücken aus seinem neuen Buch. FOTO: Pasquale D‘Angiolillo
Der aus Zweibrücken stammende SR-Radiomoderator Christian Job hat sein zweites Buch, „Lyoner für Cliff Richard“, vorgelegt. Von Elisabeth Heil

Herr Job, in „Dresscode: Große Stars beim kleinen Sender“, Ihrem ersten Buch, standen bereits Prominente im Mittelpunkt. Was unterscheidet „Lyoner für Cliff Richard“ von „Dresscode“?

Christian Job Seit ‚Ohne Dresscode‘ sind sechs Jahre vergangen. In dieser Zeit hatte ich die Chance, weitere Promis zu treffen oder aber ihnen erneut zu begegnen. Das war insofern spannend, weil oftmals erst mit dem dritten oder vierten Interview eine Geschichte rund oder ein Bild komplett wurde.

Viele Menschen lieben Prominente, möchten ihnen möglichst nah kommen. Ihnen gelingt das immer wieder, fernab vom roten Teppich. Wie ist das? Wer ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben, hat Sie vielleicht überrascht?



Job Mein Radio-Job ist ja ein besonderes Privileg. Ich treffe die Promis ja erst einmal beruflich. Ich liefere denen die Hörer, denen sie ihre Geschichte erzählen wollen, oder neue Musik, die sie vorspielen möchten. Das ist ein Geben und Nehmen im Showgeschäft. Helden der eigenen Jugend zu treffen, ist natürlich eine ganz besondere Sache. Wolfgang Niedecken ist immer wieder zu nennen, den ich als BAP-Fan schon über 30 Jahre kenne. Er mich mittlerweile auch so gut, dass er mir, wenn es regnet, schon mal seine Tour-Jacke leiht, wenn ich nur ein T-Shirt dabei habe. Ich habe es im Kapitel ‚Der Hl. St. Martin von Köln‘ erzählt. Über Frank Zanders Sing-Saufgelage in ‚Ich trink auf dein Wohl Marie‘ hat sich in den 70ern meine ganze Familie schimmelig gelacht, bis die Bäuche wehtaten (besonders bei Franks Bäucherchen am Ende des Liedes). Dem 75-jährigen Zander das persönlich erzählen zu dürfen und zu sehen, wie seine Augen über diesen Fan-Bericht aus alten Tagen leuchten, ist unvergesslich und unbezahlbar.

Kommt es vor, dass ein Künstler ganz anderes reagiert, als erwartet, und hat Sie schon mal einer/eine aus dem Konzept gebracht?

Job Man muss sich einfach gut vorbereiten, wissen, worüber ein Künstler gerne und weniger gerne reden will. Der Interviewer soll für gute Stimmung sorgen und keine Frage stellen, die er nicht selbst bereit wäre zu beantworten. Das klappt meist. Manchmal aber erst beim zweiten oder dritten Treffen. Wie man auch einem Fremdem nicht gerne gleich sein ganzes Leben erzählt. Rainhard Fendrich z.B.: Bei unserer ersten Begegnung war in Österreich erst ein Schlagzeilenhagel zu seiner Drogenvergangenheit und dem Rosenkrieg seiner Scheidung über ihm niedergegangen. Er war sehr zugeknöpft. Mittlerweile haben wir uns schon fünf Mal getroffen und quatschen ganz entspannt, während im Radio die Musik läuft. Nicht über Kokain oder Seitensprünge. Da sind dann zwei musiknarrische Nerds beieinander, die Anekdoten austauschen.

Gibt es Freundschaften im Showgeschäft?

Job Schwierig, weil das Star-Interview eine Momentaufnahme ist und jeder Künstler meist innerhalb einer Promo-Tour zig Gespräche in einem kurzen Zeitraum führt. Da ist man vielleicht das 24. Interview von 62. Dann kann sich mancher weder den Anlass noch das Gesicht des Radio-Menschen merken. Dennoch sind über die Jahre viele gute Bekanntschaften entstanden. Ich meine, wenn wir mal einfach so eine Whatsapp austauschen oder E-Mail-Kontakt haben ohne konkreten Anlass: Pe Werner schicke ich ab und an einen Schüttelreim, lache mit Henni Nachtsheim von Badesalz über ein Youtube-Video oder maile ganz weit in den Osten zu Sebastian Krumbiegel von den Prinzen. Wolfgang Niedecken hat nur ein „Asbach-uralt-Handy“, aber das Iphone seiner Frau Tina kann ich erreichen. Derzeit telefoniere ich mindestens einmal die Woche mit Frank Laufenberg. Das Radio-Urgestein von SWF3 lebt in der Eifel, produziert dort mit Popstop.eu ein Internetradio und macht zusätzlich für meinen Sender einmal die Woche eine kleine Sendung. Mit einem der Radiovorbilder und Idole meiner frühesten Jugend jetzt regelmäßig über Musik fachsimpeln zu können, ist ein Geschenk und für mich eine Riesenehre.

Gibt es eine Lieblingspassage in Ihrem neuen Buch, und was erwartet Ihre Gäste bei der Lesung  m HFG?

Job Zum Warmwerden halte ich mich dann an den Text im Buch. Aber meist endet es mit dem Plaudern aus dem vielzitierten Nähkästchen, ein paar Hintergründe aus der Musikbranche, ein paar Beobachtungen ‚backstage‘ oder einfach Geschichten von Frager und Interviewten. Das Thema ‚Lieblingspassage‘ habe ich in Interviews auch selbst oft angeschnitten, welches Lied der CDs einem Sänger das Liebste ist. Da sagen die Stars immer, sie hätten alle Kinder gleich lieb. Ich glaube denen das mittlerweile und es ist wirklich stimmungsabhängig. Mal freue ich mich einfach über das Autogramm von Richard Sherman, dem Dschungelbuchkomponisten. Ich stelle mir dann vor, wie er in L.A. meinen Fanbrief gelesen hat. Dann wieder stehe ich in Gedanken mit meinem damals fünfjährigen Sohn bei Peter Maffay in der Garderobe und erinnere mich, wie Peter mit meinem Kleinen sehr ernsthaft und ohne Zeitdruck die Frage erörtert, wo Tabalugas Mama denn ist?

Haben sich die Zeiten beim Radio verändert, und was würden Sie jungen Menschen, die zum Radio wollen, mit auf den Weg geben wollen?

Job Soviel verändert hat sich eigentlich nicht. Früher spielte ich noch ab und zu Vinylplatten, meistens schon CDs. Heute sind es digitale Files im Sendeautomationssystem ‚Radio-Max‘, alles kommt vom Rechner. Aber das Radio ist immer noch dasselbe: Ein Studio mit Mikrofon und mindestens auf zwei Reglern liegt Musik. So hat schon Chris Howland in den 50ern gesendet und der fand es bis zu seinem Tod vor fünf Jahren immer wieder ‚magisch‘, im Radio zu sein. So sehe ich das auch. Das Radio wird bleiben, man weiß nur nicht, auf welchem Weg man es bald hören wird. Das gute alte UKW-Rauschen wird wohl verschwinden. Auch werden Ansagen der Uhrzeit irgendwann hinfällig sein, weil man Sendungen überall und wann man möchte runterladen und einschalten kann. Trotzdem werden immer Wahnsinnige, Radio-Verrückte gesucht, die genau das und nichts anderes machen wollen.

Wo und wann kann man Sie im Radio hören?

Job Einmal im Monat bin ich zwischen neun und zwölf Uhr der Moderator der Bunten Funkminuten bei SR 3 Saarlandwelle, ein Magazin, das wie der Name vermuten lässt alles beinhalten kann: Aktuelle Informationen, Rezepte, Gewinnspiele und Verbraucherthemen. Zwei weitere Wochen lang heißt meine Sendung von 13 bis 16 Uhr Kiosk. Das ist die fluffige Nachmittagshow zwischen Mittagspause und Feierabend mit viel Musik, ein paar flotten Sprüchen, Kino- und CD-Tipps und unserer Radio-Comedy.

Die Fragen stellte
Elisabeth Heil