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Oberbürgermeister-Wahlkampf
Mit Hartnäckigkeit gemeinsam zum Ziel

Christian Gauf hat als Wunschort für das Merkur-Gespräch sein Bürgermeister-Amtszimmer in der Mittagspause gewählt – für Wahlkampf bleibe wenig Zeit, da er derzeit die Arbeit von drei Dezernenten erledigen muss.
Christian Gauf hat als Wunschort für das Merkur-Gespräch sein Bürgermeister-Amtszimmer in der Mittagspause gewählt – für Wahlkampf bleibe wenig Zeit, da er derzeit die Arbeit von drei Dezernenten erledigen muss. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Christian Gauf (CDU) würde als OB ein neues Baugebiet für Häuslebauer ausweisen und ein großes Gewerbegebiet, um für Ansiedlungs-Anfragen gerüstet zu sein. Von Lutz Fröhlich

Ehrlich und berechenbar – diese Adjektive nennt Christian Gauf auf die Frage nach den wichtigsten Werten, die seine politische Arbeit prägen. Dazu gehöre für ihn auch, im Wahlkampf „nicht Sachen herauszuposauenen, wenn absehbar ist, dass ich mit der ersten Vision an der ADD (Kommunalaufsichtsbehörde) gleich an der Tür oder am Telefon scheitere“. Es werde ihm zwar „teils vorgeworfen, ich bräuchte mehr Visionen“, sagt der Oberbürgermeister-Kandidat der Zweibrücker CDU im Merkur-Gespräch. Zur Ehrlichkeit gehöre für ihn aber auch, keine unerfüllbaren Hoffnungen zu wecken, nur um ein paar Stimmen mehr zu gewinnen.

Ehrgeizige Ziele seien ihm aber wichtig. Um die zu realisieren, seien nicht bloße Visionen entscheidend, sondern Hartnäckigkeit, „dass man immer wieder das Gespräch sucht“. Auf Gaufs Plakaten steht als Motto „gemeinsam. stark. gestalten.“ Was verbindet der 53-Jährige mit diesen Worten? „Gemeinsam“ sei bewusst als Erstes genannt und stehe für sein Ziel, durch konstruktive Gespräche „möglichst viele Leute auf gemeinsame Linien zu bringen“, ob innerhalb der Partei, der Verwaltung oder dem Stadtrat. „Stark, weil es manchmal auch gilt, meinen Willen zum Ausdruck zu bringen“. Und bei „gestalten“ gehe es darum, „es umzusetzen, wenn Dinge spruchreif sind“.

Auf welche Erfolge als Politiker ist Gauf stolz? Auch von anderen Fraktionen zum Bürgermeister gewählt worden zu sein, antwortet Gauf. Und er sei „froh, dass es mir durch ein gewisses Verhandlungsgeschick gelingt, Mehrheiten auch bei strittigen Fragen hinzukriegen wie bei der Grundsteuer-Anpassuung, mit der wir eine noch deutlichere Erhöhung abwenden konnten“. Ein gemeinsamer Erfolg mit dem Stadtrat sei auch der sich abzeichnende Erwerb des Bahnhofs durch die Stadt-Tochter Gewobau. Hier war Gauf zunächst skeptisch (wir berichteten), Schienenfreunde hätten „am Wahlkampf-Stand wirklich auf mich geschimpft“. Man habe „aber auch den Renovierungsstau prüfen müssen“.



Seit 1994 im Stadtrat und seit 2017 als Bürgermeister hat Gauf vier Zweibrücker Oberbürgermeister erlebt. Wer ist am ehesten ein Vorbild für ihn? Kurt Pirmann (SPD) und Jürgen Lambert (CDU), antwortet Gauf, vor allem weil sie aufgrund ihrer Amtsführung „ein gutes Standing in der Verwaltung hatten – dann ist das Klima besser, dann ist auch mehr umsetzbar“.

Und was würde Gauf als OB anders machen als sein Vorgänger Pirmann? Gauf anwortet: „Die Wirtschaftsförderung ist sicher etwas, wo wir personell aufstocken müssen, um das besser hinzukriegen.“ Zurzeit seien aber auch die Rahmenbedingungen schwierig: „Wir haben kein großes Gewerbegebiet, zumal durch die Flughafen-Insolvenz auch noch Flächen weg sind.“ Er strebe an, eine Fläche für ein größeres Gewerbegebiet zu finden und auszuweisen, „damit wir etwas vorhalten können, wenn Interessenten anfragen – sonst gehen die woanders hin“. Auch ein neues Baugebiet wolle er entwickeln. Pirmann habe zwar ein Baulücken-Kataster initiiert, „aber da ist viel in Privatbesitz und nicht zugänglich“, sagt Gauf. „Ich kenne eine junge Familie, die hat deshalb in Contwig gebaut.“ Dass die Stadt genug Bauplätze anbieten kann, sei „auch wichtig für die demographische Entwicklung, zumal wir für junge Familien sonst tolle Bedingungen haben wie gute Kitas, Schulen, Arbeitsplätze und Freizeitangebote“.

Und Pirmann habe zwar gute Kontakte nach Pirmasens und in die Südwestpfalz gehabt – Gauf will aber „noch viel intensiver kooperieren“. Und zwar unabhängig davon, ob die Landesregierung eine Fusion vorschreibe. Denn Kooperation, „etwa beim gemeinsamen Einkauf“, spare Geld, ohne dass dadurch Bürgernähe verloren gehe. „Der Service muss natürlich gewahrt bleiben – es ginge nicht, dass Zweibrücker ihr Auto in Pirmasens zulassen müssen.“

Bevor Gauf als Oberbürgermeister die die Geschicke der Stadt bestimmen kann, muss er aber erst einmal die Wahl gewinnen – und zurzeit Wahlkampf machen. Letzteres ist für Gauf „nicht die schönste Zeit“. Nicht nur, weil ihm Harmonie auch in der Politik wichtig ist. Sondern vor allem, weil er nicht so Wahlkampf machen kann, wie er eigentlich möchte: Als seit September 2017 amtierender Bürgermeister musste Gauf bis auf wenige Wochen auch die meisten Aufgaben des erkrankten und im Juni verstorbenen OB Kurt Pirmann mitführen. „Im Mai habe ich mal eine Woche überschlagsweise meine Arbeitszeit ausgerechnet, das waren 60 bis 65 Stunden.“ Jetzt fällt auch noch das dritte Stadtvorstandsmitglied Henno Pirmann (SPD) drei Wochen krank aus (wir berichteten). „Für Wahlkampf bleibt mir da nur das Wochenende“, berichtet Gauf. „Ich versuche trotzdem, Haustür-Wahlkampf zu machen, weil mir wichtig ist, die Leute direkt anzusprechen – aber ich muss von allem etwas weniger machen. Ich weiß auch nicht, ob ich es schaffe, in alle Vororte zu gehen, obwohl mir das sehr wichtig wäre.“

„Froh und dankbar“ sei er, wie toll ihm die Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Einarbeitung ins Bürgermeister-Amt erleichtert hätten, „über alle Abteilungen hinweg“.

Wie entspannt sich Gauf angesichts der Mehrfachbelastung im Rathaus und im Wahlkampf? Gauf lacht und antwortet spontan: „Ich sitze abends vor dem Fernseher, habe den Laptop auf dem Schoß um noch E-Mails zu bearbeiten und schlafe ein.“

Hat Gauf Sorgen, dass der unkonventionelle (Kritiker sagen populistische) Einzelbewerber Atilla Eren die Wahl gewinnen könnte, weil Eren in einer „Umfrage“ in der zweitgrößten Zweibrücker Facebook-Gruppe mit einer satten Zweidrittel-Mehrheit vorne liegt? „Das ist auf alle Fälle nicht repräsentativ“, ist Gauf überzeugt, „das erkennt man an jedem zweiten oder dritten Facebook-Post“. Wobei er jede Diskussion über Politik besser finde, als sich gar nicht für Politik zu interessieren. „Ganz wichtig“ sei aber, wählen zu gehen, appelliert Gauf – zumal eine hohe Wahlbeteiligung meist seriösen Politikern nutze.