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Kritische Lage beim Integrationsbetrieb
Cap-Markt droht die Schließung

 Verheerende Umsatzeinbußen bedrohen die Existenz des Cap-Markts in der Hallplatz-Galerie.
Verheerende Umsatzeinbußen bedrohen die Existenz des Cap-Markts in der Hallplatz-Galerie. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Seit der Eröffnung des Netto-Marktes am Busbahnhof sind die Umsätze drastisch eingebrochen. Werden keine Lösungen gefunden, müsste der Integrationsbetrieb in der Hallplatz-Galerie mit 16 Mitarbeitern zum Jahresende wohl dichtmachen. Von Martin Wittenmeier

Ein düsteres Szenario zeichnet sich ab: Fehlende Kunden, steigende Kosten – die Zukunft des Cap-Marktes in der Hallplatz-Galerie ist aktuell ungewisser denn je. Seit der neue Nettomarkt am Omnibusbahnhof (ZOB) Mitte Dezember seine Pforten geöffnet hat, sind Umsatz und Kundenfrequenz im Cap-Markt deutlich zurückgegangen. Die befürchtete Umsatzverlagerung und der Konkurrenzkampf um die Kunden in der Innenstadt seien so eingetroffen wie erwartet, erklärt Marco Dobrani, der Vorstand der Heinrich-Kimmle-Stiftung, die den Markt – zusammen mit Capito und Capino – seit rund zehn Jahren betreibt.

„Wir hatten mit einem Umsatzrückgang von zehn bis 20 Prozent gerechnet. Nach aktuellem Stand sind es rund 18 Prozent, das heißt fast jeder fünfte Kunde ist ausgeblieben. Für uns ist somit zunächst das Worst-Case-Szenario eingetroffen“, sagt Dobrani. Ein dauerhafter Umsatzrückgang in dieser Höhe sei für den Cap-Markt nicht verkraftbar und existenzbedrohend. „Mit dem Cap-Markt verfolgen wir in erster Linie einen gemeinnützigen Auftrag. Große Gewinne erwirtschaften wir hier natürlich nicht, aber zumindest ist es uns zehn Jahre lang gelungen, immer eine schwarze Null zu schreiben“, betont Dobrani.

„Dass die Kunden wegbleiben, trifft uns hart, ist aber auch nicht überraschend. Dass das so kommt, hatten wir ja im Vorfeld immer wieder betont. Wenn Kunden, die in der Nähe zum Nettomarkt wohnen oder dort in der Nähe arbeiten, laufen sie den Weg durch die Fußgängerzone nicht mehr zu uns, um ihre Einkäufe zu tätigen. Der Kunde sucht sich für seine Einkäufe eben die für ihn beste und zeitsparendste Lösung. Die Aufteilung der vorhandenen Kunden in der Innenstadt auf die beiden Märkte ist somit die logische Konsequenz.“



„Wir haben bereits umgehend reagiert und das Personal ohne Handicap um anderthalb Stellen reduziert.“ Einer Mitarbeiterin habe man bereits betriebsbedingt kündigen müssen, eine weitere Mitarbeiterin in Teilzeit wurde in einen anderen Betrieb der Pirminius-Werk gGmbH, eine hundertprozentige Tochter der Heinrich-Kimmle-Stiftung, versetzt, erklärt Dobrani. „Wir haben natürlich mit allen Mitarbeitern über die Situation und die Gefahren gesprochen, wenn sich die Lage nicht deutlich verbessert.“ Gleichzeitig habe man aber auch versucht, den Mitarbeitern Lösungswege aus der Misere aufzuzeigen.

Die Personalkostenreduzierungen alleine reichten allerdings nicht aus, um den Cap-Markt zu retten. Steigende Kundenzahlen und mehr Umsatz werden dringend benötigt.

„Wir hoffen einerseits, dass alte Kunden wieder zurückkehren und sich der Umsatzverlust somit wieder etwas reduziert. Anderseits muss es uns gelingen, den Anteil im Lieferservice durch Neukunden weiter zu erhöhen. Da sehen wir die größten Chancen. Bereits jetzt macht der Lieferservice 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus“. Der Cap-Markt beliefert über 100 Privathaushalte, Geschäfte, Unternehmen, Kindergärten, Gaststätten und Vereine mit Lebensmitteln und Getränken. „Dieses Umsatzfeld wollen wir weiter ausbauen, da gibt noch deutliches Potenzial“, sagt Dobrani.

Bis Ende Juni dieses Jahres soll die Entwicklung sorgfältig beobachtet und vor allem Neukunden im Liefergeschäft gewonnen werden. „Wir kämpfen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln um zu verhindern, dass wir den Markt zum Ende des Jahres schließen müssen.“ Aber man die Umsatzverluste nicht in den Griff kriege, „haben wir keine Überlebenschance“, sind Dobrani die Hände gebunden.

Sollte der Cap-Markt zum 31. Dezember tatsächlich schließen, wären 16 Arbeitsstellen gefährdet. Sieben der 16 Mitarbeiter sind Menschen mit Beeinträchtigungen, die seit über zehn Jahren im Cap-Markt beschäftigt sind. Das Integrationsunternehmen hat ihnen eine neue berufliche Perspektive und Heimat gegeben, in der sie ihr Potential abrufen und sich weiterentwickeln konnten. „Wenn der Markt schließen müsste, würde es insbesondere für die Mitarbeiter mit Handicap sehr schwierig werden, einen neuen und gleichwertigen Arbeitsplatz zu finden. Darum gilt es, dieses Szenario mit allen Mitteln zu verhindern.“

Unmittelbar betroffen wäre auch das Bistro Capino, da die Küche der ehemaligen Metzgerei im Cap-Markt zur Herstellung der Speisen genutzt wird und sich das Bistro auf der gleichen Mietfläche befindet. Dort sind momentan fünf Mitarbeiter beschäftigt. „Dann bräuchten wir auch für unser Bistro zwingend eine neue Lösung“, betont Dobrani. Mit den Umsätzen im Capino sei man zufrieden. „Gerade in der Mittagszeit ist dort immer sehr viel Kundschaft.“