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Bundespräsident Steinmeier in Zweibrücken
Studenten vermissen Angebote in der Stadt

Kurz vor der Abfahrt aus Zweibrücken führte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor der Hochschule außerprotokollmäßig etwas Smalltalk mit dort auf ihn wartenden Studenten.
Kurz vor der Abfahrt aus Zweibrücken führte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor der Hochschule außerprotokollmäßig etwas Smalltalk mit dort auf ihn wartenden Studenten. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken. Der Auftritt von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist auch bei vielen Studierenden gut angekommen, einige durften dem Staatsoberhaupt sogar die Hand schütteln. Viel mehr Kontaktmöglichkeiten gab es selbst für den Bürgermeister nicht. Von Lutz Fröhlich

Im Protokoll des Besuchs von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Montag an der Hochschule Kaiserslautern in Zweibrücken waren zwar keine Begegnungen mit Studenten vorgesehen. Viele von ihnen bekamen aber trotzdem einen längeren Live-Eindruck vom Besuch des ersten Mannes im Staate: Fast 400 Studierende und Hochschulmitarbeiter saßen im fast voll besetzten Audimax, um die Diskussionsrunde mit Steinmeier in der Campus-Kapelle via Livestream zu verfolgen.

Steinmeier habe sympathisch und offen gewirkt, war hinterher die einhellige Meinung mehrerer vom Merkur Befragter, darunter die Asta-Kovorsitzende Salome Schlemer. Sie ist zwar selbst aus Bayern nach Zweibrücken zum Studieren gekommen, aber vor allem, weil sie als Stabhochspringerin hier das Leichtathletikzentrum hat. Ansonsten sei es leider schwierig, auswärtige Studenten von Zweibrücken zu begeistern. Das liege vor allem an der Stadt: Es gebe kaum Angebote für Studenten, zumal die einzige Disko geschlossen habe.

Die Busverbindungen seien sehr schlecht, abends komme man nirgendwo hin, und wenn man mal zu einer Vorlesung an den Hochschul-Standort Pirmasens müsse, stelle der Asta schon mal seinen Kleinbus zur Verfügung, weil viele Studenten sich kein Auto leisten könnten und es mit öffentlichen Verkehrsmitteln keine akzeptablen Verbindungen gebe. Es gebe auch etliche Studenten, die sich an der Hochschule Kaiserslautern anmeldeten „und dann sehr verdutzt sind, wenn sie bemerken, dass ihr Studiengang am Standort Zweibrücken ist“. Vielen sei die Stadt zu klein.



Wie Schlemer freute sich auch der Student Lukas Naumann, von Bundespräsident Steinmeier per Handschlag begrüßt zu werden, als etwa 300 Studierende auf dem großen Hochschulplatz Steinmeier nach Ende der Diskussionsrunde erwarteten. „Er hat uns gefragt, ob wir alle Studenten sind, und gewitzelt, dass wir wohl jetzt Vorlesungen ausfallen lassen“, erzählt Naumann. Hochschul-Mitarbeiter Stanislaus Erhardt fand es „gut, dass der Bundespräsident sich des ländlichen Raums angenommen hat“.

Bürgermeister Christian Gauf (CDU), der aufgrund des Protokolls selbst nur kurze Gelegenheit zum Smalltalk mit Steinmeier hatte, sagte auf Merkur-Anfrage zu seinem Eindruck vom Zweibrücken-Besuch des Bundespräsidenten, er hoffe, dass dieser, auch durch die öffentliche Aufmerksamkeit (38 Medienvertreter waren allein an der Station Zweibrücken), positive Aufmerksamkeit für Zweibrücken bringe. Steinmeier sei sehr bürgernah gewesen, obwohl das Protokoll – anders als beim letzten Bundespräsidenten-Besuch vor elf Jahren – praktisch keine direkten Kontaktgelegenheiten vorsah. „Ein Bad in der Menge in der Fußgängerzone wie damals ist aber heute wohl auch aus Sicherheitsgründen kaum mehr möglich“, vermutet Bürgermeister Gauf.

Im Goldenen Buch der Stadt hat sich Steinmeier mit einer großen Unterschrift verewigt, ohne weiteren Kommentar.

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde an der Hochschule (Triwo-Vorstandschef Peter Adrian, Comlet-Aufsichtsratschef Professor Manuel Duque-Antón, Hochschul-Präsident Professor Hans-Joachim Schmidt und die städtische Wirtschaftsförderin Anne Kraft) habe die rheinland-pfälzische Staatskanzlei dem Bundespräsidialamt vorgeschlagen, berichtete Gauf, die Stadt sei in die Auswahl nicht eingebunden gewesen. „Kraft hat das sehr gut gemacht“, freute sich Gauf.

Steinmeier ist der fünfte Bundespräsident, der Zweibrücken einen Besuch abgestattet hat. Vor ihm kamen Theodor Heuss (1954), Heinrich Lübke (1970), Richard von Weizsäcker (1984) und Horst Köhler (2007).

Die Fachhochschule übrigens hatte schon 2007 auf einen Besuch des damaligen Bundespräsidenten gewartet und sogar schon eine Gesprächsrunde mit Studenten vorbereitet, nachdem die rheinland-pfälzische Staatskanzlei Köhler einen FH-Besuch unter dem Motto „Zukunftstechnologie“ vorgeschlagen hatte. Das Bundespräsidialamt war diesem Vorschlag 2007 aber nicht gefolgt, weil es den Besuch stattdessen unter das Motto „Generationengerechtigkeit“ gestellt hatte. Köhler besuchte dann den Seniorenbeirat, den Kindergarten Bubenhausen und die Zweibrücker Tafel.