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Zweibrücker Einzelhandelskonzept
Bröckelt der Schutz der Innenstadt?

 Schlecht sei der Einzelhandel auch in der Zweibrücker Innenstadt gar nicht aufgestellt, sagte gestern Stefan Kruse vom Büro Junker + Kruse, das mit der Fortschreibung des Zweibrücker Einzelhandelskonzeptes betraut ist.
Schlecht sei der Einzelhandel auch in der Zweibrücker Innenstadt gar nicht aufgestellt, sagte gestern Stefan Kruse vom Büro Junker + Kruse, das mit der Fortschreibung des Zweibrücker Einzelhandelskonzeptes betraut ist. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken . Einzelhandel in Zweibrücken laut Junker + Kruse in „relativ guter Situation.“ Vorschlag des Büros: Innenstadtbereich verkleinern. Von Mirko Reuther

Den Vorsitz des Zweibrücker Bauausschusses übernahm gestern Abend ausnahmsweise Christian Gauf. „Sie müssen mit mir Vorlieb nehmen, Henno Pirmann ist erkrankt“, erklärte der Bürgermeister. Das blieb zunächst die einzige große Überraschung der Sitzung. Denn der erste Teil des Vortrags zu aktuellen Entwicklungen um die laufende Fortschreibung des Zweibrücker Einzelhandelskonzeptes lieferte keine bahnbrechenden Neuigkeiten. „Einiges kennen Sie bereits, das ist weniger eine Verschärfung als eine Anpassung“, meinte Stefan Kruse vom mit der Fortschreibung beauftragten Büro „Junker + Kruse“, das bereits das derzeitige Konzept erstellt hatte.

Generell zeichnete Kruse ein durchaus positives Bild vom Ist-Zustand in der Rosenstadt. Die durchschnittliche Verkaufsfläche pro Person sei in Zweibrücken – auch wegen des Fashion Outlets – größer als in Städten, die mit der Rosenstadt vergleichbar seien. Das spräche von einer wünschenswerten „intensiven Wettbewerbssituation“. Auch was die „Zentralität“, also die Erreichbarkeit von Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs im fußläufigen Umkreis von 700 Metern angehe, sei die Stadt – abgesehen von einigen Lücken an den Randbereichen und im östlichen Kernbereich – solide aufgestellt. Die Fruchtmarkstraße hob Kruse in seinen Ausführungen besonders hervor. Hier fände man ein spezialisiertes Fachangebot, das ihn positiv überrascht habe.

Auch im Hinblick auf die Versorgungsvielfalt gebe es in Zweibrücken in vielen Bereichen wenig Grund zur Klage. So zum Beispiel bei Bekleidung, Nahrungs- und Genussmitteln. Weniger gut sehe es dafür im Bereich der Hobbyartikel, Spielwaren und elektronischen Geräte aus. Produkte, die vorwiegend über den Online-Handel bezogen würden.



Und dennoch: Gemessen an der Kaufkraft der Zweibrücker sprach Kruse von einer „relativ guten Ausgangssituation“. Auch die Zweibrücker Liste, die regelt, welche Waren zum Schutz der Innenstadt nicht auf der Grünen Wiese angeboten werden dürfen, müsse voraussichtlich nur marginal geändert werden.

Spannend wurde es im Hinblick auf die Abgrenzung der Innenstadt. Hier brachte Kruse eine „engere Fassung“ ins Spiel. Denn das Gros der Einzelhändler im Zentrum siedele sich zwischen Hallplatz, Zentralem Omnibusbahnhof und der Fruchtmarkstraße an. Würde der Stadtrat Kruses Einschätzung folgen, würde die geschützte Fläche schrumpfen.

Der Schutz der Innenstadt scheint ohnehin nicht mehr in Stein gemeißelt. Ratsmitglied Dirk Schneider (SPD) verwies aufgrund der französischen Kunden und Mitarbeiter auf eine „Sondersituation“ des Outlets und von Möbel Martin. Dem Möbelhaus auf der Grünen Wiese soll von der Stadt Zweibrücken im Zuge seiner angedachten Vergrößerung durch ein Raumordnungsverfahren erlaubt werden, zehn Prozent der Verkaufsfläche für innenstadt-relevante Sortimente zu nutzen. Eigentlich ist gesetzlich vorgeschrieben, dass großflächiger Einzelhandel auf der Grünen Wiese nicht die Versorgungsfunktion der Innenstadt wesentlich beeinträchtigen darf. Schneider fragte nun, ob man dem Möbelhaus aufgrund dieser Sondersituation nicht „ein paar Prozent mehr anbieten“ könne. Kruse verwies darauf, dass zehn Prozent die Obergrenze dessen sei, was die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd erlaube.

Bernd Helbing (FDP) wollte indes wissen, wer überhaupt kontrolliere, dass die Randsortimente der Konkurrenten die Obergrenze einhalten. Das regele der Wettbewerb selbst, meinte Kruse. Kurt Dettweiler (FWG) hegte Zweifel: „Das ist nicht die Realität. Im Outlet werden jetzt schon mehr Kaffeemaschinen verkauft als in der ganzen Innenstadt.“ Auch kleine Elektrogeräte sind Bestandteil der Zweibrücker Liste.