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Sorge wegen geplantem Verkauf
Bürger kämpfen für Bahnhofs-Wartehalle

 Das denkmalgeschützte Gebäude des Zweibrücker Hauptbahnhofs. Was der private Investor (ein Wohnimmobilien-Spezialist) damit vorhat, ist noch unbekannt. Die Wartehalle muss seinen Plänen aber weichen, hat die Bundestagsabgeordnete Anita Schäfer erfahren.
Das denkmalgeschützte Gebäude des Zweibrücker Hauptbahnhofs. Was der private Investor (ein Wohnimmobilien-Spezialist) damit vorhat, ist noch unbekannt. Die Wartehalle muss seinen Plänen aber weichen, hat die Bundestagsabgeordnete Anita Schäfer erfahren. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. An diesem Samstag gibt es eine Unterschriften-Aktion in der Fußgängerzone. Bahnfreunde rufen Stadt auf, sich für Erhalt des Komplexes einzusetzen. Manuel Rumschinski hat dafür eigens eine Online-Petition gestartet. Von Mathias Schneck

Das ZweibrückerBahnhofsgebäude muss in seiner jetzigen Funktion erhalten bleiben – das ist die Auffassung besorgter Bürger, die für ihr Anliegen nun auf die Straße gehen. An diesem Samstag wollen der „Verein zur Förderung des Schienenverkehrs in und um Zweibrücken“ (im Folgenden „Schienenförderer“) sowie der Bürger Manuel Rumschinski gemeinsam in der Fußgängerzone für ihr Anliegen trommeln. Von acht bis zwölf Uhr informieren die Aktivisten vor dem Fotogeschäft Facco alle interessierten Passanten über ihr Anliegen und ihre massiven Bedenken. Wer diese Bedenken teilt, kann sich in Unterschriftenlisten eintragen; diese sollen der Stadtverwaltung dann zeitnah übergeben werden.

Bernhard Marschall, Vorstandsvorsitzender der Schienenförderer, sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, noch sei es nicht zu spät, für den Erhalt des Bahnhofes in seiner jetzigen Form zu kämpfen. Denn der Verkauf sei noch nicht vollzogen.

Wobei der Pfälzische Merkur in der Freitagausgabe berichtete, dass der Verkauf kurz bevorsteht: Die Immobilia GmbH aus Zweibrücken möchte nach zuverlässigen Merkur-Informationen das Gebäude erwerben. Noch diesen Monat soll der Vertrag mit dem Immobiliendienstleister der Deutschen Bahn abgeschlossen werden.



Marschall hofft, dass das Blatt noch gewendet werden kann. Er ruft die Stadtverwaltung dazu auf, sich doch noch um einen Kauf zu bemühen. „Ansonsten wäre die bisherige Stadtpolitik, auch im Hinblick auf den bevorstehenden Anschluss Zweibrückens an das S-Bahn-Netz des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar, unglaubwürdig“, warnt Marschall. Seit etlichen Jahren schon kämpfen die Schienenförderer um die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Homburg, inzwischen ist die Politik dahin übereingekommen, die Strecke tatsächlich wieder in Betrieb zu setzen – auch wenn der Prozess der Reaktivierung sehr schleppend verläuft (wir berichteten mehrfach).

Ein Verkauf des Bahnhofsgebäudes an einen privaten Investor würde die Reaktivierungspläne konterkarieren, warnt Marschall. Die Schienenförderer erinnern an Informationen der Wahlkreis-Bundestagsabgeordneten Anita Schäfer (CDU), dass der private Investor die Wartehalle im Bahnhof schließen würde. Anders als Schäfer findet Marschall, dies würde Reisenden einiges an Umständen bereiten: Sie müssten dann um das Gebäude herumlaufen – und bei Wind und Wetter auf die Züge warten, statt in der Wartehalle im Trockenen. Ein Unding, findet Marschall. Die Stadt dürfe es nicht so weit kommen lassen. „Die Rettung des Hauptbahnhofes ist für die Stadt beziehungsweise ihre kompetenten und potenten Töchter ohne Weiteres zu stemmen“, ist sich Marschall gewiss. Bei anderen „weniger wichtigen Objekten wie zum Beispiel der ehemaligen Hauptpost, der Villa Rothenberg oder dem ehemaligen City-Outlet“, habe die Stadt das schließlich bewiesen. Marschall: „Ein Kaufpreis von zirka 400 000 Euro (Anm.: das Mindestgebot für das Gebäude liegt bei 409 000 Euro) ist angesichts der Bedeutung und der Entwicklungschancen des Hauses wohl angemessen und finanzierbar“, begründet der Vereinsvorsitzende seinen Aufruf an das Rathaus.

„Zumal nach einem Erwerb zunächst allenfalls kleinere Erhaltungsaufwendungen anfallen werden und dann in Ruhe wichtige weitere Entwicklungsschritte angegangen werden können, da ja das Gebäude zunächst den Anforderungen des Bahnbetriebs genügt“, so der Bahnfreund weiter. Er sorgt sich, dass der Stadtverwaltung „der Blick für mittel- bis langfristige Entwicklungschancen vor allem auf dem Gebiet der Infrastruktur“ fehle.

Diese Sorge treibt auch Manuel Rumschinski um. Der Gersheimer hat eine Online-Petition gestartet, die sich für den Erhalt des Bahnhofsgebäudes einsetzt. Unter www.openpetition.de/petition/online/erhalt-unseres-zweibruecker-bahnhofsgebaeudes ruft Rumschinski die Stadt dazu auf, sich zu engagieren. Bislang haben auf der Internetseite rund 115 Bürger die Petition unterstützt. Rumschinski wird an diesem Samstag gemeinsam mit den Bahnfreunden auch Unterschriften sammeln.

Rumschinski erklärt, eine Schließung der Warte- und Empfangshalle im Bahnhofsgebäude werde für eine Vielzahl negativer Begleiterscheinungen sorgen: Nicht nur die Reisenden würden im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen gelassen, er sieht auch eine drohende Vergammelung des Areals, wenn die Bereitstellung einer Wartehalle und ein damit verbundenes vernünftiges An- und Abreisen entfalle, die Stadt Zweibrücken werde insgesamt einen „erheblichen Attraktivitätsverlust“ erleiden, befürchtet Rumschinski. Die gesamte Region sei ohnehin bereits infrastrukturell geschwächt, eine Abstufung der Qualität des Bahnverkehrs in Zweibrücken verstärke diesen Prozess noch, mahnt Rumschinski.

Er ruft deshalb die Bürger auf, sich an diesem Samstag von acht bis zwölf Uhr an den Stand vor dem Fotostudio Facco zu begeben und mit einer Unterschrift das Anliegen zu unterstützen.

www.openpetition.de/petition/online/erhalt-unseres-zweibruecker-bahnhofsgebaeudes