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Jahrestag der Bombardierung
Schüler wollen Zeichen für Toleranz setzen

 So sah Zweibrücken nach der Zerstörung infolge der Bombenangriff vom 14. März 1945 aus.
So sah Zweibrücken nach der Zerstörung infolge der Bombenangriff vom 14. März 1945 aus. FOTO: Stadtarchiv
Zweibrücken. Buntes Bündnis plant außerdem Sternmarsch zum Jahrestag der Zerstörung Zweibrückens. Von Norbert Rech

Der 14. März 1945 war für die Zweibrücker ein schrecklicher Tag. Damals wurde die Stadt durch einen Fliegerangriff kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in Schutt und Asche gelegt. Viele Menschen starben im Bombenhagel. Deshalb wird bis heute an die Ereignisse mahnend erinnert. Seit einigen Jahren wird der Jahrestag aber von Rechtsradikalen für ihre Zwecke missbraucht. Sie ziehen auch heute wieder mit Fackeln zum Schlossplatz, wo ab 18 Uhr entsprechende Reden geschwungen werden sollen.

Dass man nicht denjenigen des Feld überlässt, deren geistige Väter im Grunde die Saat für den Angriff der Amerikaner gelegt hatten, dafür will ab 10 Uhr die Stadtschülervertretung (SSV) sorgen. Vor dem Rathaus ist eine Kundgebung für mehr Respekt und Toleranz geplant, an der Jugendliche der Herzog-Wolfgang-Realschule plus, des Helmholtz-Gymnasiums und des Hofenfelsgymnasiums teilnehmen. „Es ist mit den Schulen abgesprochen, dass es sich hierbei um eine Schulveranstaltung handelt und so keine Fehlstunden oder ähnliche Nachteile für die Schüler entstehen. Dabei möchten wir betonen, dass es sich bewusst um keine Demonstration, sondern um eine Kundgebung handelt“, erklärt Vorstandsmitglied Marie-Claire Meyer. Vorgesehen seien Reden von Robin Crauser und Chiara Voigt von der SSV und des Zweibrücker Oberbürgermeisters Marold Wosnitza. Außerdem stehen Musikbeiträge der Herzog-Wolfgang Realschule plus und des Hofenfels Gymnasiums auf dem Programm. Das Helmholtz-Gymnasium liefert zudem einen Geschichtsvortrag.

Neben der Kundgebung der Schüler wird es am späten Nachmittag einen Sternmarsch zum Alexanderplatz geben, zu dem das Bündnis buntes Zweibrücken aufruft. „Es handelt sich hier um eine überparteiliche Veranstaltung“, betont Stadtrat Walter Rimbrecht (SPD). Treffpunkte sind um 17 Uhr am Hauptbahnhof (Verantwortlich: Ingrid Satory), sowie um 17.15 Uhr auf dem Herzogplatz (Verantwortlich: Rebecca Wendel) oder zur gleichen Zeit vor dem Helmholtz-Gymnasium (Verantwortlich: Matthias Eifler), in der oberen Maxstraße (Verantwortlich: Lukas Hoffmann) und in der Kaiserstraße gegenüber dem Nardini-Klinikum (Verantwortlich: Thorsten Spelten).



Während der Kundgebung, die um 18 Uhr stattfindet, sprechen Schülervertreter, Jugendvertreter der IG Metall und der Oberbürgermeister. Um 19 Uhr beginnt dann in der Alexanderskirche ein Gottesdienst zum Gedenken an alle Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Um 20 Uhr läuten zur Erinnerung an die Zerstörung die Glocken der Kirche. „Wir wollen ein starkes Zeichen für die Demokratie, für Courage und Menschlichkeit setzen“, so Bündnissprecherin Ingrid Satory.

Rimbrecht hält es für problematisch, wenn die Veranstaltung des „Nationalsozialistischen Widerstandes“ in unmittelbarer Nähe abgehalten wird. Der Zug vom Helmholtz-Gymnasium aus müsse direkt daran vorbei gehen. Außerdem zeige die Erfahrung der vergangenen Jahre, dass Teilnehmer die Veranstaltung des Bündnisses verlassen könnten, um gegen die „sehr provozierende Aktion der Neonazis“ zu protestieren. „Ich werde unsere Teilnehmer darüber informieren, dass sie bei einem Verlassen des Alexanderplatzes den Schutz unserer Veranstaltung verlieren, aber kann sie nicht am Verlassen hindern“, stellt Rimbrecht klar. Deshalb hielte er es für besser, wenn die Fackelveranstaltung in wesentlich größerer Entfernung zum Sternmarsch stattfinden würde. Außerdem gingen aus seiner Sicht von den verwendeten Fackeln besondere Gefahren für die Teilnehmer aus, die sich durch einen anderen Ort oder eine Untersagung der Fackeln leicht vermeiden lassen würden.

Stadt-Pressesprecher Heinz Braun entgegnet, dass vom Ordnungsamt keine Gefahren durch die Fackeln gesehen würden, zumal diese auch im vergangenen Jahren verwendet worden seien. Dem „Nationalen Widerstand“ müsse ein Platz in der Innenstadt zugestanden werden, so die gesetzlichen Vorgaben. Der Sternmarsch sei auch bereits beendet, wenn das Treffen der Neonazis beginne. Polizei und Ordnungsamt würden mit ihrem Personal für ausreichend Sicherheit in der Stadt sorgen. Klar sei, dass jeder, der sich vom Alexanderplatz oder Schlossplatz entfernt, nicht mehr Teilnehmer der dortigen Veranstaltungen ist.

Die CDU stellt klar, dass sie nicht nur die rechtsradikale Demonstration aufs Schärfste verurteilt, sondern auch die fehlende Abgrenzung der Gegendemonstrationen der vergangenen Jahre zu linksradikalen Störern kritisiert. Daher werde sie weder zu der Kundgebung aufrufen noch sich am Sternmarsch beteiligen, sagte Fraktionschef Christoph Gensch auf Merkur-Anfrage. Es würden aber Mitglieder der CDU und der Jungen Union zur Kundgebung auf dem Alexandersplatz kommen. Er selbst sei durch eine Erkrankung verhindert oder könne nur kurz teilnehmen. Die Beteiligung an der Gegendemonstration werde unter dem Motto der Jungen Union Zweibrücken stehen „Jeder Extremist ist Mist.“ „Wir möchten mit diesem Motto ein Zeichen setzen für eine starke Demokratie, die Europäische Idee und gegen Extremismus jeglicher Art“, so Gensch.