| 21:43 Uhr

Seltenes Naturspektakel
Blutmond: Selbst die ISS schaute noch vorbei

Entspannte Campingatmosphäre: Rund um die Sternwarte machten es es sich die Menschen mit Klappstühlen und Picknickdecken bequem.
Entspannte Campingatmosphäre: Rund um die Sternwarte machten es es sich die Menschen mit Klappstühlen und Picknickdecken bequem. FOTO: Norbert Schwarz
Zweibrücken. Rund 300 Neugierige pilgerten am Freitag zur Sternwarte auf den Kreuzberg, um die Mondfinsternis am Nachthimmel zu sehen.

Was für ein Schauspiel. 103 Minuten lang verwandelte der Erdschatten den Mond in eine große rote Scheibe. Die längste totale Finsternis beim Mond im 21. Jahrhundert. Erst am 9. Juni 2123 wird sich diese Naturspektakel wiederholen. Für die jetzigen Erdenbürger nicht mehr zu erleben. Verständlich, dass sich viele Zeitgenossen das nächtliche Spektakel am Freitag nicht entgehen lassen wollten. Zweibrücken bildete keine Ausnahme – trotz Stadtfestgaudi. Rund 300 Neugierige und Hobby-Astronomen pilgerten zur Sternwarte auf den Kreuzberg.

Bei dieser stolzen Zahl rieb sich selbst Willi Mayer vom Naturwissenschaftlichen Verein Zweibrücken (Nawi) bei der Sternwarte auf dem Gelände des Hochschul-Campus die Augen. Um mit dem lichtstarken Teleskop der Sternwarte einen Blick auf Mond, Mars oder Jupiter werfen zu können, war aber erstmal Schlangestehen angesagt. Mayers Standardspruch wurde: „Bitte nicht am Teleskop festhalten, nur am Bügel der Leiter.“ Dennoch war bisweilen ein Nachjustieren notwendig. Das Himmelsbild wurde elektronisch durch einen Computer gesteuert. Und zwar durch die Drehung der gut einen Meter geöffneten Kuppel der Sternwarte, die seit 2003 den Blick zu den fernen Gestirnen möglich macht. Durch das Teleskop erscheinen die Himmelskörper zum Greifen nah.

Bereits um 19 Uhr hatte der Bierbacher Mayer die großen Flügeltüren der Sternwarte geöffnet und hielt Vorträge über das, was es später am nächtlichen Himmel zu erspähen galt. Obwohl sich der Himmel bereits lange vor dem erwarteten Spektakel allen sternenklar präsentierte, war der Mond zunächst nicht auszumachen. Der Blick der Besucher war Richtung Osten gerichtet. Über Niederauerbach-Contwig sollte sich das Spektakel in seiner vollen Pracht präsentieren. Der saarländische Himmelsbeobachter Mayer war zu diesem Zeitpunkt erster Ansprechpartner für die Besucher. Eine freundliche Dame, die einem auf der Leiter stehenden kleinen Jungen behilflich war, meinte: „Entschuldigung, der sieht nichts“. Sofort war Mayer in seinem astronomischen Element. Steuerte, regulierte und stellte dem Leiterknirps erklärende Fragen: „Siehst du eine Scheibe, eine Scheibe mit Streifen? Das ist der Jupiter und die vier Punkte, das sind Monde.“



So überrascht Mayer über den Besuch der vielen Beobachtenden war, zeigte er sich auch verwundert darüber, dass der Mond selbst sich überaus „blass“ präsentierte. Mayer: „Ich habe schon viele Mondfinsternisse miterlebt, doch so dunkel noch nie. Es fehlt die übliche Kupferröte“. An die Gesamtzahl der von ihm beobachteten Mondfinsternisse erinnerte sich der gefragte Mann in der Sternwarte nicht mehr. „Ich habe längst aufgehört zu zählen.“ Eine leichte Enttäuschung des Himmelsbeobachters wegen des blassen Mondes war spürbar und wurde auch im Interview  mit einer Rundfunkreporterin in den Mittelpunkt gestellt.

Für den blassen Mond entschädigte der Mars. Der war in voller rötlicher Leuchtkraft unterhalb des Mondes in Tennisballgröße auszumachen. Viele Köpfe reckten sich aber auch in Richtung Westen, als die ISS mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst ihre Laufbahn über den Kreuzberg zog.

Das interessierte auch den Winzeler Steffen Schwind, der mit seinem zehnjährigen Sohn Johannes auf den Kreuzberg kam. Schwind war selbst einmal Mitglied beim Naturwissenschaftlichen Verein gewesen und die Leidenschaft den Himmel, insbesondere zur Nachtzeit zu beobachten, hat sich auf den Sohnemann übertragen. Das Hobbyteleskop war aufgebaut und auf die Mondfinsternis gerichtet, die um kurz vor 23 Uhr einsetzte. Auch Schwind wunderte sich über das späte Auftauchen und die Blässe des Mondes. Enttäuscht verließen Vater und Sohn den Kreuzberg aber nicht. Es gab schließlich trotzdem viel zu sehen und zu beobachten. Aus Stambach kam Peter Weidler mit seinen Kindern Laura Marie und Maximilian. Die neunjährige Tochter und der elfjährige Sohn waren vom Blick durch das große Teleskop der Sternwarte total begeistert. Ein ganz besonderes Ferienerlebnis, das weiter noch mit Blicken durchs väterliche Fernglas in Richtung Mars, Jupiter und Saturn ergänzt wurde. Das Einschlafen zu Hause würde, darin war sich das Trio einig, angesichts der des Erlebten trotz der nahenden „Geisterstunde“ schwierig.

Rund um die Sternwarte herrschte an diesem Abend entspannte Picknickatmosphäre. Viele Besucher hatten Vorsorge getroffen und es sich mit Campingstühlen und Decken ausstaffiert gemütlich gemacht. Die Temperaturen waren selbst um die Mitternachtsstunde noch hochsommerlich. Und vom Zweibrücker Stadtfest klang zusätzlich noch Musik auf den Kreuzberg.

Bis in 105 Jahren! Der Blutmond wird bis 2123 nicht zu sehen sein. Neben dem Mond (oben) konnte man auch den rot schimmernden Mars (unten) bewundern.
Bis in 105 Jahren! Der Blutmond wird bis 2123 nicht zu sehen sein. Neben dem Mond (oben) konnte man auch den rot schimmernden Mars (unten) bewundern. FOTO: Norbert Schwarz