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Kolumne:  Unsere Woche
Bismarck verhüllen oder verbannen?

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Ein kritischer Blick auf die noch bis Mittwoch laufende Kunst-Aktion am Zweibrücker Herzogplatz. Von Lutz Fröhlich

Verhüllungsaktion am Zweibrücker Bismarck-Denkmal: Diese Ankündigung hat große Erwartungen ausgelöst. Diese haben die Helmholtz-Zwölftklässler rein künstlerisch auch erfüllt: Die (noch bis Mittwoch wechselnden) Verkleidungen des „Eisernen Kanzlers“ sind lustig, originell und handwerklich gelungen. Doch seitdem Christo 1995 mit seiner Reichstags-Verhüllung auch wichtige politische Botschaften verpackte, drohen „L’art pour l‘art“-Verhüllungen schnell zu enttäuschen. Dabei hätte der schon immer heftig umstrittene Bismarck eine kritischere Auseinandersetzung verdient. Die fehlte leider auch bei den Erläuterungen beim Aktions-Auftakt: Man wolle Bismarck nicht verunglimpfen, sondern mehr Aufmerksamkeit für ihn schaffen. Das ist dann doch zu nett und harmlos. Denn Bismarck hat ja nicht nur den „Flickenteppich Deutschland aufgeräumt“, wie eine Schülerin sagte, sondern auch die Erbfeindschaft mit Frankreich geprägt, Katholiken und Sozialdemokraten verfolgt – und seine posthume Verehrung instrumentalisierten Deutschnationale im Kampf gegen die Weimarer Republik. Bismarck hatte zwar auch positive Seiten. Aber reicht seine Bilanz, dass eine Stadt, zu der Bismarck keinerlei persönlichen Bezug hatte, ihn an prominentester Stelle ehrt? Vielleicht führt ja die Schüler-Aktion dazu, dass darüber endlich wieder diskutiert wird ...