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Bibliotheca Bipontina
Nach 33 Jahren ist Schluss

Sigrid Hubert-Reichling in „ihrer“ Bipontina.
Sigrid Hubert-Reichling in „ihrer“ Bipontina. FOTO: Nadine Lang
Zweibrücken. Sigrid Hubert-Reichling verlässt Ende des Monats die Bibliotheca Bipontina und geht in den wohlverdienten Ruhestand. Von Nadine Lang

In der Bibliotheca Bipontina stehen Veränderungen bevor. Man könnte auch sagen, dass nach 33 Jahren eine prägende Zeit zu Ende geht. Zumindest für Sigrid Hubert-Reichling, die die wissenschaftliche Bibliothek nach über drei Jahrzehnten mit dem Antritt des Ruhestandes zum Ende des Monats verlässt. Eine lange Zeit, in der die studierte und promovierte Germanistin, Politologin und wissenschaftliche Bibliothekarin jede Menge Veränderungen miterleben durfte.

Ihr Weg nach Zweibrücken ergab sich eher zufällig. Sigrid Hubert-Reichling, die in Kassel geboren wurde und ihre Schulzeit in Trier verbracht hat, arbeitete nach ihrem zweiten Staatsexamen zunächst in Marburg an der Akademie der Wissenschaften, wo sie sich mit barocken Leichenpredigten beschäftigte. Bis ihr vom Land eine Stelle in Zweibrücken angeboten wurde. „Ich kannte Zweibrücken nicht“, gibt Sigrid Hubert-Reichling schmunzelnd zu. Doch die Stelle zur Leitung der Bibliotheca, die zu jener Zeit noch zum damaligen Herzog-Wolfgang-Gymnasium gehörte, machte die damals 32 Jahre alte Frau neugierig.

Zu diesem Zeitpunkt wurde damit begonnen, den damals vierzigtausend Bände umfassenden Bestand zu katalogisieren und den fürstlichen Altbestand der Öffentlichkeit und Forschung leichter zugänglich zu machen. Heute verfügt die Bibliotheca über rund 120 000 Bände. „Ich bin damals natürlich gekommen – und ich blieb auch!“, erklärt Sigrid Hubert-Reichling.



Das hatte sowohl mit den Büchern an sich zu tun, aber auch mit einer kurz darauf entstandenen persönlichen Verbindung, die es „nicht erlaubt hätte, weiterzugehen“. Gemeint ist damit natürlich die Beziehung zu ihrem heutigen Mann, dem ehemaligen Zweibrücker Oberbürgermeister und Hochschul-Professor Helmut Reichling.

„Ich habe es nie bereut, diese Bibliothek übernommen zu haben“, sagt Hubert-Reichling rückblickend.  Gerade der Altbestand, mit dem sie die Bipontina inzwischen zu einer Forschungsbibliothek ausbaute, machte die Arbeit für sie so spannend. „Das Alte für unsere heutige Zeit lebendig werden lassen, war mein Ziel“, erklärt sie weiter. So flossen viele Forschungsprojekte in ihre Arbeit ein, etwa die Erforschung von Handschriften oder Luthers Bedeutung für den Bestand.

Am Ende waren es aber nicht die großen Dinge, der Besuch bekannter oder gar berühmter Menschen, etwa, oder besondere Ausstellungen, die sie im Laufe der Jahre konzipiert hatte, die Sigrid Hubert-Reichling die schönsten Augenblicke in ihrer Laufbahn bescherten, sondern: „Das Alltägliche ist das, was oft Freude macht“, etwa die Rückmeldungen von ehemaligen Schülern, denen sie ein wenig ihrer Begeisterung für Bücher mitgeben und helfen konnte.

Das Konzipieren von Ausstellungen hat ihr aber natürlich trotzdem besondere Freude bereitet und so steht die aktuelle Ausstellung, die noch bis Ende Januar zu sehen ist, irgendwie auch symbolisch für ihre Zeit in der Bibliotheca Bipontina. „Alpha und Omega – Die Kunst der Initiale im fürstlichen Bestand der Bibliotheca Bipontina“ nennt sich diese und setzt unter anderem die Lutherbibel von Hans Lufft aus dem Jahr 1543 in Szene. War es doch genau diese Bibel, die Sigrid Hubert-Reichling von Anfang an fasziniert und begleitet hat.

Eindrücklich lässt sich in der Ausstellung die Bedeutung von Initialen im Laufe der Jahrhunderte, auch an vielen anderen Werken, zum Beispiel in Endes „Die unendliche Geschichte“ erkennen. Teils von Hand wie kleine Kunstwerke koloriert, teils gedruckt, oft mit Bezug zum Text oder rein als Lesehilfe – die Bedeutung von Initialen ist vielfältig und wer die Ausstellung besucht, kann genau das an 50 Exponaten auf faszinierende Weise erkennen.

Für Sigrid Hubert-Reichling beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. „Das wird für mich sehr schwer, die Bipontina ist mein Kind“, erklärt sie. Trotzdem wird es ihr mit Sicherheit nicht langweilig werden, denn die kommende Zeit ist bereits gut verplant: mit dem Nachholen von Reisen gemeinsam mit ihrem Mann, mit eigenen Forschungen in der Bipontina, Trainieren ihres Pferdes, Fotografieren, Theaterbesuchen und vielen anderen Dingen, die ihr schon im Kopf herumschwirren.