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Euroclassic-Festival
Weltstars in nur spärlich besetzter Festhalle

Sie lieferten bei Euroclassic in der Zweibrücker Festhalle ein fulminantes Konzert ab: Bill Evans (vorne, Mitte), Simon Phillips am Schlagzeug, Teymor Phell (Bass), Trompeter Anders Bergcrantz und Keyboarder Otmaro Ruiz.
Sie lieferten bei Euroclassic in der Zweibrücker Festhalle ein fulminantes Konzert ab: Bill Evans (vorne, Mitte), Simon Phillips am Schlagzeug, Teymor Phell (Bass), Trompeter Anders Bergcrantz und Keyboarder Otmaro Ruiz. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Mit ihrem Projekt „Zen Amadeus“ spielten Bill Evans und Simon Phillips zum Abschluss des Euroclassic-Festivals in Zweibrücken. Von Sebastian Dingler

Zum Abschluss des Euroclassic-Festivals 2018 hatten die Macher pure Weltklasse nach Zweibrücken in die Festhalle eingeladen: Während Schlagzeuger Simon Phillips jahrelang bei Toto trommelte und bei The Who, Mick Jagger oder Peter Gabriel aushalf, hat sich Saxofonist Bill Evans sein Renommee im Jazz verdient. Und zwar mit der Zusammenarbeit mit dem womöglich größten Jazzer aller Zeiten, Miles Davis. Aber auch mit Herbie Hancock und John McLaughlin war Evans schon zu hören. Und überraschenderweise findet sich ebenfalls Mick Jagger auf seiner Liste. Zusammen mit dem venezolanischen Keyboarder Otmaro Ruiz, Bassist Teymor Phell und dem schwedischen Trompeter Anders Bergcrantz traten Evans und Phillips am Mittwochabend unter dem Namen Zen Amadeus in der Festhalle auf.

Was passiert, wenn ein Rockschlagzeuger auf einen Jazzsaxofonisten trifft, ist voraussehbar: Fusion nennt sich seit den Siebzigern eben jene Mischung aus Rock und Jazz. Komplizierte Linien, irrwitzige Breaks und sehr freie Improvisationen kennzeichneten den Auftritt des Quintetts – entscheidend aber war die Art und Weise, wie das dargeboten wurde. Sebastian Voltz etwa, Musiklehrer am Hofenfels-Gymnasium und selbst Jazzpianist, sagte, das Ganze sei „ein unfassbares Brett“ gewesen. Großartig, wie Bassist Phell nie aus dem Takt kam, da konnte Phillips während eines Solos rhythmisch dagegen spielen, wie er wollte.

Nils Voigt, auch er Jazzmusiker, schwärmte da hinterher, er habe noch nie eine bessere Rhythmusgruppe erlebt. Unterstützung erhielt Phell dabei oft von Tastenmann Ruiz, der ansonsten die fantasievollsten Soli spielte. Witzig, dass der Südamerikaner von Phillips mit den Worten „nein, es ist nicht Madonna“ vorgestellt wurde – der Schlagzeuger bemerkte seinen Versprecher sofort und spitzfindige Zuschauer wussten auch gleich, wen er wirklich meinte: Ruiz sieht aus wie einst Diego Maradona vor dessen Zeit als aufgedunsener Pfannkuchen. Kein Wunder also, dass er die Solo-Läufe so gut beherrschte.



Die Funktionsweise der Band war folgende: Schlagzeug und Bass lieferten eine sich wiederholende Figur, gerne auch mal in einer ungeraden Taktart. Darüber erfolgte meist ein vertracktes Thema, dann ging es in die Soli, die fast immer über den gleichen Grundton gelegt wurden. Das war manchem Jazzmusiker im Publikum zu eintönig. Die meisten aber zeigten sich so begeistert wie Voltz, der noch sagte: „Das war Wahnsinn, Präzision ohne Ende. Das Zeug zu spielen ist nicht ohne, gerade diese metrische Modulationen. Wir haben was Gutes gehört.“ Frank Schmidt aus Saarbrücken meinte: „Ich fand’s ziemlich gut, es war super, ein tolles Konzert! Die können halt spielen, die Jungs. Beim Bill Evans weiß man ja, dass der toll spielt, aber den Trompeter fand ich fantastisch. Phillips hat toll getrommelt, auch von der Lautstärke her gut dosiert.“ Wolfgang Geyer aus Zweibrücken war ebenfalls begeistert: „Was soll man sagen, es war wunderbar, ich hatte es nicht so gut erwartet.“ Elisabeth Schuler, auch aus Zweibrücken, wies darauf hin, dass das erste Mal seit Langem endlich mal mehr Männer als Frauen bei einem Konzert in der Festhalle gewesen seien. Außerdem meinte sie: „Die Musiker waren von der Beherrschung ihrer Instrumente faszinierend, das hat mir unheimlich gut gefallen.“

Insgesamt war das Konzert ein toller und würdiger Abschluss des Euroclassic-Festivals. Wenn auch Fusion nicht jedermanns Sache sein dürfte und manche bei der Erwähnung des Bandnamens Toto falsche Erwartungen gehabt haben könnten – dieser Auftritt dürfte den meisten Besuchern noch lange im Gedächtnis bleiben. Schade nur zwei Dinge: dass Bill Evans nur einmal zur Abwechslung zum Mikrofon ging und dabei bewies, dass er auch wunderbar singen kann. Davon hätte man gerne mehr gehört. Und dann die Tatsache, dass nur 300 Zuschauer gekommen waren – von der Qualität der Musiker her hätten es eigentlich mehr sein müssen.

Nein, „Madonna“ ist das nicht, und auch nicht Maradona: Doppelgänger Otmaro Ruiz mit Bill Evans (links) nach dem Konzert.
Nein, „Madonna“ ist das nicht, und auch nicht Maradona: Doppelgänger Otmaro Ruiz mit Bill Evans (links) nach dem Konzert. FOTO: Sebastian Dingler