| 23:17 Uhr

Trauerfeier für verstorbenen Oberbürgermeister
Bewegender Abschied von Kurt Pirmann

Zweibrücken. In der Alexanderskirche nehmen 600 Menschen an der Trauerfeier teil. Redner würdigen Charakter und Fleiß des Verstorbenen. Von Mathias Schneck

Warum? Diese Frage wird oft gestellt, wenn ein Mensch gehen musste. Das Lied, das die Gemeinde zu Beginn des Trauergottesdienstes singt, gibt darauf keine Antwort. Stattdessen hält es allen die Endlichkeit des Lebens vor Augen: „Es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn – Hilflos seh‘ ich, wie die Zeit verrinnt – Stunden, Tage, Jahre gehen hin – und ich frage, wo sie geblieben sind.“

Kurt Pirmann waren nur 63 Lebensjahre beschieden. Warum musste er so früh gehen? Auch Dekan Peter Butz, der den Trauergottesdienst für den verstorbenen Oberbürgermeister der Stadt Zweibrücken am Freitag in der Alexanderskirche hält, kann darauf keine Antwort geben.

„Er wurde aus unserer Mitte genommen“, beklagt der Dekan. Es gibt keine Antwort – aber eine Hoffnung. Die prächtig bemalten Fenster hinter dem Altar der Alexanderskirche künden davon: die Hoffnung darauf, dass mit dem Tod nicht alles endet. Sondern erst beginnt. Butz hält den 600 Zuhörern diese Hoffnung vor Augen.



Die Feuerwehr hielt in der Alexanderskirche in Zweibrücken die Ehrenwache für Kurt Pirmann. Rund 600 Menschen nahmen am Freitag am Trauergottesdienst für den verstorbenen Oberbürgermeister teil.
Die Feuerwehr hielt in der Alexanderskirche in Zweibrücken die Ehrenwache für Kurt Pirmann. Rund 600 Menschen nahmen am Freitag am Trauergottesdienst für den verstorbenen Oberbürgermeister teil. FOTO: Marco Wille; www.marcowille.de / Marco Wille

Der Verstorbene selbst hat darauf gebaut. In der Todesanzeige seiner Familie war die Rede vom „Vertrauen auf den barmherzigen Gott“.

Aber jetzt, in diesem Augenblick, überwaltigt die Trauer Kurt Pirmanns Ehefrau Beate und die beiden Kinder sowie die drei Enkel.

Die Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, lobte die menschlichen Qualitäten von Kurt Pirmann.
Die Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, lobte die menschlichen Qualitäten von Kurt Pirmann. FOTO: Marco Wille; www.marcowille.de / Marco Wille

Ministerpräsidentin Malu Dreyer fühlt diesen Schmerz nach. Als erste von sieben Trauerrednern spricht sie der Familie ihre „aufrichtige Anteilnahme“ aus. Sie ist voll des Lobes über den Charakter des Verstorbenen. „Er war ein ehrlicher Mensch“, sagt sie, er habe enormen Fleiß an den Tag gelegt. „Und er hat gerne gegessen und getrunken und gelacht“, freut sie sich über die Lust am Leben, die Kurt Pirmann ausmachte. „Seine große Stärke war es, dass er Menschen zuhören konnte“, hält Dreyer fest – etwas, was alle anderen nachfolgenden Redner bestätigen werden. Natürlich sei Pirmann „Sozialdemokrat durch und durch“ gewesen. Aber das war nur ein Teil seiner Persönlichkeit. Mit nicht minder großer Leidenschaft sei er Bauer gewesen. Drei Ochsen, zwei Pferde und reichlich Kleinvieh – auch das bestimmte das Leben des bodenständigen Dellfelders. „Ich bin sehr dankbar, dass ich Kurt Pirmann kennen durfte“, schließt Dreyer.

Christian Gauf, Bürgermeister von Zweibrücken, bei seiner Trauerrede.
Christian Gauf, Bürgermeister von Zweibrücken, bei seiner Trauerrede. FOTO: Marco Wille; www.marcowille.de / Marco Wille

Dann wendet sich Bürgermeister Christian Gauf an die Trauergemeinde. „Ab dem 25. Juni um 15.30 Uhr war alles anders“, sagt er. Da habe die Stadtverwaltung Kenntnis davon erhalten, dass der Oberbürgermeister den Kampf gegen den Krebs verloren habe. „Überall war große Betroffenheit“, blickt Gauf zurück.

Er bedauert, dass er gerade einmal 88 Tage mit dem Oberbürgermeister die Geschicke Zweibrückens lenken durfte. Kurt Pirmann war„ein guter Ratgeber und Freund“ gewesen, sagt Gauf. Für alle in der Stadt sollte es ein Ansporn sein, die Projekte, die der Oberbürgermeister angestoßen habe, mit eifriger Hand zu einem guten Ende zu führen.

Die Flagge von Rheinland-Pfalz  und die Stadtflagge mit Trauerflor.
Die Flagge von Rheinland-Pfalz und die Stadtflagge mit Trauerflor. FOTO: Marco Wille; www.marcowille.de / Marco Wille

Stéphane Moulin, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Pirmasens-Zweibrücken, klagt: „Lieber Kurt, Du fehlst uns.“ Er würdigt die Macher-Mentalität Pirmanns und dessen Überzeugungskraft. Pirmann habe es stets geschafft „einen langweiligen Parteiabend“ zu „elektrisieren“. „Ging Kurt ans Rednerpult, wussten alle: Jetzt geht’s los!“ Und auch zu der nicht minder gerühmten Schlitzohrigkeit Pirmanns hält Moulin eine Anekdote parat: „Ich habe ihn einmal freundlich darauf hingewiesen, dass er seine Redezeit überschritten hatte. Daraufhin meinte Kurt nur: ,Wenn Du es packst, kannst Du mich ja hier wegtragen.’“ Dann habe Pirmann seine Rede in aller Ruhe beendet.

Ex-Landrat Hans Jörg Duppré trug sich ebenso ins Kondolenzbuch ein, wie seine Nachfolgerin Susanne Ganster (rechts).
Ex-Landrat Hans Jörg Duppré trug sich ebenso ins Kondolenzbuch ein, wie seine Nachfolgerin Susanne Ganster (rechts). FOTO: Marco Wille; www.marcowille.de / Marco Wille

Die Landrätin des Landkreises Südwestpfalz, Susanne Ganster, bedauert: „Es schmerzt mich, dass wir nur wenige Monate miteinander arbeiten konnten.“ Pirmann habe eine starke Persönlichkeit besessen. Und Klaus Freiler, Beigeordneter der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, der in Vertretung für den verhinderten Verbandsgemeinde-Bürgermeister Jürgen Gundacker spricht, rühmt, es sei fast „unheimlich“ gewesen, wie viele Menschen Pirmann gekannt habe, sein Personengedächtnis sei enorm gewesen, er habe immer ein gutes Wort gefunden – und einen Witz parat gehabt.

Doris Schindler, Ortsbürgermeisterin von Dellfeld, sagt, Pirmann sei „ein Schulkamerad, Freund und Weggefährte“ gewesen – deswegen habe er auch einmal „ein Wort mehr sagen dürfen als andere“. Schindler lobt, Pirmann sei „ein Vorbild in Sachen Pflichterfüllung“ gewesen. „In unserer Mitte wirst Du immer weiterleben.“

Hans Jörg Duppré, ehemals Landrat des Kreises hält fest, wie seine Vorredner: „Auf Kurt Pirmann war Verlass.“ Mit Pirmann habe ihn eine Freundschaft verbunden. „Keine oberflächliche Kumpanei“, sagt Duppré, sondern eine Freundschaft, basierend auf Vertrauen.

Auch Ex-Ministerpräsident Kurt Beck erwies Pirmann die letzte Ehre.
Auch Ex-Ministerpräsident Kurt Beck erwies Pirmann die letzte Ehre. FOTO: Marco Wille; www.marcowille.de / Marco Wille

Der Trauergottesdienst neigt sich dem Ende zu. Und wie zu Beginn findet auch jetzt die Gemeinde bei einem gemeinsamen Lied die richtigen Worte: „Herzlich tut mich erfreuen die liebe Sommerzeit – wenn Gott wird schön erneuern, alles zur Ewigkeit.“ Es ist gerade Sommer. Nicht der im Lied beschriebene. Aber eine Zeit der Freude. Das Leben geht ja weiter. Und viele Menschen behalten Kurt Pirmann in ihrem Herzen als einen Menschen, der fleißig und anständig war, ein Mensch, an den man gerne denkt. Dafür lohnt es sich, zu leben.

Der Blick in die volle Alexanderskirche. Die Menschen nahmen großen Anteil am Tode Kurt Pirmanns.
Der Blick in die volle Alexanderskirche. Die Menschen nahmen großen Anteil am Tode Kurt Pirmanns. FOTO: Marco Wille; www.marcowille.de / Marco Wille