| 23:09 Uhr

Bewegende Gedenkfeier für die Opfer der NS-Justiz

Reinhard Weber, Historiker und Oberarchivar a. D. des Staatsarchivs München, bei seiner Festrede im Zweibrücker OLG. Foto: von Waldow
Reinhard Weber, Historiker und Oberarchivar a. D. des Staatsarchivs München, bei seiner Festrede im Zweibrücker OLG. Foto: von Waldow FOTO: von Waldow
Zweibrücken. Den Justizopfern der Nationalsozialisten einen Namen und ein Gesicht geben – darum ging es gestern bei einem Festakt im Zweibrücker Oberlandesgericht. Mit dabei war unter anderem der Mainzer Justizminister Gerhard Robbers. cvw

Im vergangenen Jahr hat das Oberlandesgericht (OLG) Zweibrücken anlässlich seines 200-jährigen Jubiläums gezeigt, dass es die Errungenschaften unseres Rechtsstaats würdig und fröhlich zu feiern versteht. Gestern nun bewiesen dieselben Akteure, dass sie ebenso ehrfürchtig dunkle Zeiten der Justiz aufarbeiten können. In einer bewegenden Gedenkfeier wurden die justiziaren Opfer des Nationalsozialismus in Zweibrücken geehrt. Bei einem Festakt im Schloss wurde die Gedenktafel mit den Namen aller Betroffenen (wir berichteten) enthüllt.

Ganz bewusst war diese Würdigung der Opfer nationalsozialistischer Gräueltaten aus dem heiteren 200-Jahr-Fest heraus gehalten worden, um jetzt angemessen im Mittelpunkt zu stehen, wie OLG-Präsident Willi Kestel in seiner Begrüßung betonte. "Wir gedenken der während der Nazi-Diktatur verfolgten, entrechteten, vertriebenen und ermordeten Justizangehörigen, Notare und Rechtsanwälte jüdischen Glaubens", stand während fast der gesamten, zweistündigen Veranstaltung zu lesen. "So etwas darf nie mehr geschehen!" Darin waren sich die Festredner - Gerhard Robbers (SPD ), Mainzer Minister der Justiz, Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden Deutschland, Reinhard Weber, Historiker und Oberarchivar a.D. des Staatsarchivs München, sowie rund 100 geladenen Gäste aus Justiz, Politik und Kirche einig. "Den Opfern einen Namen und ein Gesicht und ihnen damit ihre Würde zurück geben", hatte nicht nur Kestel gefordert. Nach der Enthüllung der weißen, unter Glas geschützten Tafel wurden per Beamer Gesichter, Namenszüge, Geburtsdatum und -ort sowie Todesjahr und -ort der Betroffenen eingeblendet: Emigranten in alle Welt, Heimkehrer in die Pfalz, aber auch zahlreiche Todesfälle in den Konzentrationslagern wie Auschwitz. Umrahmt wurden der Festakt und das Gedenken von der Villa Musica Rheinland Pfalz unter Leitung von Alexander Hülsoff (Violoncello) und Alberto Menchen (Violine).