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Torschlusspanik
Beckerswäldchen: Zwei Tore und eine unendliche Geschichte

Die Tore auf dem Bolzplatz am Beckerswäldchen waren marode und mussten deshalb abgebaut werden.
Die Tore auf dem Bolzplatz am Beckerswäldchen waren marode und mussten deshalb abgebaut werden. FOTO: privat
Zweibrücken. Die Bürgerinitiative IG Beckerswäldchen ist enttäuscht von der Stadtverwaltung. Die sehe Haftungsprobleme. Deshalb ist der Bolzplatz nun schon lange ohne Tore. Von Mirko Reuther

Was bringt denn ein Bolzplatz ohne Tore? Die Frage stellt Tatjana Schülmann. Und in ihrer Stimme schwingt Galgenhumor mit. Auch ein wenig Verzweiflung. Seit fast zwei Jahren kämpft der Verein Interessengemeinschaft (IG) Beckerswädchen, bei der Schülmann im Vorstand sitzt, dafür, dass Kinder auf dem Bolzplatz in der Verlängerung der Helene-Lange-Straße wieder kicken können. Die alten Tore – von der IG mit eigenen Mitteln angeschafft und montiert – waren 2016 so durchgerostet, dass sie nicht mehr gefahrlos benutzt werden konnten.

Die Diskussion mit der Stadt um neue Tore klingt wie eine unendliche Geschichte. Im Oktober 2016 teilte das Jugendamt der IG in einer Mail mit, dass das Budget für die städtischen Spielplätze in diesem Jahr bereits erschöpft sei. Die Anschaffung der Tore sei aber in die Planungen für das Folgejahr aufgenommen worden. Doch elf Monate später der Schock für die Interessengemeinschaft. Die fragte beim Amt an, wie weit die Planungen gediehen seien – und bekam als Antwort, dass die finanziellen Mittel auch in diesem Jahr bereits ausgeschöpft seien. Auch 2018 hat die IG wenig Grund zur Hoffnung. Die Erneuerung der Klettertürme auf dem Spielplatz habe Vorrang, erklärte das Amt in einer Mail aus dem Januar. „Dieses Jahr passiert nichts, im nächsten Jahr wieder nichts und im übernächsten wieder nichts. Das war schon enttäuschend“, sagt Schülmann. Dass die Stadt sich bei der Anschaffung der Tore ziert, ist für ihre Interessengemeinschaft aber mittlerweile das kleinere Problem. Das größere ist: Die Stadt möchte, dass die IG die Tore aufbaut, pflegt und – am gravierendsten – für diese die Haftung übernimmt. Sprich: Verletzt sich eines der Kinder, weil beispielsweise ein Tor kippt, steht die IG in der Verantwortung.

Die Begründung der Stadt lautet vage: Der Bolzplatz sei kein Spielplatz des Jugendamtes.



„Aus unserer Sicht kann nur die Stadt hier haftungsrechtlich in der Verantwortung stehen. Wir sind ja alles Laien. Es kann nicht sein, dass engagierte Privatpersonen, die die Tore anbringen, in Bedrängnis kommen, falls doch jemand zu Schaden käme“, argumentiert Schülmann. Sie ergänzt: „Die Stadt bewirtschaftet den Platz ja schon. Die UBZ hat, beauftragt durch die Stadt, den Platz regelmäßig gemäht, extra hohe Zäune aufgestellt und Absperrungen zur Straße angebracht. Dass man aber nicht die Haftung für die Tore übernehmen will, ist absurd!“

Von der Stadt selbst war am Donnerstag keine Stellungnahme zu bekommen, warum die Haftung bei der IG liegen soll. Einige der betreffenden Personen, die den Kontakt mit der Interessengemeinschaft in Kontakt gestanden haben, seien in Urlaub. Mitte der kommenden Woche wolle man zu dem Thema Stellung beziehen, hieß es aus der Verwaltung.

Am Donnerstag, 19. April hält der Verein im Sportheim des TuS Wattweiler eine Sitzung ab, in deren Rahmen konkrete Maßnahmen besprochen werden sollen, wie man die Stadt zum Umdenken bewegen könne. „Die Finanzierung ist nicht das Problem. Da wollen wir uns wieder beteiligen, vielleicht auch mit einem Spendenlauf“, sagt Schülmann. Kostenpunkt für die Tore und deren Anbringung: rund 4000 Euro. Schon bei der Anschaffung einer Seilbahn für den Kinderspielplatz hatte sich die IG an den Kosten beteiligt.

„Es wird sich so oft darüber beschwert, dass die Kinder nur noch zu Hause vor ihren elektronischen Geräten hängen. Bei uns gibt es dagegen eine ganze Menge fußballbegeisterte Jungs und Mädels, die sich auf dem Bolzplatz verabredet haben. Aber das hat nachgelassen. Fußball ohne Tore – das macht nicht viel Sinn“, sagt Schülmann. Und ergänzt: Hier wohnen rund 250 Familien mit Kindern. Der Platz liegt ein bisschen vom Wohngebiet entfernt. Niemand beschwert sich über Lärm. Es kamen sogar Kinder aus anderen Stadtgebieten, um hier zu kicken. Dass man so einen Platz verkümmern lässt, ist einfach schade.“