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Zweibrücker Innenstadt-Projekt
Baurecht für Ex-Parkbrauerei schon 2019?

So stellt sich der Investor sein Projekt vor: vorne ein Hotel, betreutes Wohnen und Pflege, oben am Hang Mehr- und Einfamilienhäuser.
So stellt sich der Investor sein Projekt vor: vorne ein Hotel, betreutes Wohnen und Pflege, oben am Hang Mehr- und Einfamilienhäuser. FOTO: Projektvorstellung Manfred Schenk
Zweibrücken. Schenk hat es mit Plänen für Hotel und Senioren eilig. Einstimmiges Votum im Stadtrat, Fragen zu Abriss und Bäumen. Von Lutz Fröhlich

Insgesamt große Begeisterung und Dankbarkeit – aber einige wenige kritische Nachfragen zu Details: So lässt sich die Diskussion gestern Abend im Stadtrat über die Pläne des Investors Manfred Schenk für das frühere Zweibrücker Parkbrauerei-Gelände zusammenfassen. Schenk will dort im unteren Bereich für Hartmut Ostermanns Victor’s-Unternehmensgruppe ein Hotel, betreutes Wohnen und ein Pflegeheim errichten, im oberen Bereich sind Mehr- und Einfamilienhäuser geplant (wir berichteten).

Schenk präsentierte sich nicht als Visionär – zur Architektur sagte er kein einziges Wort –, sondern als Macher. Schon sein bisheriger Zeitplan (Baubeginn Frühjahr 2020) galt als ehrgeizig. Nach dem einstimmigen Beschluss des Stadtrats gestern, zwei Bebauungsplanverfahren zu eröffnen, zündete Schenk den Turbo: Schon in der ersten Ratssitzung nach der Sommerpause stelle er die Bebauungspläne vor, „dann werden wir sehen, ob und welche Widerstände es gibt“. Sein Ziel sei der Satzungsbeschluss für das untere „Quartier Alte Brauerei“ Anfang 2019.

Wobei Schenk auf Nachfrage von CDU-Fraktionsvize Christina Rauch nicht nur erneut erläuterte, dass der untere Bereich schneller kommen werde als der obere – sondern der obere („Wohnpark Alte Brauerei“) auch scheitern könne. Unten stehen nämlich die alten Brauerei-Gebäude, die Schenk mangels Denkmalschutz problemlos abreißen lassen kann. Der obere Bereich dagegen sei „schon relativ sportlich zu sehen“, denn dort ist zurzeit Natur: „Sie wissen ja, was passiert, wenn heute irgendwo zum Beispiel ein Salamander herumläuft“. Damit potenzielle Verzögerungen oben nicht das gesamte Projekt verzögern, mache man getrennte Bebauungsplanverfahren.



Von einer „sehr positiven Entwicklung für das Gelände“ sprach nicht nur Grünen-Fraktionschef Norbert Pohlmann. SPD-Fraktionschef Stéphane Moulin nannte es ebenfalls „begrüßenswert, das etwas Neues passiert“. Dass die Stadtverwaltung Schenk „so schnell und positiv begleitet“, sei ein gutes Signal an Investoren. Rauch begrüßte das Projekt auch für die CDU, „nachdem über dreißig Jahre nichts passiert ist und sich niemand an das Areal herangetraut hat“.

Der einzige Redner, der nur etwas Kritisches sagte, war Linken-Fraktionsvize Gerhard Burkei. Denn Schenk will sämtliche alten Gebäude abreißen. „Dass sind nicht alles hässliche Ruinen, ich sehe auch schöne Gebäude“, verwies Burkei konkret auf den (von außen kaum erkennbaren) großen Sandsteinbau im Herz der Brauerei: „Wenn da der Abriss erfolgt, stirbt auch ein Stück Jugend und Kultur, denn da ist ein Proberaum drin.“ Über diese Kritik ärgerte sich FWG-Fraktionschef Kurt Dettweiler: „Ich habe keine Bedenken. Ich bin froh, dass wir einen Investor haben“, zumal einen, der in Zweibrücken mit dem Hilgardcenter schon erfolgreich gewesen sei. Und er sei überzeugt: „Wenn Schenk eine Vermarktungsmöglichkeit für das Sandsteingebäude sehen würde, würde er es auch erhalten.“

Dafür sieht Schenk aber keine Möglichkeit. Denn insbesondere für Senioren „brauchen wir funktionale, behindertengerechte Gebäude“. Man habe einen Erhalt geprüft. Er wisse, dass mit dem Gebäude auch Erinnerungen an die Brauerei verbunden seien, „aber man muss auch an die Zukunft denken – und damit ist der Erhalt zwangsläufig vom Tisch“.

„Wir wollen es städtebaulich gestalten, es muss aber auch eine gewisse Wirtschaftlichkeit haben“, hatte Schenk schon eingangs erklärt, dass sein Projekt auch finanzierbar sein muss.

Verabschieden müsse man sich von einigem Grün im oberen Bereich, erklärte Schenk auf Pohlmann-Nachfrage. „Wir können nicht alles erhalten, sonst können wir keine Häuser bauen.“ Schenk beruhigte aber, auch er sei am Erhalt möglichst vieler der „wertvollen Bäume dort“ interessiert, zumal diese „das Gelände lebens- und wohnenswert machen“. Vieles von dem „starken Bewuchs“ könne aber auch „stark ausgedünnt werden“. Es werde ein Baumschutzgutachten geben und enge Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde und anderen Ökologen.

Die Wohnhäuser werden wohl nicht aus einer Hand gebaut: Schenk will auch „Bürgern Grundstücke zur Verfügung stellen, die selbst bauen wollen“. Insgesamt schätzt Schenk die Zahl der Wohneinheiten oben auf 54, er rechne mit drei Jahren Planungsphase und Bauzeit.

Burkei (Linke) schloss einer früheren öffentlichen Warnung von Gewobau-Chef Werner Marx an, mit Schenks Vorhaben drohe ein Überangebot an Pflegeplätzen und betreutem Wohnen in Zweibrücken, zumal es auch den Sozialhaushalt belaste, wenn Senioren von auswärts angelockt würden. Dirk Schneider (SPD) entgegnete, Schenks und Victor’s Pläne seien „richtig und angemessen“, denn in Zweibrücken gebe es nur neun Pflegeplätze pro 1000 Einwohner, gebraucht würden bald 20, diese Lücke schlössen auch die Gewobau-Pläne in der Canadasiedlung nicht. Bürgermeister Christian Gauf (CDU) sagte, zurzeit müssten 83 Zweibrücker außerhalb zur Pflege untergebracht werden, 317 Plätze gebe es in Zweibrücken. „Die Gewobau hat keine Stellungnahme zu den Planungen für die Parkbrauerei abgegeben“, distanzierte sich Gewobau-Aufsichtsratschef Berni Düker offensichtlich von Marx. Und betonte, die Gewobau erkenne weiterhin Ratsbeschlüsse an.

So könnte der Blick von der Fußgängerzone zum Hotel-Eingang aussehen.
So könnte der Blick von der Fußgängerzone zum Hotel-Eingang aussehen. FOTO: Projektvorstellung Manfred Schenk