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Ehemaliges Parkbrauerei-Gelände
Rodung des Park-Waldes umstritten, aber legal

 Auch viele große Bäume sind gefällt, bewiesen gestern die Stämme links.
Auch viele große Bäume sind gefällt, bewiesen gestern die Stämme links. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Die SGD Süd hatte empfohlen, ältere Bäume (noch) nicht zu fällen – doch Stadt, UBZ und Forstamt ließen den Investor Fakten schaffen. Von Lutz Fröhlich
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

Der Park, der einst der Parkbrauerei in Zweibrücken den Namen gegeben hat, ist Geschichte. Die Anfang dieser Woche begonnenen Rodungsarbeiten sind weit fortgeschritten. Gestern türmten sich dicke Baumstämme und gerodetes dünnes Gehölz auf dem Hang nördlich der stillgelegten Brauereigebäude, nur am Rand standen noch einige Bäume.

Wie aber kann es sein, dass Investor Manfred Schenk (der ein Hotel, Pflegeeinrichtungen und Wohnhäuser plant) jetzt schon vollendete Tatsachen schafft – obwohl die Verfahren zur Änderung von Bebauungsplan und Flächennutzungsplan, der oben einen „Park“ vorsieht, gerade erst begonnen hat? Erst am 30. Januar hatte der Stadtrat den Bebauungsplan „aufgestellt“, das heißt wesentliche Verfahrensschritte wie die „Beteiligung der Träger öffentlicher Belange“ und die „Abwägung“ eingehender Bedenken und große Teile des Umweltberichts stehen noch aus, bis die Pläne beschlossen werden können.

Eine Abwägung über die Bäume ist nach der Fällung nun hinfällig. Trotzdem sind die auch gestern noch laufenden Rodungsarbeiten legal, ergaben Merkur-Recherchen. Denn das Forstamt Westrich hat Schenk hierfür die Genehmigung erteilt. „Es wurde ein Antrag nach dem Landeswaldgesetz gestellt und die Maßnahme mit Auflagen genehmigt“, erklärte Forstamts-Büroleier Hermann Braun gestern auf Anfrage. Zu den Auflagen gehören etwa Nistkästen für Vögel als Ersatz für Nistgelegenheiten im Gehölz. Warum wurde die Fällung jetzt schon genehmigt, obwohl noch gar nicht klar ist, ob der Bebauungsplan Rechtskraft erlangt? Mit Rücksicht auf die Tierwelt, so Braun: „Das ist deshalb so zeitig gemacht worden, weil am 1. März ja allgemein die Brutzeit losgeht.“



Der Stadtrat hatte (nach einem früheren Anlauf im August) die Planverfahren am 30. Januar einstimmig neu eingeleitet – im Wissen darum, dass Schenk die Bäume fällen wollte, nur vom Zeitpunkt war noch keine Rede. Die Baumfällung hatten selbst die Grünen akzeptiert, weil das Gesamtprojekt für Zweibrücken ein großer Gewinn sei und weil im unteren Bereich auch einige Flächen entsiegelt würden.

Gegen die jetzige Fällung allerdings hat es mehr Widerstand gegeben als bislang öffentlich bekannt war. Ein empörter Nachbar postete am Mittwoch ein Video und Fotos von Rehen auf Facebook, die gerade vor den Rodungsarbeiten geflüchtet seien – und behauptete, die SGD Süd (Struktur- und Genehmigungsdirektion) habe der Fällung „widersprochen, hat aber keinen interessiert“. Bei dieser Landesbehörde ist die obere Naturschutzbehörde angesiedelt. SGD-Süd-Sprecherin Nora Schweikert bestätigte auf Merkur-Anfrage: „Die obere Naturschutzbehörde hat vorsorglich aus naturschutzfachlicher Sicht empfohlen, Eingriffe in den alten Baumbestand der Parkanlage zu vermeiden und diesen zu erhalten. Weiterhin wurde empfohlen, bevor die Zulässigkeit des Gesamtvorhabens nicht abschließend geklärt ist, keine alten Bäume zu roden.“ Nur jüngeres Gehölz könne „unproblematisch“ beseitigt werden.

Formell zuständig für Naturschutzbelange bei der Rodung sei die untere Naturschutzbhörde, verwies Schweikert auf den UBZ. Dessen Chef Werner Boßlet sagte, er halte die Bedenken der SGD für unbegründet – weder die Landesbehörde Forstamt noch seine untere Naturschutzbehörde hätten Bedenken gegen die laufende Rodung. Stadtsprecher Heinz Braun sprach von „nur zwei, drei hochwertigen Bäumen“, die gefällt würden, „sonst sind das dünne Gehölze“.

Ganz anders seht das der Vorsitzende des Nabu und des offiziellen Naturschutzbeirats in Zweibrücken, Gerhard Herz: Der kleine Wald sei ein Lebensraum für viele Tiere, vor allem Vögel, gewesen, es habe viele Bäume mit zwei bis drei Meter Stammumfang gegeben. Der Beirat habe mit 6:1 eindeutig gegen die Fällung gestimmt, das habe die Stadt nie ernsthaft geprüft. „Ich bin maßlos enttäuscht.“

Dass ein Investor Fakten schaffen wolle, könne er ja nachvollziehen – aber die Stadt und ihre untere Naturschutzbehörde hätten sorgfältiger abwägen müssen, zumal er wisse, dass auch die SGD Süd nachdrücklich gegen die sofortige Fällung protestiert habe. Das wurde im Stadtrat am 30. Januar nicht erwähnt. Herz hat grundsätzlich den Eindruck, dass in Zusammenhang mit der Rodung „einige Dinge bewusst verschleiert wurden“.