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Bauausschuss
Zoff um den Bickenalb-Blick

Zweibrücken. Die Idee des Sozialdemokraten Dirk Schneider, die Stadt statt einem bereits vorhandenen Investor solle das Neubaugebiet bei Mittelbach entwickeln und vermarkten, stieß bereits im Bauausschuss auf entschiedenen Widerspruch. Jetzt wird der Vorschlag im Mittelbacher Ortsbeirat diskutiert. Von Mirko Reuther

Sollte das Neubaugebiet „Bickenalb-Blick“ im Mittelbach nun doch nicht vom privaten Investor Werner Ipser, sondern vom Zweibrücker Bauamt realisiert werden? Diese Option hate Dirk Schneider von der SPD-Stadtratsfraktion im Zweibrücker Bauauschuss ins Spiel gebracht, nachdem dessen Mitglieder sich vor Ort umgeschaut hatten.

Zwar war Ipser Bedenken, dass die angedachten Wohnhäuser auf dem 6500 Quadratmeter großen Wiesengelände unterhalb des Friedhofs Anwohnern den Blick auf die Bickenalb verstellen könnten, insofern entgegengekommen, als dass er die geplante Höhe der Gebäude von elf auf acht Meter reduziert hatte. Und auch die neu überdachten Zufahrtswege fanden die Zustimmung des Ausschusses. SPD-Ratsmitglied Schneider vertrat allerdings der Ansicht, dass auf der Fläche bezahlbarer Wohnraum für junge Familien geschaffen werden solle. Um das zu sicherzustellen solle die Stadt selbst das Projekt in die Hand nehmen.

Utopisch ist diese Vorstellung nicht. Schließlich gehört das Baugebiet, auf dem die Gebäude entstehen sollen, zu großen Teilen der Stadt und dem Umwelt- und Servicebetrieb. Bauträger Ipser wollte das Gebiet in Eigenregie und auf eigene Kosten baureif machen und vier der acht angedachten Bauplätze mit schlüsselfertigen Häusern nach Wünschen der Käufer bebauen. Und die anderen vier Plätze an Bauwillige verkaufen. Der Mittelbacher Ortsbeirat hatte den Plänen diskussionslos bei zwei Enthaltungen zugestimmt.



Die CDU konnte im Bauausschuss dem Vorschlag Schneiders wenig abgewinnen. Die Idee, dass das Gelände jungen Familien zugute kommen soll, sei zwar „charmant“, befand Volker Neubert. Allerdings tue die Schneider so, als ob das die Stadt Zweibrücken nichts koste. „Personal wird gebunden und die Stadt muss in etwas investieren, was sie zum Nulltarif bekommen kann. Ob wir das Gelände an einen Investor verkaufen, der es dann Interessenten veräußert. Oder ob die Stadt es direkt an die Menschen verkauft, macht wenig Unterschied“, argumentierte Neubert.

Thomas Eckerlein (CDU) stimmte seinem Parteikollegen zu: „Da kommt ein Investor, hat eine gute Idee und steigt in die Planungen ein – und dann kommt die Stadt und meint plötzlich, dass sie das doch lieber selber machen will?!“ Solch ein Vorgehen wäre ein fatales Signal an potenzielle Investoren. „Die brauchen auch Planungssicherheit“, ergänzte Eckerlein.

Dem widersprach wiederum Schneider. Die Behauptung, dass Ipser selbst auf die Idee gekommen sei, die brachliegende Fläche zu nutzen, sei „Legendenbildung“. Vielmehr sei die Flächen aktiv angeboten worden. Da sich die Bestattungskultur geändert und es immer mehr Feuer- und weniger Erdbestattungen gebe, werde die Fläche für den Friedhof nicht mehr benötigt, hatte Mittelbachs Ortsvorsteher und FWG-Fraktionschef Kurt Dettweiler im Januar geäußert.

Einem Vorschlag, dass man Ipser überzeugen solle, sein Bauvorhaben auf junge Familien auszurichten, widersprach Bernd Helbing (FDP): „Ich bin dagegen, dass wir einem Investor, der sein Geld bereitstellt, vorschreiben, wie er zu arbeiten hat!“

Aber sind all diese Gedankenspiele nicht ohnehin Makulatur? Zumindest nach eigenen Aussagen hat sich Ipser längst die Kaufoptionen auf die Grundstücke gesichert. Das Thema wird nun zunächst zur weiteren Beratung erneut in den Mittelbacher Ortsbeirat gegeben. Dort werde das Anliegen der SPD „sachlich diskutiert“, versprach Dettweiler. Danach soll es zurück in den Bauauschuss gehen, so Bürgermeister Christian Gauf (CDU).

Der Mittelbacher Ortsbeirat tagt am Donnerstag, 11. April, um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Mittelbach. Neben dem Bickenalb-Blick steht noch der Umwelttag am 12. April auf der Tagesordnung.