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Bahnfreunde sind nicht beunruhigt

 Pfeift das Saarland auf die S-Bahnverlängerung nach Zweibrücken? Foto: pma/Heitz
Pfeift das Saarland auf die S-Bahnverlängerung nach Zweibrücken? Foto: pma/Heitz FOTO: pma/Heitz
Zweibrücken. Nur aus taktischen Gründen sagt das Saarland noch nicht Ja zur S-Bahnverlängerung von Homburg bis Zweibrücken, ist Schienenfreund Bernhard Marschall überzeugt. Weshalb er nicht glaubt, dass mit dem Hammer „Kein Halt mehr in Homburg“ gedroht werden muss. Lutz Fröhlich

Stehen nach der klaren Abfuhr des saarländischen Landtags für den Antrag zur raschen Reaktivierung der S-Bahnverlängerung von Homburg nach Zweibrücken die Signale auf rot? Schrillen bei den Zweibrücker Bahnfreunden die Alarmglocken, dass das lang ersehnte Projekt auf der Zielgeraden noch platzen könnte?

Im Gegenteil, findet Peter Schehl, Sprecher der für die Streckenreaktivierung kämpfenden Zweibrücker "Initiative 2015". Ihm mache die Debatte, die er per Live-Stream im Internet verfolgt hat, sogar mehr Hoffnung - wegen der Rede des CDU-Abgeordneten Christian Gläser . Der Homburger hatte zwar mehrere Bedenken geäußert, so berücksichtige die Nutzen-Kosten-Untersuchung einseitig rheinland-pfälzische Interessen (wir berichteten). Die sechs Punkte, bei denen Gläser noch Klärungsbedarf reklamierte, seien aber "keine platte Ablehnung", findet Schehl - erstmalig habe sich ein Politiker der großen Saar-Koalition öffentlich intensiv ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt. Und das als offizieller CDU-Sprecher zu diesem Thema. Schehl: "Die Tatsache, dass die größte Regierungsfraktion im Saarland sich damit einen großen Schritt in die aus Zweibrücker Sicht richtige Richtung bewegt hat, kann in Spiegelung der monotonen Standardstatements der letzten Jahre gar nicht hoch genug eingeschätzt werden."

Gläser stelle auch berechtigte Fragen, so Schehl - etwa, ob 600 Meter entfernte Haltepunkte in Schwarzbach und Schwarzenacker nötig seien und ob mehrere Millionen Euro für den Umsteigebahnhof Einöd erforderlich sind.

Bernhard Marschall, Vorsitzender des "Vereins zur Förderung des Schienenverkehrs in und um Zweibrücken ", ärgert sich zwar über die Kritik ausgerechnet der Homburger Abgeordneten Gläser und Elke Eder-Hippler (SPD ) an dem Antrag von Piraten, Grünen und Linken, vor dem Hintergrund des auslaufenden Bundes-Finanzierungsprogramms bis 2016 eine Finanzierungsvereinbarung für die S-Bahnverlängerung zu treffen. "Mit Leuten wie Eder-Hippler und Gläser müssen wir leben", sagt Marschall. Gläser könne das Gutachten nicht gelesen haben, wenn er Lärm-Probleme befürchte, so Marschall. Er sehe die Ablehnung des Antrags aber gelassen. Nicht nur, weil es völlig üblich sei in der Politik, Oppositions-Anträge abzulehnen - und sie später, leicht umformuliert, zu eigener Politik zu machen. Sondern auch, weil das Saarland derzeit noch um seinen Finanzierungsanteil pokere. Die Merkur-Überschrift "Saarland bremst S-Bahn nach Zweibrücken aus" empfindet Marschall deshalb als falsch. Er sei überzeugt, dass die Reaktivierung komme: "Es läuft alles seinen geregelten Gang." Das Saarland müsse wohl nur zwei bis drei Millionen Euro investieren, "und bekommt dafür drei schöne Haltepunkte gebaut". Zudem werde mehr Frequenz auf der S-Bahn auch die wackelnden Fernverkehrs-Verbindungen des Saarlands sichern. Sollte das Saarland entgegen seiner Einschätzung Nein sagen, empfiehlt Marschall, dass Rheinland-Pfalz die Reaktivierungskosten allein übernimmt - und die S 1 Rhein-Neckar künftig ohne Halt in Homburg bis Zweibrücken fahren lässt.

Meinung:

Und wieder droht unsanfte Landung

Von Merkur-RedakteurLutz Fröhlich

Das Nein des Saar-Landtags zu einer raschen Klärung der Finanzierung der S-Bahnverlängerung sollte in der Pfalz ernst genommen werden. Zwar wäre weltfremd gewesen, zu erwarten, dass die Regierungsparteien einem Oppositionsantrag zustimmen. Wenn SPD und CDU aber irgendwann selbst als Führer auf diesen Zug springen wollten, hätten sie ihre Skepsis bis Ablehnung nicht derart ausgebreitet, von den Homburger (!) Abgeordneten bis hin zur zuständigen Ministerin Anke Rehlinger . Sondern das Vorhaben prinzipiell begrüßt und lediglich darauf verwiesen, dass vorher noch die laufende Klärung wichtiger Details abzuwarten sei. Stattdessen gab es vor allem die alte Leier vom angeblich mangelnden Nutzen der Verlängerung fürs Saarland.

Nun droht die gleiche Erfahrung wie beim Flughafen: Wer auf die Vernunft Saarbrückens setzt, zu erkennen, wie sehr Kooperation mit Zweibrücken auch dem Saarland nutzt, landet am Ende unsanft auf dem Boden der Tatsachen.