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Historischer Verein
Diskussionen über das Unbegreifliche

Museumsleiterin Charlotte Glück (rechts) erzählte den Mitgliedern des Historischen Vereins im Zweibrücker Stadtmuseum viel Wissenswertes über die Geschichte der Anne Frank.
Museumsleiterin Charlotte Glück (rechts) erzählte den Mitgliedern des Historischen Vereins im Zweibrücker Stadtmuseum viel Wissenswertes über die Geschichte der Anne Frank. FOTO: Susanne Lilischkis
Zweibrücken. Charlotte Glück führte Mitglieder des Historischen Vereins durch die „Anne Frank Ausstellung“ im Zweibrücker Stadtmuseum. Von Susanne Lilischkis

Auf großes Interesse stieß der gemeinsame Besuch der „Anne Frank Ausstellung“ bei den Mitgliedern des Historischen Vereins Zweibrücken. Charlotte Glück, die Leiterin des Stadtmuseums, führte die etwa 30 Anwesenden in die Schau des „Anne Frank Zentrums Berlin“ ein. „Die Ausstellung beschäftigt sich mit einer Geschichte, die viele lieber links liegen lassen“, sagte Charlotte Glück zu Beginn des Rundgangs.

Glück wies darauf hin, dass Anne Frank im gleichen Jahr geboren wurde wie Heinz Weinkauf, der Vorsitzende des Historischen Vereins: „Wenn sie überlebt hätte, könnte sie heute hier sitzen.“

Das Konzept der „Peer education“ – Schüler führen ihre Klassenkameraden durch die Ausstellung – gehe sehr gut auf, freut sich die Museumsleiterin. Die kommenden vier Wochen sind für die Schulklassen schon ausgebucht. Die Ausstellung und die begleitende Schulung der Jugendlichen hat der Bezirksverband Pfalz finanziell unterstützt.



In der ersten Etage des Stadtmuseums wird die Gegenwart gezeigt, mit Denkanstößen zum Thema Ausgrenzung, Selbstfindung und Dazugehören. Für die Mitglieder des Historischen Vereins sicher interessanter war der Teil im Erdgeschoss, der das historische Geschehen behandelt. Viele private Fotos erlauben einen ganz intimen Einblick in das Leben der Familie Frank.

Neben den Fotos von Familie und Freunden sind auch Ausschnitte aus Propagandafilmen der Nazis, Plakate und eine Faksimile-Ausgabe des Tagebuchs zu sehen. Das Werk wurde übrigens in 80 Sprachen übersetzt und erschien schon im Jahr 1947, zwei Jahre nach Anne Franks Tod im Konzentrationslager Bergen Belsen. Helfer der Familie Frank hatten es im Versteck gefunden, nachdem die Familie verraten und deportiert wurde. Nur Anne Franks Vater überlebte die Nazizeit und das Konzentrationslager.

Besucherin Gabi Brasche erinnerte sich, dass sie das Tagebuch der Anne Frank als Zehnjährige bekommen hat: „Es war ein Geschenk von Frau Katz, einer Überlebenden des Holocaust.“ Brasche hat auch das Haus in Amsterdam besucht, in dem sich die Familie Frank jahrelang versteckt hielt. In der Ausstellung wird von dem Haus eine detaillierte Darstellung gezeigt.

Eine Verbindung von Anne Frank zur Stadt Zweibrücken gibt es auch: Annes Onkel, Erich Elias, wurde 1890 hier geboren und wohnte in der Kaiserstraße 13. Sein Sohn, der Schauspieler Buddy Elias, hat Zweibrücken mehrmals in den Jahren vor seinem Tod besucht. An das Wohnhaus des Großvaters, eines der wenigen noch erhaltenen Häuser aus der Vorkriegszeit, konnte sich Elias noch erinnern.

Die Mitglieder des Historischen Vereins diskutierten angeregt über die Exponate der Ausstellung. Man stimmte Charlotte Glück zu, die bemerkte, dass die Ermordung von sechs Millionen Juden eine abstrakte Zahl ist und dass man sich mit dem Schicksal einer einzelnen Person viel besser identifizieren kann.

Das Tagebuch hat im Laufe der Jahre viele Menschen bewegt. In der Ausstellung hängt ein Zitat von John F. Kennedy: „Von den vielen, die im Laufe der Geschichte in Zeiten tiefen Leids und großer Verluste für die Würde des Menschen eingetreten sind, ist keine Stimme zwingender als die von Anne Frank.“