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Verdienstmedaille für Zweibrücker
„Auf einmal ist man drin“

 Karl Heinz Stauter zeigt die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz und die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Karl Heinz Stauter zeigt die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz und die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. FOTO: Nadine Lang
Zweibrücken. Karl Heinz Stauter wurde vom Bundespräsidenten für jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Von Nadine Lang

Karl Heinz Stauter war gerade einmal acht Jahre alt, als ihn beim Spielen im Freien mit anderen Jungs die Splitter einer Handgranate am Kopf trafen, die einer der anderen unwissend gezündet hatte. Die Folge: eine schwerwiegende Hirnverletzung, die ihn die nächsten Jahre stark einschränken sollte.

„Wenn Sie als Kind schwerbehindert sind, dann haben sie zu der Zeit bei Schule, Berufsfindung und Sport, große Probleme gehabt“, erinnert sich der heute 82-Jährige. Das Abitur wurde ihm verwehrt, weil man fürchtete, die Anstrengung sei zu groß und auch beim Sport wurden ihm viele Grenzen gesetzt.

 Doch Karl Heinz Stauter kämpfte sich durchs Leben, suchte sich mit dem Tischtennis eine machbare Alternative zum heißgeliebten Fußball, absolvierte eine Berufsausbildung zum Maschinenschlosser, Werkmeister und Techniker und wurde später stellvertretender Abteilungsleiter in der Arbeitsvorbereitung. 1951 schloss er sich dem BDH Bundesverband Rehabilitation an - damals noch rein auf Hirnverletzte ausgelegt. Heute ist der Verband auf das gesamte Spektrum der neurologischen Rehabilitation spezialisiert und betreibt sechs Kliniken in Deutschland.



Diese Entwicklung hat Karl Heinz Stauter miterlebt. Im Kreis- und Landesverband setzt er sich seitdem ein, denn eins kann man über Karl Heinz Stauter wirklich behaupten: Wenn er sich engagiert, dann richtig. „Auf einmal ist man drin und es gibt kein Zurück mehr“, erklärt Karl Heinz Stauter lachend. Das lag damals auch daran, dass er einer der wenigen Jüngeren war. Beim BDH auf Kreisebene ist er „Mädchen für alles“, wie er selbst erklärt. Dazu gehören Amtsvorgänge für Gelder, die den Betroffenen zustehen,  Rat geben, mit behandelnden Ärzten sprechen, das Ausfüllen von Anträgen, das Einlegen von Widersprüchen oder sogar die Begleitung bei Arztbesuchen.

Zunächst war er nur Ansprechpartner für Menschen aus Zweibrücken, doch im Laufe der Zeit, sprach sich sein Engagement herum und der Radius hat sich immer weiter ausgeweitet. „Es ist manchmal, wenn man so zurückblickt, auch ausgeartet. Aber trotzdem war es mir nicht zu viel“, erinnert sich Stauter. Anfangs bekam er nicht mal das Fahrgeld für all die Fahrten, die er im Auftrag der guten Sache tätigte, wie die Fahrt nach Koblenz einmal im Monat. Das legte er aus eigener Tasche drauf: „Aber es hat was gebracht für die Menschen.“

Das alles machte er viele Jahre neben seinem Beruf, bei dem er ebenfalls sechs Jahre lang zum Vertrauensmann der Schwerbehinderten ernannt war, und auch beim Tischtennis, das er bis heute noch aktiv spielt, brachte er sich mit verschiedenen Ämtern ein. All das kostete viel Zeit für den zweifachen Familienvater und zweifachen Großvater. „Was ganz wichtig war und ist, das ist, dass meine Frau mitmacht“, erklärt Karl Heinz Stauter. 

Mit seiner Elisabeth ist er seit 1959 verheiratet. Sie stärkte ihm immer den Rücken und war bei vielen Dingen mit dabei.  Und die noch heute mit Verständnis hinter ihrem Mann, der nach eigener Aussage einfach nie ‚Nein‘ sagen kann. „ER war immer ganz glücklich, wenn er etwas für andere durchgesetzt hat“, erzählt sie.  „Wir müssten ein Buch schreiben, aber wir haben ja keine Zeit“, scherzt Karl Heinz Stauter. Tatsächlich wurde er gerade wieder auf weitere fünf Jahre zum ehrenamtlichen Richter des Landessozialgerichts ernannt. Und auch für Betroffene und generell Menschen, die sonst niemanden haben, ist der selbst zu 80 Prozent Schwerbehinderte nach wie vor da. Für dieses Engagement über Jahrzehnte wurde Karl Heinz Stauter im Dezember schließlich mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.