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Historischer Verein
Auf den Spuren einer Kur im Jahr 1738

Richard Hudlet bei seinem Vortrag in der Karlskirche.
Richard Hudlet bei seinem Vortrag in der Karlskirche. FOTO: Margarete Lehmann
Zweibrücken. Vortrag von Richard Hudlet beim Historischen Verein über „das Schifflicker Tagbuch“. Von Peter Fromann

In Zweibrücken, genauer gesagt in Schifflick, konnte man im 18. Jahrhundert sogar kuren, natürlich weniger die einfachen Bürger als Personen aus dem Adelsstand. Einem der damaligen Gäste verdanken wir „das Schifflicker Tagbuch“, das über den Verlauf der Kur und über die Kurgäste aus dem Jahr 1738 Auskunft gibt. Geschrieben in 1754 Hexametern, die sich auch noch reimten. Eingeladen zur Kur hatte die regierende Herzogin-Witwe Caroline von Pfalz-Zweibrücken.

Unter den 41 Gästen war auch eine hochgestellte Person aus Gedern, im Hessischen gelegen. Eben der „Mops von Gedern, der am dänischen Hof lebte“. „Wahrscheinlich ist der Graf Friedrich Karl von Stolberg-Gedern gemeint“, sagte der Vortragende Richard Hudlet, Vorstandsmitglied des Historischen Vereins Zweibrücken.

Alle Personen im Tagebuch wurden mit Namen aus der Mythologie, aus der antiken Götterwelt, versehen. Der Mops tritt als Zerberus auf, als mehrköpfiger Höllenhund. Da er immerhin 1754 Hexameter verfasst hat, launig und leicht satirisch, möchte ein Zuhörer wissen, „hat der Mops vielleicht noch mehr geschrieben, das uns die Welt von gestern näher bringen könnte?“ Die Antwort blieb leider aus, hier gibt es also noch Lorbeeren zu vergeben.



Die Kur bestand im Wesentlichen aus Verabreichung von angesäuertem Wasser und Gespräche mit leicht ironischem Unterton. Viele Gäste bekamen heftiges Bauchgrimmen von der Kur und mussten sich in die Büsche schlagen. „Daher rührt wohl auch die Fruchtbarkeit des Bodens in der Fasanerie & Co“, witzelte der Referent.

Wein wurde gern getrunken, und es kam schon mal vor, dass sehr viel getrunken wurde. Der Trompetenhügel in der Fasanerie war noch intakt, der Gutenbrunnen auch. Und die alte Schifflicker Mühle stand da, wo heute das Forsthaus steht, unweit des heutigen Tschifflicker Bahnhofs.

„Mit Bodenradar konnten die alten Gemäuer oder Spuren von ihnen nachgewiesen werden, die mit den Aussagen im „Tagbuch“ gut in Einklang zu bringen sind“, berichtet Hudlet. Schifflick hat wirklich so ausgesehen, wie es auf alten Plänen und Aufzeichnungen dargestellt ist und durch das Tagebuch nun auch bestätigt wird“. Er habe nicht alle 1754 Hexameter bearbeiten können, denn es sei nicht so ganz einfach, die überlieferte Handschrift zu entziffern und alle Querbezüge zu entdecken. Trotzdem können alle Zweibrücker mit den Versen des „Mops“ zufrieden sein, weil uns durch sie die Vorfahren nun ein wenig näher sind.