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Anita Bischoff referiert über Antike
Armes reiches Griechenland

Anita Bischoff sprach in der Bipontina über das griechische Relief.
Anita Bischoff sprach in der Bipontina über das griechische Relief. FOTO: Margarete Lehmann
Zweibrücken. Vortrag von Anita Bischoff über „das griechische Relief“ bietet viele interessante Aspekte. Von Peter Fromann

„Die Griechen“, sagt Anita Bischoff, Studiendirektorin i. R. mit den Hauptfächern Griechisch und Latein, „sind von Anfang an begnadete Geschichtenerzähler auf den Spuren ihres Ahnherr Homer“. Überliefert in der Ilias und der Odyssee, in Stein gehauen auf Gräbern, Tempeln und Altären in leuchtenden Farben, die freilich in 2500 Jahren bis auf minimale Spuren verwaschen sind.

Die Entwicklung des Reliefs lässt sich besonders gut an ihnen verfolgen von den Metopen an dorischen Tempeln bis hin zu den in barocker Pracht überbordenden Göttern und Giganten am Pergamonaltar, der im Pergamonmuseum in Berlin zu bewundern ist, das aber wegen Renovierung bis auf weiteres geschlossen ist. Ausführlich wurde auf den Bau griechischer Tempel eingegangen, die alle einer ähnlichen systematischen Gliederung und mathematischer Präzision unterliegen. Alle Vertikalen sind minimal nach Innen geneigt, Horizontale sind durch eine Kurvatur, eine leichte Wölbung zur Mitte hin, gebaut. Dadurch wirken sie lebendig und leicht.

Genauer behandelte Bischoff den frühklassischen Zeus-Tempel in Olympia mit der ehemals 13 Meter hohen Zeusfigur, 480 vor Christus erbaut, mit dorischen Säulen und den zwölf Reliefs, den Taten des Herakles, des berühmtesten Sohnes des Zeus. Und den Parthenon-Tempel aus dem Jahr 430 in Athen in klassischem Stil mit einem umlaufenden Giebelfries von 160 Metern Länge und einem zwölf Meter hohen Standbild der Göttin Athene. Beide Skulpturen, die des Zeus und die der Athena schuf Phidias, einer der bedeutendsten Bildhauer der Antike. In den Kunstwerken wurde die Entwicklung der Reliefs bis hin zur vollplastischen Figur dargestellt. In noch späterer Zeit, im Hellenismus, ging es dann sozusagen drunter und drüber in der darstellenden Kunst, gleichsam „barock“ eben.



Ein kurzer Blick nach 90 Minuten galt den Darstellungen auf Gräbern und Altären. Nach 120 Minuten waren die 30 Kunstfreunde gut informiert, ausgefüllt von der Schönheit und Erhabenheit der griechischen Kunst der Antike und hatten die vielen Milliarden Schulden Griechenlands vergessen, gewissermaßen eingetauscht gegen die Unvergänglichkeit der Kunst. Und plötzlich, gegen 21.15 Uhr, schickte Zeus Donner und Blitz über die Bipontina.